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Was du beim Schreiben einer Buchserie beachten solltest

Einen Roman zu schreiben, ist schon eine ganz schön große Herausforderung. Fünf mal habe ich das schon geschafft. Einer davon ist mit über 400 Seiten auch ganz schön dick geworden. Eine Reihe ist ebenfalls dabei, aber eine Serie ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

Um eine Serie zu schreiben, braucht es viel mehr Planung – und wenn du mich ein bisschen kennst, weißt du, wie sehr ich Pläne liebe.

Die Basis dieses Artikels habe ich 2017 gelegt, als ich mein Projekt #Höhlenstaub zum ersten Mal angefasst habe. Damals war die Geschichte noch in einem ganz anderen Genre angesiedelt, aber die Grundpfeiler meiner Planung sind gleich geblieben. Dennoch bekommt der Artikel heute ein Update, weil ich inzwischen so wahnsinnig viel dazu gelernt habe.


Wichtige Fragen, die ich in diesem Beitrag behandeln werde:

  • Welche Arten von Serien gibt es?
  • Was unterscheidet das Schreiben einer Serie von einer Reihe?
  • Worauf solltest du achten, wenn du wechselnde Erzähler verwenden möchtest?
  • Wie behältst du deine Handlungsstränge stets im Blick?
  • Was erwarten Leser von Serien?

Welche Arten von Serien gibt es?

…und worüber reden wir in diesem Beitrag.

Zunächst ist es Zeit für eine Definition. Serie & Reihe sind Begriffe, die vielfach synonym benutzt werden. hier ist es aber wichtig, dass wir alle wissen, worüber wir reden.

Wenn ich Serie sage, meine ich eine Geschichte, die sich über mehrere Episoden spannt und die möglicherweise in Staffeln unterteilt ist. Serien kennen wir insbesondere aus dem Fernsehen und vom Bingewatching auf Netflix und Co. Es gibt Serien, die je Folge eine abgeschlossene Geschichte erzählen – das kennen wir von den meisten Krimiserien und deshalb gibt es im Bereich Krimi auch so viele Reihen, die zu der Verwechslung von Reihe und Serie führen 😉

Meine Serie High Fashion Mystery aka Das Höhlenstaub-Projekt von damals ist eine Serie, die fortlaufend erzählt wird und deren Spannungsbogen sich über die ganze Serie erstreckt. Ich entschuldige mich jetzt schon für die Cliffhanger bei allen Ungeduldigen. In der Regel gibt es ein Knaller-Staffelfinale. Ach, was rede ich – es gibt IMMER ein Knaller-Staffelfinale und am Ende steht die Auflösung aller relevanten Geheimnisse.

Verbunden ist die Serie durch ihre Hauptstory, die in meinem Fall das mysteriöse Verschwinden von Journalistin Delia Gupta bildet. Über jeder Folge steht die Frage „Was geschah mit Delia Gupta?“ und wir erfahren in jeder Folge ein bisschen was über dieses Geheimnis. Dabei können unsere Erkenntnisse und der Auflösung näher bringen oder uns auf eine falsche Fährte lenken.

Verschiedene Serien und ihre Hauptstory im Vergleich

Jede Serie hat ein Thema. Meistens ist dieses Thema die „eigentliche“ Geschichte, die durch viele weitere Geschichten überlagert werden kann. Hier mal ein paar Beispiele und die wesentlichen Unterschiede:

  • The Big Bang Theory – (hat aus meiner Sicht nicht viel an Hauptstory) Maximal wäre da „Die Geschichte von vier Nerds und wie sie endlich jeweils eine Frau finden“
  • The Mentalist – „Ein Schwindler jagt den Mörder seiner Familie“, diese Story geht nach der Identifizierung des Mörders verloren, aber war doch die übergeordnete Story des Serienkonzeptes.
  • Criminal Minds – „Die Profilerarbeit zweier Pioniere wird ein anerkanntes Ermittlungsinstrument“, ja auch dieses Motiv ist irgendwie schwach, scheint aber doch hinter der Serie zu stecken, obwohl das Ziel quasi schon vor Beginn der Serie erreicht wird, weil es die BAU bereits mit reichlich Personal und Anforderungen gibt.
  • Lost – (hier geklaut von Wikipedia) Lost ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die von den Überlebenden eines Passagierflugzeugabsturzes und dessen Folgen auf einer Insel im Pazifik handelt. Lost ist als Mystery-Serie mit einer durchgängigen Handlung konzipiert.
  • Pretty Little Liars – „Eine Mädchenclique wird vom vermeintlichen Geist ihrer verstorbenen Freundin verfolgt“ Die Frage über allem ist „Wer ist A?“ – also wer verfolgt die Mädchen wirklich, denn alle sind sich nach dem Leichenfund einig, dass es wohl kaum Allison sein kann. Dieses Geheimnis sowie viele mehr ziehen sich über einen langen Spannungsbogen.

