Lektionen aus 5 Jahren im Selfpublishing

Lektionen aus 5 Jahren im Selfpublishing

Meine ersten 5 Jahre im Selfpublishing waren extrem lehrreich. Ich habe sehr viel über mich, meine Produktivität, meine Lernkurven und meine eigene Weltanschauung gelernt. Jahrelang habe ich Lügen geglaubt, wie wir sie als Geschichtenerzähler unsere Hauptfiguren glauben lassen.

Ich habe geglaubt,

  • …weiter zu machen wäre das wichtigste, um erfolgreich zu sein.
  • …erfolgreich sein bedeutet, vom Schreiben allein zu leben.
  • …dranbleiben wäre meine größte Challenge.

… und dann habe ich eingesehen, dass ich mich in Vielem geirrt habe.


Erin J. Steen lebt mit ihrer Familie und den zwei weißen Schäferhunden Abby und Maze in Norddeutschland. Nachdem sie einige Jahre in verschiedenen Orten im In- und Ausland verbracht hat, ist sie zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und liebt die Natur ihrer Heimat. Große Städte üben eine Faszination auf sie aus, aber leben möchte sie lieber zwischen Bäumen und Seen.

Ihre Freizeit verbringt die Autorin nicht nur mit dem Schreiben, sondern auch mit ihrem üppig wuchernden Garten, der Familie und stetig rotierenden kreativen Hobbys. Sie fotografiert, bastelt, näht und denkt hin und wieder sogar daran, das Töpfern zu erlernen.

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Über die Autorin

5 Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal auf den Veröffentlichen Button bei Amazon gedrückt habe. Im Februar 2017 erschien mein erstes eBook im Selfpublishing. Eine Novelle, die ich als Versuchsballon gestartet habe. Es war eine Challenge, der ich mich gestellt habe, die die Frage beantworten sollte: Kannst du das hier auch durchziehen?

Ich habe es durchgezogen. Alle Höhen und Tiefen mitgenommen. 13 Mal habe ich in den letzten 5 Jahren eine neue Geschichte in die Welt geschickt. Heute wollen wir uns deshalb mal dem widmen, was das eigentlich bedeutet.


Was ist die größte Challenge im Selfpublishing?

Anfangs dachte ich, es würde schwer, eine Geschichte von Anfang bis Ende zu erzählen… Über viele hundert Seiten am Ball zu bleiben… Nicht das Interesse zu verlieren, während ich monatelang eine Geschichte nur in meinem Kopf herumtrage…

Mein Kopf ist sprunghaft. Bislang habe ich immer nach einer Weile das Interesse an einem Thema verloren. Doch all das war viel weniger eine Hürde, als ich dachte.

Viele geneigte Leserinnen denken sicher zunächst an die Kosten. Bücher im Selfpublishing entstehen selten ohne das Zutun von Dienstleistern. Es kostet dein Geld als Selfpublisher diese Dienstleister zu bezahlen. Erwarte keine Gratisleistungen von Freunden oder Bekannten, denn auch diese Menschen machen einen JOB für dich. Es ist ein Investment in dein Werk. Manchmal dauert es eine Weile, das nötige Kleingeld dafür zusammenzukratzen, aber es ist möglich. Du investierst in jedes Hobby Geld, warum also nicht auch ins Schreiben? (und solange du kein Einkommen generierst, ist es ein Hobby)

Aber für mich ist diese Investition nicht die wirkliche Hürde. Die kommt noch ein wenig später. Nämlich nachdem alles fertig ist

Der Stress, den es bedeutet, sein eigenes Werk der Öffentlichkeit auszusetzen, ist wahrscheinlich eine der unterschätztesten Hürden in diesem ganzen Geschäft. Als Verlagsautorin erhältst du vor diesem Schritt die Bestätigung, dass eine ganze Firma genug an dich glaubt um dir einen Preis für deine Geschichte zu zahlen.

Diese Firma bist im Selfpublishing selbst. Du bist dein Investor und dein schärfster Kritiker. Egal wie viele Testleser, Lektoren und sonstige Menschen du an dein Buch lässt. Du bist immer diese letzte entscheidende Instanz und am Ende der einzige Mensch, über den geurteilt wird.

Du allein gibst dein Werk zum Verkauf frei und tausende Menschen könnten es jetzt kaufen und ihre Meinung dazu äußern. Kein Buch wird jemals allen gefallen, also wird es zweifellos Kritik geben. Kannst du damit leben?

Diese Frage trieb mich damals wie heute um. Es ist hart und es wird (zumindest nach 5 Jahren) nicht leichter. Natürlich richtet niemand über dich als Mensch. Zumindest kann das niemand auf Basis deines fiktiven Werkes, denn die Personen darin bist nicht du. Wenn deine Leser die Geschichte oder die Protagonisten nicht mögen, bist das nicht du. Wenn sie deinen Erzählstil nicht mögen oder deine Rechtschreibung kritisieren, bist das nicht du.

