Schreiben

Der passende Klappentext und wie du gute Werbetexte für dein Buch schreibst

Der Klappentext ist für die meisten Autoren ein schwieriges Thema. Man schreibt wochen-, monate- oder sogar jahrelang an einem Buch und soll es dann in wenigen Worten so zusammenfassen, dass jemand anderes, dieses Buch lesen möchte.

Zur Einleitung sei gesagt, dass dein Klappentext neben dem Cover und dem Titel deines Buches das erste ist, was dein potenzieller Leser zu sehen bekommt, wenn er sich für dein Buch interessiert. Dementsprechend wichtig ist es, dass er den Leser optimal auf deinen Text vorbereitet.


Die Basics

Zentrale Anforderungen

  • fehlerfrei – es gibt nur einen ersten Eindruck
  • leicht lesbar – du hast nicht viel Zeit
  • kurz – ca. 150 Wörter
  • spoilerfrei – setze einen Reiz, der den Leser das Buch aufklappen lässt

So weit, so gut, nicht wahr?

Der Klappentext steht generell im Präsens, auch wenn das Buch in einer anderen Zeitform geschrieben ist. Außerdem wird im Klappentext auf die Erzählperspektive meist keine Rücksicht genommen, sondern einfach in der Dritten Person geschrieben.

Es gibt von jeder Regel auch Ausnahmen, weil es eben jeder machen kann, wie er möchte. Im Prinzip gibt es ja niemanden, der darüber ein Urteil fällt, ob der Text nun als Klappentext zugelassen ist oder nicht. Aber man muss ja nicht gleich mit jeder Regel brechen, wenn es dafür keinen besonderen Grund gibt.

Auf der Rückseite des Buches und in der Produktbeschreibung auf den Portalen (z.B. Amazon) können neben dem eigentlichen Klappentext auch noch andere Informationen stehen. Manch einer schreibt ein Zitat aus dem Buch hin, das ihm besonders gut gefallen hat, ein anderer nimmt einen Auszug aus einer Bewertung durch einen anderen Autoren, Blogger oder Zeitung. Darauf werde ich im Folgenden nicht eingehen.

Eine Sitte, die sich in letzter Zeit eingebürgert hat, ist die Frage am Ende des Klappentextes. Natürlich soll sich der Betrachter fragen „Wird Lena es schaffen, ihrem Verfolger zu entkommen?“

Ob diese Frage dafür auf dem Umschlag stehen muss, lasse ich mal dahingestellt.

Okay, damit hätten wir die wichtigsten formalen Dinge geklärt, aber was soll denn nun in dem kleinen Text stehen?

Der Inhalt

Der Leser möchte folgendes wissen:

  • Wen lerne ich kennen?
  • Wo spielt die Geschichte? (falls das eine wichtige Rolle spielt)
  • Was ist der Auslöser des Geschehens?
  • Was ist das zentrale Problem der Hauptfigur?

Um diese Fragen zu Beantworten, solltest du deine Protagonisten und den Ort kurz vorstellen.

„Als die siebzehnjährige Lena von der Schule im norddeutschen Flensburg nach Hause zurückkehrt, kommt ihre kleine Schwester Sabrina völlig aufgelöst entgegen gerannt. Im Haus ist etwas Furchtbares passiert, doch mehr bekommt Lena zunächst nicht aus Sabrina heraus. Sie gibt dem Drängen der Jüngeren nach und läuft mit ihr aus der Stadt hinaus in die alte Mühle, an der sich die beiden Mädchen früher immer vor ihren Eltern versteckt hielten.“

In meinem kleinen Beispieltext gibt es auch schon einen Auslöser, doch die Klemme ist noch nicht erklärt. Hierfür musst du andeuten, welche Entscheidungsmöglichkeiten Protagonist hat und welche Folgen seine Entscheidung hat.

Wenn wir das noch in den Beispieltext hineinnehmen, wird der Text recht schnell länger. Aber das muss nicht zwingend schlecht sein.

In meinem zweiten Beispiel – dem Klappentext für Unter Verdacht wird die Entscheidung nicht nur angedeutet, sondern vorweggenommen. Im zweiten Absatz steht bereits, dass Emi sich auf die Suche nach dem wahren Täter macht. Das ergibt sich aus der Folge, die das „Nicht-Handeln“ für sie hätte – das Ende ihrer Karriere als selbstständige Yogalehrerin.

Emi Moorkamp glaubt fest an das Gute im Menschen. Nichts wünscht sie sich mehr, als mit ihrer großen Leidenschaft, dem Yoga, ihren Lebensunterhalt verdienen zu dürfen. Der Tod eines Fitnesstrainers durchkreuzt ihre Pläne und sie findet sich als Hauptverdächtige in dem Fall wieder. Als wäre das nicht schon katastrophal genug für ihren Ruf, wird dann auch noch ein Beweisstück gefunden, das es nicht geben dürfte.

Auf ihrer Suche nach dem wahren Täter erhält Emi Hilfe von ganz unerwarteter Seite. Doch der Täter kommt ihr ebenfalls gefährlich nahe.

Was habe ich also inhaltlich drin?

