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Über das Annehmen von Kritik und wie Übung (auch aus dir) einen Meister machen kann

Huhu, du bist sicher ein bisschen überrascht und hoffentlich auch ein bisschen erfreut, mal wieder etwas von mir zu hören.

Wie in den letzten Beiträgen schon betont, hatte ich in den vergangenen zwei Monaten sehr viel mit mir selbst und meinem neuen Job zu tun. Keine Sorge, es geht mir gut, aber es gibt Zeiten im Leben, die anders verlaufen als geplant. So eine Zeit hatte ich im letzten Vierteljahr, weshalb ich auch die Interviewreihe zunächst unterbrochen habe.

Auch das Schreiben lag ziemlich auf Eis. Im Mai habe ich kaum ein Wort zu Papier gebracht und im Juni habe ich an einer Kurzgeschichte gearbeitet, wenn meine Energiereserven es zuließen. Seit dem Monatswechsel habe ich nun aber endlich meinen ersehnten Sommerurlaub angetreten. Am Wochenende habe ich ein Buch gelesen und seit heute schreibe ich auch wieder fleißig.

So, kommen wir mal zum Thema des heutigen Beitrags:

Kritik annehmen und Übung

Zunächst müssen diese beiden Dinge nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben, aber in dem Fall, über den ich heute sprechen schreiben möchte, haben sie das sehr wohl.

Manche Kritik mag ganz leicht anzunehmen und umzusetzen sein – wenn man denn will.

Andere Kritikpunkte sind schwieriger umzusetzen, weil man vielleicht erstmal nach dem Ursprung suchen muss. Warum mache ich die Dinge so, wie ich sie mache? Welchen Effekt hat es auf den Leser, wenn ich es anders mache? Wie merke ich denn überhaupt, dass ich ES schon wieder mache?

Kommen dir diese Fragen bekannt vor?

Nun ja, mich beschäftigten sie sehr wohl als ich mich mit dem Kritikpunkt konfrontiert sah, meine Geschichte (die Kurzgeschichte, an der ich im Juni gearbeitet habe und noch arbeite) sei „zu wenig emotional geschrieben“.

Zunächst fragte ich mich, was damit wohl gemeint war. Es handelt sich um einen sehr kurzen Krimi mit einer emotional nicht an dem Fall beteiligten Kommissarin, also nahm ich schnell an, dass es nicht (zumindest nicht primär) um ihre fehlenden Gefühle ging. Wenn ich meinen Job mache, bin ich schließlich auch nicht besonders emotional bei der Sache. Aber da sind wir schon bei einem der Kernpunkte des Problems.

Auch bei der Arbeit beobachte ich zwei Sorten von Menschen. Bis vor Kurzem habe ich mit sehr sachlichen Leuten gearbeitet, denen immer mehr an der Klärung der Sache gelegen war als an persönlichen Befindlichkeiten. Mein neuer Job fordert mich vor allem deshalb, weil plötzlich die Menschen um mich herum so furchtbar emotional sind. Befindlichkeiten, wohin man auch schaut. Alle sind irgendwie beleidigt oder auf jemanden sauer und nehmen jegliche inhaltliche Meinung sofort als Kritik ihrer Person auf. Damit komme ich nur sehr schwer zurecht.

Versteh mich nicht falsch, auch ich habe ein Herz und Befindlichkeiten, aber ich reagiere nur in wenigen Situationen vorrangig emotional.

Wie kriege ich jetzt die Kurve zum Schreiben?

Naja, es gibt da draußen Leser, die emotional auf Bücher reagieren. Sie fiebern mit den Figuren, sie lachen und weinen mit ihnen. All das passiert bei mir nicht, zumindest nicht sehr ausgeprägt. Eine Zeitlang habe ich gedacht, es läge an den Büchern, dass sie mich nicht derartig packen, wie ich es zum Beispiel bei vielen Buchbloggern sehe/lese. Aber nun glaube ich, das liegt eher an mir. Das Gleiche gilt übrigens auch bei Filmen. Es gibt den assoziierten Zuschauer/Leser und den dissoziierten Zuschauer/Leser. Der eine geht total mit und der andere bleibt draußen, wenn man so will.

Nun bin ich also draußen und bemerke gar nicht, wenn ein Autor Tools verwendet, die einen assoziierten Leser packen. Das ist natürlich ein Problem, aber kein unlösbares.

Hier kommt nämlich die Übung ins Spiel

Ich weiß dank der Kritik nun, woran ich arbeiten muss und kann mich im Detail mit diesem Thema auseinandersetzen und versuchen die „richtigen“ Techniken zu erlernen – wenn ich denn will.

Natürlich will ich das lernen, aber manche Kritikpunkte möchtest du vielleicht nicht annehmen und das kann auch völlig in Ordnung sein. Es gibt sie nicht – die perfekten Bücher/Autoren. Nicht jede Kritik ist eine, an der du wachsen kannst/möchtest/musst. Manche Dinge hörst du dir an und sagst dir vielleicht „Na gut, dann halt nicht!“.

Ich habe mir jetzt also eine Hausaufgabe gesucht und werde mich noch eine ganze Zeit mit dem Thema emotionalere Texte beschäftigen, bis ich das Thema so verinnerlicht habe, dass meine Texte genau die emotionale Ebene erreichen, die ich gerne hätte. Das heißt für mich ich werde kein emotionales Niveau von New Adult oder Romance anstreben. Aber ich versuche eben dennoch, etwas mehr Emotion beim Leser erzeugen als zuvor.

Jetzt schlage ich den Bogen zum heutigen Video – kunstvollen Übergang hier einfügen!

Kennst du James N. Frey?

Sein Buch Wie man einen verdammt guten Roman schreibt ist beinahe schon ein Klassiker unter den Schreibratgebern und steht auch auf meiner Wunschliste.

Er sagt zu Beginn des Videos auch etwas über Emotionen, aber besonders interessant finde ich die Aussage, dass erfolgreiche Autoren die sind, die viel schreiben. Das dürfte natürlich nicht überraschen, aber es geht hier nicht unbedingt um viele Publikationen, sondern um viel Übung. Es fallen keine Meister vom Himmel, sie alle werden Meister durch Übung.

So, jetzt hab Spaß mit James N. Frey und lass dich von ihm ein bisschen inspirieren zu üben 😉

Vielleicht ist es ganz okay, den eigenen Text wieder und wieder neu zu erfinden? Vielleicht werden wir dadurch besser? Auch wenn die Geschichte schon so richtig gut ist, können wir sie vielleicht noch besser schreiben? Hier und da ein Detail weg und dafür dort eine Emotion mehr? Eine Nebenfigur streichen und dafür die eine andere Figur mehr charakterisieren?