Du siehst also, das Thema Serie lässt sich auf viele verschiedene Arten angehen. Ich kümmere mich in diesem Fall um Serien mit einem mehrere Folgen umfassenden Spannungsbogen. Starten wir nun mit einem kleinen Schaubild:

Meine Serie umspannt vier Staffeln, die jeweils sechs Folgen enthalten und eine Vorgeschichte – insgesamt also 25 Episoden, wobei ein Einstieg sowohl in der Vorgeschichte als auch in Folge 1 möglich ist. Ein späterer Einstieg empfiehlt sich nicht, da der Leser dabei wesentliche Informationen überspringt.

Welche Struktur verbirgt sich hinter meiner Serie?

Ich nutze eine klassische Drei-Akt-Struktur für die Hauptgeschichte, wobei die Staffeln 2 und 3 gemeinsam den zweiten Akt bilden. In dieser Struktur gibt es zu 25%, 50% und 75% wichtige Wendepunkte, die bei mir auf die Finalfolgen der Staffeln fallen. In den einzelnen Folgen ist diese Struktur kaum erkennbar, da dort die individuellen Geschichten der Erzähler die Hauptrolle spielen.

Was unterscheidet das Schreiben einer Serie von einer Reihe?

Ich folge der Devise: Jeder ist der Protagonist in seiner eigenen Geschichte.

So bekommen meine Erzähler eine eigene Geschichte, ein eigenes Leben und eigene Herausforderungen zu meistern. Diese Geschichten folgen dem Leben. Das heißt eine Geschichte beginnt, wann immer sie will, und eine Geschichte endet (vorläufig), wann immer sie zu ende ist. Meine Figuren verlieben sich, erleben Erfolge, geraten in Schwierigkeiten und und und… aber es gibt für sie kein „…und sie lebten glücklich bis an ihr Ende“, denn das Leben geht unbarmherzig weiter und was einst schön war, kann am nächsten Tag vorbei sein.

Ein Band einer Reihe hat dagegen einen definierten Start- und Endpunkt. Ein Happy for Now ist dabei stets möglich

Die Art von Serie, die ich schreibe, enthält am Ende mancher Folgen hingegen den kompletten Gegenpol: einen Cliffhanger. Der Ausgang der Story ist ungewiss.

Wer ist der Erzähler?

Ich nutze eine Vielzahl verschiedener Blickwinkel für meine Story. Viele Erzähler wechseln sich ab und enthüllen nach und nach ihre eigenen Geschichten und tragen etwas zu der Hauptgeschichte bei. Jede Figur ist auf die eine oder andere Weise in die Hauptgeschichte „verwickelt“. Diese Verwicklung ist jedoch für den Leser nicht auf den ersten Blick erkennbar.

In der Stadt gibt es Platz für nahezu jede Geschichte, die in ein urbanes realistisches Setting passt. Das bedeutet viel Freiraum für mich als Autorin, aber auch die schwierige Aufgabe zu unterscheiden, was ich „mitnehmen“ kann und was ich „liegenlassen“ muss. Nicht jeder Bewohner der Stadt taugt deshalb als Erzähler für meine Geschichte.

Worauf solltest du achten, wenn du wechselnde Erzähler verwenden möchtest?

Wie behältst du deine Handlungsstränge stets im Blick?

Was erwarten Leser von Serien?

Meine Geschichte orientiert sich hier also am ehesten am Aufbau von Lost. Es gibt eine Backstory, die nach und nach enthüllt und erzählt wird. Bislang plane ich aber nicht, diese Backstory vor dem Release der entsprechenden Bände zu lüften. Ich mache also ein großes blödes Geheimnis darum, weil es für die Erzähler auch eins ist. Der Leser lüftet die Geheimnisse mit den Erzählern, die zu Beginn keine Ahnung haben, in was sie da eigentlich hineingeraten sind, und entsprechend der äußere Schein an manchen Stellen trügt.

So, dann kommt der Unterbau in Form von Staffeln. Jede Staffel erzählt einen bestimmten Abschnitt in der Hauptgeschichte. In jeder Staffel wird es auch ein paar Wechsel im Personal der Geschichte geben – wie im echten Leben auch. Einige Erzähler ziehen sich jedoch durch die Staffeln.

Jede Staffel ist in 6 Bänden geplant – also 6 Folgen. Ein Band ist in seiner Länge definiert durch den Zeitraum, den er beschreibt – in meinem Fall ist es jeweils etwa ein Monat, was auch dem Release-Plan (ein Band pro Monat) entspricht. Damit ist eine Staffel ein halbes Jahr in der Geschichte.

