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Was nach der Buchveröffentlichung geschah – schonungslos ehrlich!

Nach der Veröffentlichung von Martins Hütte vor genau 2 Wochen sind ein paar Dinge passiert, mit denen ich nicht gerechnet habe.


Wie viele Leser meines Blogs sich denken können, ist Martins Hütte eine Art Versuch gewesen. Ich habe gleich ganz viele Dinge auf einmal ausprobiert:

  • einen Thriller schreiben
  • mich mit einem ernsten Thema auseinandersetzen
  • am NaNoWriMo teilnehmen
  • einen Ich-Erzähler verwenden, auch wenn es hart wird
  • eine Geschichte beenden
  • Testleser-Feedback verarbeiten
  • etwas veröffentlichen

Einerseits ein Versuch, einen Thriller zu schreiben – ein Genre, das mir selbst als Leser nur selten so richtig liegt. Viele Thriller machen mir ein wirklich unangenehmes Gefühl im Bauch und darauf stehe ich nicht so sehr.

Auf der anderen Seite war Martins Hütte eine Auseinandersetzung mit dem Terror, der den Beginn des Buches kennzeichnet. Den meisten meiner Geschichten liegt eine Frage der Art „Was wäre wenn?“ zugrunde. Hier ist es die Frage:

„Was wäre, wenn ein Mensch, bei einem Anschlag alles verliert und trotzdem nicht aufgibt?“

Die von mir gewählte Figur reagiert ungewöhnlich auf die Situation und ist deshalb nicht unbedingt das sympathische Opfer.

Am NaNo habe ich teilgenommen, aber nicht das Ziel von 50.000 Worten erreicht – das ist okay, war ja auch nicht das Ziel. Das Ziel war teilnehmen.

Der Ich-Erzähler war eine spannende Sache. Für andere Schreiber ist dies etwas ganz normales, ich schreibe lieber mit personalem Erzähler in der dritten Person. Gerne auch mit wechselnden Erzählern. Mein Ich-Erzähler ist die meiste Zeit des Buches allein mit sich, weshalb nach etwa 30.000 Worten mit der Geschichte Schluss war. Es gab wenig Dialog, mit wem soll er auch reden?

Eine Geschichte beenden – ja, das war ein erstes Mal. Die Geschichte davor, die ich übrigens gerade überarbeite, habe ich nur halbherzig zu einem Ende gebracht und weiß, dass ich in der Überarbeitung dort noch verdammt viel zu tun habe. Bei dem dritten Ende, das ich vor einer Woche unter Band 1 von #Höhlenstaub gesetzt habe, war es schon viel einfacher. So ein Ende fällt mir immer sehr schwer. Ganz egal, ob es sich um ein Buch, einen Abschied oder einen Abschluss handelt.

Mit Testlesern, die ich nicht kannte, habe ich auch zum ersten Mal gearbeitet. Auch das war spannend, denn ich wusste nicht, wie diese Leute ticken. Das Feedback war zum Teil wirklich nützlich, manches auch nicht, aber ich denke, das ist immer so. Deshalb sollte man eben nie aus „alle Änderungen annehmen“ klicken, ohne jede zu lesen.

Dann kam das Veröffentlichen. Davor hatte ich dann nach den Testlesern eigentlich schon viel weniger „Angst“. Es ging wirklich sehr leicht. Irgendwie hatte ich schon da größere technische oder bürokratische Hürden erwartet. Die gab es nicht.


So viel zu den experimentellen Teilen der Veröffentlichung, jetzt aber zu den wirklichen Überraschungen:

Womit ich gerechnet hatte war aber, dass Zusagen eingehalten werden, was leider bislang nur bedingt der Fall ist. Danke an alle, die sich an die Dinge gehalten haben. Vielleicht kommt bei den anderen noch etwas, aber dann wäre es doch wieder eine Überraschung. Konkreter werde ich darauf nicht eingehen.

Ich hatte erwartet, dass meine erste Rezension tatsächlich erscheint. Tja, Pustekuchen. Verschenkt nie etwas an einen Menschen, der eure Bücher lesen will, indem ihr es über Amazon schickt. Denen ist es nämlich vollkommen egal, ob ihr damit den Rezensenten bestechen wollt oder nicht. Am besten kennt ihr niemanden näher, sonst wird eure Rezi einfach gelöscht. Auch auf euren Einwand und die Versicherung hin, dass eure Meinung unbeeinflusst ist, wird man euch nicht als Rezensenten zulassen, wenn ihr mit dem Autor (elektronisch) bekannt seid. Meine Rezensentin hat das schon ganz schön getroffen, denn Amazon unterstellt ihr, dass sie aus Gefälligkeit lügt. Ich finde das frech, aber sei es drum.

Ich werde von dieser Bekannten niemals eine Rezension bekommen, weil Amazon das so entschieden hat. Ja, das enttäuscht mich.