Du kannst an jedem Kritikpunkt wachsen, wenn du lernst ihn richtig zu lesen. Aber du tust es ganz oft allein.

Meine wichtigste Lektion aus 5 Jahren Selfpublishing

Ich habe eine Menge über mein Handwerk gelernt – so viel ist schon mal klar. Aber die Lektion, die für mich wahrscheinlich auch langfristig die wichtigste sein wird, ist folgende.

Jedes Projekt ist eine neue Chance, neue Leser zu erreichen.

Bei einem neuen Projekt kann jedoch auch eine Menge schief laufen. Für mich hat es sich als wichtig erwiesen, mir Gedanken über mein Genre, mein Konzept und meinen Leser zu machen. Die beste Idee in der besten Ausführung hilft nichts, wenn es mir nicht gelingt, meinen Leser zu finden.

Deshalb stelle ich bei meinen neuen Projekten sicher, dass ich den richtigen Leser auch erreichen kann, bevor ich das Buch schreibe. Sehr gut hilft eine Idee wie „Leser von Harry Potter würden mein neues Buch lieben, weil es ebenfalls eine magische Akademie-Geschichte über Freundschaft ist“ oder „Mein neues Projekt soll Leser von Dan Brown in ihre Lesesessel fesseln“.

Ich weiß dadurch besser, an welche Regeln ich mich halten sollte und welche ich brechen kann. Außerdem kann ich Leser von bestimmten erfolgreichen Büchern bei Werbekampagnen identifizieren und weiß außerdem, an welchen Covern sich mein Designer orientieren soll. Das heißt noch lange nicht, dass ich plötzlich anfange, andere Autoren zu kopieren.

Gelernt habe ich also, dass ich mehr Wert auf Ähnlichkeiten als auf Unterschiede legen muss, denn mein eigenes Werk wird es sowieso dadurch, dass ich es schreibe.

Wenn nichts da ist, das hinreichend ähnlich ist, wird es verflixt schwer, die passenden Leser zum Buch zu bringen – ganz egal wie begeistert die existierenden Leser sind.

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Es ist nichts für jeden

Selfpublishing ist für mich der ideale Weg. Ich mag es, alle Fäden in der Hand zu halten, viele Hüte zu tragen und mich um wichtige Dinge selbst zu kümmern. Ich bin mein bester Anwalt und ich weiß, wann es besser für das Ergebnis ist, etwas aus der Hand zu geben.

Es gibt durchaus ein paar Aufgaben, bei denen ich mir in der Zukunft mehr Unterstützung vorstellen könnte. Doch bis dahin muss ich noch einige Höhenmeter zurücklegen, aber das ist okay. Im Augenblick lerne ich Geduld und Erwartungsmanagement und auch das sind wichtige Fähigkeiten für Autoren.

Ich habe für mich beschlossen, dass ich von Ergebnissen weniger enttäuscht sein will, und enttäuscht bin ich eher, wenn ich hohe Erwartungen habe. Hier muss ich mich selbst also reflektieren und an mir arbeiten.

Selfpublishing ist mit Sicherheit nichts für jeden. Es gibt Menschen, die fühlen sich mit so vielen verschiedenen Aufgabenbereichen unwohl, oder Menschen, die wissen, dass sie in einem dieser Aufgabenbereiche alleine nicht zurecht kommen, und das ist kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil – es ist eine Stärke, wenn du dich gut genug einschätzen kannst, das über dich zu wissen.

Für manche Menschen ist das traditionelle Verlagsmodell absolut perfekt. Jemand anders kümmert sich um das Aufsetzen der Terminpläne, das Arrangieren von allen Zutaten zu deinem Buch und dieser Mensch bezahlt dich sogar für deine Arbeit. Wenn du gern bereit bist, für diese Serviceleistung einen erheblichen Anteil an potenziellen (unsicheren) Einnahmen abzutreten, kann dieses Arbeitsmodell für dich ideal sein.

Sich nach dieser Sicherheit und Unterstützung zu sehen, ist keine Schwäche! Aber es ist auch keine Schwäche, sich für das Selfpublishing zu unterscheiden und sich vollständig selbst zu managen.

Mein Traum ist ein erfolgreiches Solounternehmen mit einem Produkt, das ich liebe und für das ich mich jeden Morgen gerne aus dem Bett schwinge. Und Erfolg bedeutet für mich heute nicht, dass ich allein mit dem Geld aus meinem Solounternehmen leben muss. Auch meinen Hauptjob liebe ich an den meisten Tagen und ich würde ihn zu diesem Zeitpunkt nicht aufgeben wollen.

Auch das habe ich in diesen 5 Jahren über mich gelernt…

Vom Schreiben allein zu leben, muss nicht das Ziel sein. Aber es ist möglich.

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