Roman schreiben · Schreiben

Wie du Struktur in deine Romanidee bekommst

Wenn du nun deine auslösende Idee, das Thema und dein Genre kennst, kannst du mit der Planung deines Romans beginnen. Hier spielt deine Story die Hauptrolle. Du legst die grundlegende Entwicklung deiner Geschichte fest und gibst ihr Wendepunkte, die dir als Anker dienen werden, wenn dein Schreibschiff einsam auf dem Ozean treibt. Welche Strukturmodelle du dazu benutzen kannst und wie du deine Geschichte sinnvoll gliederst, lernst du in dieser Lektion. Außerdem wirst du herausfinden, welchen Umfang deine Geschichte in etwa erhalten wird. Ist es eine Kurzgeschichte, eine Novelle oder gar eine mehrteilige Reihe?

Dies ist ein Beitrag aus der Reihe Das 12-Punkte-Programm zu deinem ersten Roman.


Es gibt viele verschiedene Modelle, mit denen du die Struktur deines Romans in den Griff bekommst. An diesem Punkt ähnelt das Schreiben der Architektur. Du kannst alles machen, aber du solltest dabei ein bisschen auf die Statik achten, damit dir das Dach nicht über dem Kopf einbricht. Das Grundgerüst, das du wählst, zeigt dir wie du es machen kannst, aber es macht aus deinem Buch noch lange kein Kunstwerk wie den Eiffelturm.

Du musst dich nicht sklavisch an ein Modell halten, aber du gewinnst mit den Modellen einen guten Überblick dafür, wie lang einzelne Abschnitte deiner Geschichte sein sollten und wo es notwendig ist, deiner Geschichte Höhen und Tiefen zu verleihen. 

Nichts ist langweiliger als eine Geschichte ohne Höhen und Tiefen.  Klick um zu Tweeten

Welche Modell für die Romanstruktur gibt es?

Manche Leser legen ein Buch weg, wenn zu lange nichts substanzielles passiert, dass die Spannung aufrecht hält. Wenn in deinen Kritiken steht „Das Buch war langweilig. Es passierte lange Zeit nichts und dann war es vorbei.“ kann das das Aus für deinen Roman bedeuten.  

Einen hervorragenden Einblick in den grundsätzlichen Aufbau von Geschichten findest du in der Heldenreise (Linktipp: Die Heldenreise auf MyNextSelf.com) und den 20 Masterplots von Ronald Tobias (Buchtipp). 

Man unterscheidet entweder nach der Anzahl von Akten (3-Akte-Struktur, 4, Akte-Struktur, 5-Akte-Struktur), wie man es aus Theaterstücken kennt, oder nach der Anzahl von Sequenzen (8-Sequenzen-Modell) oder nach Plotpunkten (7-Punkt-Struktur) 

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Die einfachste Form mit den meisten Freiräumen ist die 3-Akte Struktur – sie bietet allerdings auch am wenigsten Halt.

  1. Akt: Einleitung
  2. Akt: Hauptteil
  3. Akt: Schluss

 Dann gibt es die 4-Akte-Struktur.

  1. Akt: Einleitung/Exposition
  2. Akt: Steigerung (Protagonist noch reaktiv)
  3. Akt: Hauptteil (Protagonist aktiv)
  4. Akt: Schluss/Finale

 Die 5-Akte-Struktur verhilft deinem Roman bereits zu einem etwas haltbareren Grundgerüst.

  1. Akt: Einleitung
  2. Akt: Steigerung
  3. Akt: Höhepunkt
  4. Akt: Verlangsamung
  5. Akt: Schluss/Auflösung

 Das 8-Sequenzen-Modell leitet sich vom Film ab. Wichtig ist hierbei, dass jede Sequenz mit einem kleinen Spannungsmoment endet. Warum?

Wie gesagt, das Modell kommt vom Film. Früher als Filme noch auf Filmrollen in Kinos ausgestrahlt wurden (also in grauer Vorzeit), war das Fassungsvermögen einer Filmrolle auf ca. 10 Minuten begrenzt. Für einen ganzen Spielfilm brauchte man daher 8 Rollen. Jeder Rollenwechsel hat ein bisschen Zeit in Anspruch genommen. Jede Rolle musste also spannend enden, damit die Menschen nicht den Saal verließen – vergleichbar ist das heute ein wenig mit den Werbepausen im Free-TV (ein Wort, das man vor ein paar Jahren noch nicht gebraucht hat, wenn man Fernsehen beschreiben wollte). 