Je Band/Folge gibt es drei Erzähler, aus deren Perspektiven ihre individuellen Geschichten erzählt werden, die natürlich durch die Begebenheiten der Hauptstory beeinflusst werden. Der Leser erhält nach und nach einen Wissensvorsprung vor den Figuren, weil er mehr erfährt als eine einzelne Figur in der Geschichte.

Wenn in Band 1 die Figuren 1, 2 und 3 erzählt haben, kommen in Band 2 vielleicht die Figuren 4, 5 und 6 an die Reihe und die Geschichte von 1, 2 und 3 wird zur Nebenstory im Hintergrund der Geschichten von 4, 5 und 6. Im nächsten Band erzählen dann vielleicht 1, 7 und 8 weiter, weil es bei denen wieder so richtig interessant wird. Maximal habe ich damit 3*6 Erzähler pro Staffel – real sind es natürlich ein paar weniger, weil einige sich wiederholen.

Wir halten also die Kamera immer auf die Figuren, bei denen es gerade so richtig zur Sache geht. Dabei bleibt natürlich der eine oder andere Cliffhanger nicht aus, denn nicht alles kann gleich schnell abgeschlossen werden. Allerdings verspreche ich, dass jeder Band die Geschichte ein bisschen voran bringt.

So viel zur groben Struktur. Wie gehe ich im Detail beim Planen der Staffeln vor:

(Hier mache ich kein Schaubild, weil ich mit dem echten zu viel verrate und ein „Beispiel“ als solches verdammt viel Arbeit machen würde)

Die nächste Instanz ist Textdatei mit der Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse je Band und eine Tabelle, die auf der einen Achse die Figuren (Hauptfiguren, Nebenfiguren) zeigt und auf der anderen die Zeitachse (Staffel, Band, Woche, Tag- von grob nach fein). Ins Zentrum der Tabelle kommen dann die Dinge, die die Figuren in Woche X erleben. Hier markiere ich mir in fetter Schrift die Figuren, die in dem Band als Erzähler „arbeiten“ sollen, aber auch wer nicht erzählt, dessen Welt steht nicht still. Jedoch gibt es spannende Lebensphasen und weniger spannende.

Wenn eine Figur den ganzen Monat lang immer nur zur Arbeit geht und abends fernsieht, taugt er wirklich nicht als Erzähler. Verliebt er sich aber in eine andere Figur und entscheidet sich, dem Objekt der Begierde nachzustellen, um zu erfahren, was sie mag. Ihr dann „zufällig“ begegnet und plötzlich die gleichen Interessen aufweist… Naja, diese Story konnte ich entweder als Stalker oder Gestalkter erzählen. Wenn es sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, könnte ich es sogar beide in unterschiedlichen Phasen erzählen lassen.

An dem Beispiel siehst du schon, dass ich natürlich mehr Story haben muss, als ich erzähle. Jede Figur hat eine Motivation und einen eigenen Hintergrund, den sie nicht unbedingt jedem erzählt. Wenn sie aber als Erzähler auftritt, ist sie ehrlich und könnte dir zu gegebener Zeit etwas über sich selbst verraten, dass die anderen Figuren nicht wissen. Hier kommt der Leser also zu seinem Wissensvorsprung.

Da sich manche Geschichten im Hintergrund eines Bandes (weiter)entwickeln, muss ich eine Möglichkeit finden, wie die wichtigen Details an den Leser kommen. Mein Erzähler des Bandes könnte durch ein Gespräch davon erfahren oder etwas beobachten und dem Ganzen mehr oder weniger Bedeutung beimessen.


Trotzdem halte ich mich an die Regel, die ich für äußerst wichtig halte:

Erzähle dem Leser nur, was ihm hilft.

Lose Enden nerven. Wenn ich dich nun wissen lasse, dass C beobachtet hat, dass sich A und B heimlich treffen, muss es für die weitere Geschichte irgendwas bedeuten. Sonst ist das ein loses Ende und der Leser glaubt, ich schmeiße ihn mit nutzlosen Infos tot. Das Gegenteil wäre also die berühmte Taktik, den Gegner mit Papieren überfrachten, damit er die wichtigen Blätter nicht identifizieren kann.

Das kann man machen, sollte aber nicht glauben, dass der Leser nochmal wieder kommt.

Spätestens beim Überarbeiten muss ich mich also fragen:

„Brauche ich die Info oder kann das weg?“


Okay, ich habe dir also nun von der Timeline erzählt – so nenne ich die große Excel-Datei mit der „kompletten“ Story meiner Figuren drin.