In meiner ersten Woche habe ich 11 Bücher verkauft. Lach mich ruhig aus, aber das fand ich gut. An einem Tag verkaufte ich sogar 3. Privat kenne ich übrigens genau zwei Menschen unter den ersten 11 Käufern, weshalb mich die anderen 9 wirklich außerordentlich freuen. Da interessiert sich jemand für etwas, das ich geschrieben habe.

Das ist ein tolles Feedback!

Einer der Leser, die ich von Facebook kenne, hat ohne, dass ich ihn darum gebeten habe, mein Buch gekauft und eine Rezi für mich geschrieben. Da war ich auch baff, glaub mir!

Eine positive Rezension ist wirklich ein tolles Geschenk an einen Autor, insbesondere dann, wenn er die Gesamtzahl an Rezensionen noch an einer Hand abzählen kann.

Jetzt kommt wieder ein weniger toller Teil.

In den vergangenen 7 Tagen habe ich genau 0 Bücher verkauft. Offenbar hat meine Werbeanzeige, auf die tatsächlich regelmäßig einige Leute klicken, alle Menschen erreicht, die meinen gut 100 Seiten starken Kurzthriller lesen wollen.

Das knickt mich schon ein bisschen. Einen Verkauf pro Woche hätte ich mir schon gewünscht. Woran es liegt kann ich nur raten.

Dass Martins Hütte ein Kurzthriller (kurze Geschichten verkaufen sich eben schlechter als lange) ist, habe ich zur „Abschreckung“ der Fraktion „unter 500 Seiten ist es kein Buch“ schon in den Titel geschrieben. Das dürfte den Besucher der Amazon-Seite dann nicht mehr überraschen.

Außerdem habe ich gehört, das Cover sei nicht ansprechend für einen Thriller. Nun ja, es ist ja auch ein ungewöhnlicher Thriller, das darf man meiner Meinung nach dem Buch schon ansehen. Wer es gelesen hat, fand in der Regel das Cover sehr passend. Deswegen habe ich nicht die Farben schwarz weiß und rot für das Cover gewählt. Es passt nicht in den Wald. Aber auch das Cover haben die Menschen, die auf die Werbeanzeige klicken schon gesehen und es hat sie nicht „ausreichend“ abgestoßen.

Ein Feedback war auch, dass der Preis zu niedrig sei. Was ich daraus mache, weiß ich noch nicht so recht. Vermutlich werde ich in zwei Wochen den Preis um 50% erhöhen und vorher noch eine kurze Werbekampagne mit dem „Einführungspreis“ machen. Nach der letzten Woche fürchte ich durch einen höheren Preis keine Einbußen mehr. Weniger als 0 geht nicht.

Ich mache seit dem Release bezahlte Werbung auf Facebook, die Verkäufe spielen natürlich die Kosten der Anzeige nicht wieder ein, das hatte ich aber auch nicht wirklich erwartet. Wie ich mit diesem Buch weitermachen soll, weiß ich noch nicht. Werbung einstellen und aufgeben entspricht nicht so recht meinem Naturell.

Das war der negative Teil meiner Erfahrungen nach der Veröffentlichung.


Schonungslos ehrlich, wie ich in der Überschrift versprochen habe. Ich wäre dir dankbar, wenn du dich mit Kritik in dieser Woche zurückhältst, meine Woche war anstrengend (bei der Arbeit, für die ich Geld bekomme) und verkaufstechnisch enttäuschend.

Trotzdem oder gerade deswegen wollte ich dir mal einen kleinen Einblick in die Höhen und Tiefen einer Debütveröffentlichung geben. Wenn du einen Roman (mit 250 – 450 Seiten) in einem beliebten Genre schreibst, wird es dir sicher ganz anders ergehen als mit einer überlangen Kurzgeschichte. Trotzdem werden sich Höhen und Tiefen auch bei dir zeigen. Positives und negatives Feedback, gute und schlechte Verkaufszahlen, Konflikte mit Amazon…

Ich habe mir zum Wochenende eine Auszeit genommen und mal nicht an meinem Höhlenstaub geschrieben. Stattdessen war ich auf der Lesung, auf die ich mich seit Wochen gefreut hatte, habe kleine Radtouren mit meinem Hund gemacht und angefangen mein nächstes Release zu überarbeiten.

Das Veröffentlichen selbst hat sehr viel Spaß gemacht und ich möchte es so schnell wie möglich noch einmal tun. Mein nächstes Projekt ist ein vollwertiger Roman und wird ganz andere Leser ansprechen als Martins Hütte, weshalb ich auch da schon sehr gespannt auf das Echo bin. Dieses Mal wird das Buch abschnittsweise zu den Testlesern gehen, so dass ich in der langen Überarbeitungsphase schon Feedback einholen kann. Ich habe sehr viel aus Martins Hütte gelernt, das ich für den Rest meiner schriftstellerischen Laufbahn nutzen kann.

So viel zu diesem Beitrag – mehr von mir in einem „Neues aus Erins Welt“ gibt es demnächst!