  1. Sequenz: Ausgangssituation und veränderndes Moment
  2. Sequenz: Das Problem wird offenkundig
  3. Sequenz: Erster Fehlversuch, der Protagonist reagiert auf sein Problem und macht (eventuell) alles noch viel schlimmer
  4. Sequenz: Zweiter Fehlversuch, aus der neuen Misere scheint kein Entkommen mehr
  5. Sequenz: In der Niederlage findet der Protagonist einen neuen Ansatz
  6. Sequenz: Finale Konfrontation mit dem Antagonisten oder dem Problem
  7. Sequenz: Ausgang des Konfliktes (ggf. letzte Finte)
  8. Sequenz: Die Auflösung, am Ende wird alles gut oder auch nicht (alle losen Fäden eingesammelt)

Man könnte jetzt natürlich sagen, dass das digitale Zeitalter das Modell der 8 Filmrollen überholt hat, aber Filme waren so lange so aufgebaut, dass es nun eben so gehört.  

Wenn dich dieses Modell interessiert, schau doch mal in meinen älteren Beitrag dazu: Das 8 Sequenzen-Modell und wie ich es für mich nutze


Die 7-Punkte-Struktur nach Dan Wells gliedert den 5-Akter weiter auf. Es ist ein sehr symmetrisches Modell – fast zu symmetrisch für meinen Geschmack, aber trotzdem nutzbar.

  1. Einleitung
  2. Erster Wendepunkt
  3. Erster Pinch
  4. Mittelpunkt
  5. Zweiter Pinch
  6. Zweiter Wende Punkt
  7. Auflösung

Was gehört wohin? 

Ganz wichtig ist, dass in der Einleitung das auslösende Moment hängt. Das war für deine Figuren die Geschichte in Gang setzt muss in der Einleitung stecken, sonst springen dir viele Leser vermutlich schon in der Einleitung von der Seite. Es ist ein bisschen wie im Krimi, wenn man auf den ersten Toten wartet und er kommt und kommt nicht. Natürlich muss im Krimi nicht der Tote das auslösende Moment sein, aber es ist häufig so. In meinem zweiten Band der Reihe Moorkamps Fälle ist das auslösende Moment etwas ganz anderes und der Tote kommt deutlich später. Das stellt allerdings die Geduld des Lesers ein wenig auf die Probe. 

Ein Wendepunkt muss auch genau das für die Figur sein. Etwas verändert sich, sodass eine Rückkehr zum vorherigen Status Quo keine Lösung mehr ist. Hat die Figur bis dato noch mit ihrem Schicksal gehadert, muss sie sich ihm nun stellen. 

Spätestens im Hauptteil der Geschichte muss die Hauptfigur aktiv werden. Eine Figur, die nur reaktiv durch die Geschichte treibt, gefällt sehr vielen Lesern nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die meisten Konflikte lassen sich nicht durch eine Figur lösen, die nicht den Mut hat, Entscheidungen zu treffen und Fehler zu machen. Oder erinnerst du dich an die Geschichte von dem Mädchen, dem so übel mitgespielt wurde, aber am Ende hat sich das Problem wie durch Zauberhand aufgelöst und alles war wieder gut? 

Vor der Auflösung sollte sich das Drama noch einmal verschlimmern, damit es auch wirklich unlösbar erscheint. Ich erarbeite mir meist meine Romane grundsätzlich nach der 8 Sequenzen-Struktur, aber jedes Projekt hat ein wenig andere Anforderungen. Insbesondere wenn du Mehrteiler schreibst, kann deine Geschichte vollkommen anders gestrickt sein. Muss es vielleicht sogar, weil du nicht in jedem Band mit einer Auflösung enden willst.

Vielleicht ist die (vorläufige) Auflösung deine vorletzte Sequenz und du leitest mit der letzten schon wieder in eine Einleitung über, um einen Spannungsbogen zum nächsten Band zu spannen. Das liegt ganz bei dir.

Aber die Grundstruktur erfolgreicher Romane und Filme zu kennen, ist definitiv nicht verkehrt. Insbesondere Längen in der Mitte lassen sich so gut vermeiden. 

Wenn du gerne noch weiter ins Detail der Planung einsteigen möchtest, lies doch gerne hier weiter:

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