In der Vorbereitung eines Bandes entsteht dann eine zweite Tabelle – mein Szenenplan. Hier steht dann aus der Timeline schon fest, wer seine Geschichte erzählen wird. Alle Erzähler sind gleichberechtigt und nehmen etwa gleich viel Raum in der Geschichte ein. Nach jeder Szene gibt es auch einen Erzählerwechsel (hier orientiere ich mich grob an der Schnittstrategie wie zum Beispiel bei GZSZ).

Mein Szenenplan enthält 8 Spalten

  1. Staffel/Band/Kapitel/Szene
  2. Perspektivträger
  3. Zeit
  4. Ort
  5. Handlung bzw. Szenentitel
  6. Setting inkl. wichtiger Details der Szene
  7. weitere Akteure
  8. Länge

Der erste Punkt ist ein reines Ordnungskriterium, mit dem ich mich daran orientiere, wo ich stehe. Der Perspektivträger ist wichtig, weil sie sich abwechseln müssen (meine Regel). Der Punkt Zeit ordnet die Szene einem Wochentag in einer Woche zu, auch hier versuche ich alles etwas auszubalancieren, damit ich nicht an einem Tag die ganze Handlung für eine Person abspiele, während sich eine andere Geschichte über 4 Wochen zieht – damit hätte ich nicht die Abwechslung, die ich anpeile. Der Ort ist für mich wichtig, um in der Planung zu entscheiden, ob eine Szene eher intim ist oder öffentlich, ob Personen dazukommen könnten oder nicht…

Handlung/Szenentitel „Peter erreicht das Nimmerland“ – so würde ich beispielsweise eine Szene betiteln. Der Titel der Szene soll mir das Ziel der Szene verraten. Wenn ich später in meinem Textdokument sitze, ist der Szenentitel das einzige, was ich vor mir sehe. (Papyrus erlaubt mir, jeder Szene einen Titel zu geben, der hinterher nicht so im Fließtext steht, sondern ein Ordnungskriterium im Navigator darstellt) Wenn Peter das Nimmerland erreicht, weiß ich, Peter kommt irgendwie da hin und nimmt dann seine neue Umgebung irgendwie wahr. Wenn ich Details brauche, schaue ich in die nächste Spalte meines Szenenplans, wo ich wichtige Details reinschreibe, bevor ich mit dem Fließtext beginne. Hier stehen so Sachen wie „Peter findet den Zauberstab und trifft den Maulwurf Otto…“ – Zauberstab und Maulwurf brauche ich also später noch und müssen erwähnt werden. Ergibt sich das alles beim Schreiben irgendwie anders (das passiert wirklich!), muss ich unbedingt meinen Plan anpassen.

Weitere Akteure sind nicht immer wichtig, aber hilfreich, wenn eine Gruppe von Menschen die gleichen Informationen braucht. Meistens denke ich mir etwas dabei, wen ich irgendwohin mitschicke.

Länge ist erst nach dem Schreiben interessant und hilft mir am Ende die Balance zu prüfen. Alle Bände sollen ungefähr gleich lang werden, die Szenen dürfen variieren, aber es sollte nicht zu krass sein. Eine Szene mit 5.000 Worten gegenüber anderen mit 800 Wörtern ist übermächtig und sieht nach einem Bruch meines eigenen Systems aus, an das sich der Leser beim Lesen ja auch gewöhnt.

So und wenn die Story eines Bandes dann steht, geht es mit dem Schreiben los – wie gesagt muss vorher viel Vorarbeit erfolgen. Ich rate aus meiner bisherigen Erfahrung bei einem solch umfangreichen Konzept nicht dazu, „einfach mal drauf los zu schreiben“. Natürlich kannst du Glück haben und das Konzept geht auf – die Wahrscheinlichkeit, dass du nach 200.000 Wörtern vergessen hast, welche Geschichte du erzählen wolltest, ist bei so vielen individuellen Geschichten sehr hoch.

Deshalb plane ich das alles sehr intensiv, was mir immer noch sehr viele Gestaltungsspielräume lässt – es erstaunt mich selbst, wo ich mich doch eigentlich immer noch für einen Discovery Writer halte. Aber ich nehme mir auch die Freiheit, meinen Plan zu ändern, wenn sich die Dinge anders entwickeln. Wichtig ist nur, dass irgendwo die Fäden zusammengehalten werden!

Ja, wie du siehst, ist die Beschreibung meiner Planung wirklich einen ganzen Post lang geworden. Demnächst bekommst du auch wieder ein Update zu meinem Projektstand, aber den mache ich separat.

Hast du Fragen noch zu meiner Planung?

 

Ein Kommentar zu „Was du beim Schreiben einer Buchserie beachten solltest

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