  • eine generelle Aussage über die Hauptfigur, die ihren Charakter beschreibt
  • ihr Ziel
  • den Auslöser der Ereignisse
  • die Folge für die Hauptfigur
  • die vorweggenommene Entscheidung
  • ein Ausblick

Das alles wollte ich in wenigen Worten verpacken, weil die Länge für mich eben doch eine gravierende Rolle spielt.  Übrigens lasse ich auch einige Dinge aus, die der Leser später sehr wohl wichtig finden wird. Ich erwähne zum Beispiel eine weitere wichtige Figur überhaupt nicht, weil sie nicht in den Klappentext passt, ohne mindestens einen weiteren Absatz hinzuzufügen. Da die Figur aber kein Grund ist, das Buch wutentbrannt in die Ecke zu pfeffern, erlaube ich mir einfach, sie im Klappentext auszulassen. Dinge wegzulassen, ist sowieso sehr wichtig, weil der Klappentext eben nur neugierig machen soll und nicht die komplette Geschichte erzählen soll.

Die Länge

Wie lang „lang genug“ und wie lang „zu lang“ ist, ist immer eine Frage dessen, wie sehr einen der Anfang des Textes bereist fesselt.

In der Regel neige ich eher dazu, Bücher mit kurzen Klappentexten zu kaufen. Nenn mich faul, aber ich will im Buchladen nicht lange lesen müssen, um das richtige Buch für mich zu finden – paradox, weil ich ja das Buch kaufen will, um länger zu lesen. Trotzdem möchte ich mit wenigen Worten eingefangen werden.

Wie bekommst du nun die Aufmerksamkeit, der Menschen, die dein Buch lesen sollen?

Keywords und die Zielgruppe

Die Schlüssel liegt in den richtigen Keywords für deine Zielgruppe, aber auch mit den „richtigen“ Keywords, wirst du Interessenten verlieren. Das ist aber nicht weiter schlimm.

Manch einer wird mein Buch weglegen, weil „Yoga“ enthalten ist. Wer kein Buch mit Yoga lesen möchte, ist aber mit meinem Buch einfach falsch bedient – ich gewinne also nichts damit, wenn ich den Yoga-Feind nicht schon vorher abschrecke. Spätestens auf der zweiten Seite meines Buches ist klar, dass meine Hauptfigur Yogalehrerin ist. Da schreibe ich es doch am besten gleich in den Klappentext.

Bei manchen Klappentexten, die ich jetzt der Fairness halber nicht nennen werde, schalte auch ich bereits nach zwei Zeilen ab – das Thema nimmt mich nicht mit, irgendwas schreckt mich ab. Jeder hat so seine Keywords, bei denen er ein Buch wieder weglegt. Bei mir sind es zum Beispiel „Millionäre“.

„Als Kayla den attraktiven Millionär…“ zack, Buch weg.

Wenn ihr aber in eurem Buch einen solchen Millionär habt, müsst ihr ihn auch erwähnen. Ich bin halt einfach nicht die Zielgruppe für das Buch. Anderen geht es mit Vampiren so. Das ist überhaupt kein Problem. Wenn ihr die Zielgruppe für euer Buch gut umrissen habt, muss auch der Klappentext nicht mehr jeden ansprechen.

So also die Schlüsselbegriffe, die für dein Umfeld wichtig sind, solltest du nennen. Du wirst ja wissen, was die wichtigen Elemente für deine Zielgruppe sind. Insbesondere im Fantasy-Bereich finde ich das sehr wichtig. Der Klappentext muss mir bereits vermitteln, welche Art von Fantasy-Buch ich vor mir habe – urban, mittelalterlich, futuristisch, … Vampire, Zwerge, Elben, Gestaltwandler, Dämonen, Magier…

 

Schauen wir uns mal Harry Potters Klappentext an:

„Eigentlich hatte Harry geglaubt, er sei ein ganz normaler Junge. Zumindest bis zu seinem elften Geburtstag. Da erfährt er, dass er sich an der Schule für Hexerei und Zauberei einfinden soll. Und warum? Weil Harry ein Zauberer ist. Und so wird für Harry das erste Jahr in der Schule das spannendste, aufregendste und lustigste in seinem Leben. Er stürzt von einem Abenteuer in die nächste ungeheuerliche Geschichte, muss gegen Bestien, Mitschüler und Fabelwesen kämpfen. Da ist es gut, dass er schon Freunde gefunden hat, die ihm im Kampf gegen die dunklen Mächte zur Seite stehen.“

Okay, unser Protagonist ist erst elf – er kommt auf eine Schule für magisch Begabte – es gibt Abenteuer und einen Kampf gegen dunkle Mächte, aber es gibt auch Freunde.

Den letzten Satz finde ich ziemlich unglücklich, aber für die Zielgruppe ist es vermutlich ein wichtiges Element – immerhin ist das Buch für Kinder geschrieben. Wenn man sich an die Regel hält, dass der Leser ca. 2 Jahre jünger ist als der Protagonist, sind neunjährige Jungen und Mädchen die Zielgruppe – das bin ich mit meinen 34 Jahren wohl nicht.


So, damit sollte doch dem perfekten Klappentext nichts mehr im Weg stehen, oder? Naja, außer diesem Gefühl, dass man doch noch tausend andere Sachen über das Buch sagen möchte… Im Zweifel hilft es immer, wenn man sich weitere Meinungen einholt. Schreib also einen Text und frag, was der Leser des Textes von dem Buch erwarten würde. Passt das zu deinem Buch?