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Nach dem Buch ist vor der Messe

… ja, so siehts aus. Am Ende wurde es nochmal knapper als gedacht. Vor fünf Monaten hatte ich noch ganz leise gehofft, den dritten Band schon mit zur BuchBerlin zu nehmen, aber ich wusste, dass das ein verdammt ehrgeiziges Ziel war. Der Zweite hat es aber am Montag als Print zu mir geschafft und damit steht einem erfolgreichen Messeauftritt nichts im Wege, was ich noch in der Hand hielte.

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Nach dem Buch

In diesem Abschnitt soll es in gewohnter Manier darum gehen, welche Lehren ich aus der dritten Veröffentlichung ziehe. Ihr kennt das ja schon von Drei Wochen Unter Verdacht – Wie es mir mit Buch Nummer 2 so ergeht und Zielabgleich und 4 Dinge, die ich seit meiner ersten Veröffentlichung gelernt habe.

1. Planung

Der einleitende Absatz hat es ja bereits angedeutet, meine Planung und die Realität passten nicht so gut zusammen. Ich wollte das Buch eigentlich viel früher fertig haben, aber das hat nicht geklappt, weil es Zeiten im Jahr gibt, an denen ich mich einfach nicht für längere Zeit an den Laptop setzen kann. Der Juni ist schlimm. Da muss ich ständig in den Garten, weil es draußen so schön ist. Jeden Tag gibt es etwas Neues zu entdecken und bei „mal kurz schauen“ bleibt es nie. Streichen wir also den Juni aus der Schreibplanung für das nächste Jahr… Überhaupt sind Gartenmonate schwieriger als Nicht-Gartenmonate, setzen wir also die Ziele für diese Zeit herab. Dann schreibe ich eben nicht das ganze Jahr über konstant eine bestimmte Zahl Wörter im Monat – na und?

Aber ich gebe zu, es hat mir Stress gemacht, meinem Plan so arg hinterher zu rennen. Das möchte ich nicht mehr. Ich möchte mir realistische(re) Ziele setzen und diese auch erreichen. Außerdem möchte ich einen Vorsprung erarbeiten. Wenn ich also heute sagen würde „in zwei Monaten gibt es den neuen Roman XY“, soll der schon vollkommen fertig hier liegen und bestenfalls sogar bereits gedruckt sein, damit ich mich in aller Ruhe um das Marketing kümmern kann, ohne das hier und da noch letzte Dinge erledigt werden müssen. Ich will nicht mehr Müssen müssen, wenn ihr versteht, was ich damit meine. (und ich glaube, das versteht ihr genau)

Bislang verdiene ich mit dem Schreiben absolut nichts. Ich bin froh, wenn ich einige Ausgaben wieder rein bekomme. Alles, was ich investiere ist genau das – eine Investition mit ungewissem Ergebnis. Das ist okay. Ein Verlag investiert auch in seine Autoren bzw. Bücher. Als Verlag hast du den Vorteil, dass du eine breitere Basis hast, weil dich meist schon einige Leser kennen (je nachdem, ob du ein großer oder kleiner Verlag bist, ob du ganz neu startest oder schon länger aktiv bist, etc.). Dadurch, dass ein Verlag aber grundsätzlich mehr als 2 Bücher im Jahr herausbringt, steigt die Bekanntheit schneller, denn jedes Buch bringt dich deinen Kunden näher.

Genug zu diesem Exkurs – ich will also nicht mehr Müssen müssen. Denn wenn ich am Ende sowieso draufzahle oder davon ausgehe, dass es noch ein paar Monate (oder Jahre – ich kann damit leben) so bleibt, muss ich mich nicht unter einen künstlichen (selbstgemachten) Druck setzen. Wenn das Buch noch Zeit braucht oder wenn ich noch Zeit für das Buch brauche, soll das eben so sein.

Nun arbeite ich also vor. Rechnet in den nächsten paar Monaten einfach nicht mit dem nächsten Buch. Ich bin sicher, es wird euch dadurch nicht schlechter gehen. Falls ihr nicht wisst, was ihr bis dahin lesen sollt, habe ich viele tolle Tipps für euch 😉

2. Timing

Das Timing. Tja, ich habe mal gelesen „Jetzt“ sei immer der richtige Zeitpunkt für eine Veröffentlichung. Demnach habe ich sicher alles richtig gemacht, als ich am 10.10. veröffentlicht habe.

Fühlt sich trotzdem nicht so an, denn das war der Mittwoch vor der Frankfurter Buchmesse und da war ich nicht vertreten – aber gefühlt jeder andere und jeder meiner Leser. Denn obwohl ich Vorbestellungen hatte und am Releasetag einige Verkäufe, brach ab dem Donnerstag alles schlagartig ein. Nichts mehr… Nur noch Ausleihen über Kindle Unlimited, aber auch erst nach der FBM.

So kam das Buch ausgesprochen schwer in Gang und hat auch am besten Tag nicht die beste Chartplatzierung des ersten Bandes geschlagen. Das hat mich enttäuscht, das gebe ich ganz offen zu. Nun kann man sagen, ein Krimi ist kein kurzlebiger Artikel und er wird sich auch in ein paar Monaten wieder verkaufen, wenn der dritte Band kommt und der vierte und der fünfte und so weiter. Das stimmt sicher auch, aber es fühlt sich eben trotzdem an, als hätten meine Leser ihr Büchergeld auf der FBM gelassen (vollkommen nachvollziehbar, ich hätte es nicht anders gemacht) und dann waren sie ja erstmal mit Stoff für die nächsten Wochen versorgt.

Was lernen wir also für das Timing?

Veröffentliche lieber nicht genau zu einer großen Buchmesse, wenn du dein Buch dort nicht vorstellst!

3. Out of the Bubble

Ich will raus aus der Facebook-Blase. Facebook ist super, um mit Lesern in Kontakt zu kommen, aber es ist unheimlich schwer geworden, dort weitere Leserkreise zu erschließen. Ich erreiche immer die gleichen Menschen. Wenn ein Blogger 1000 Follower hat und über mich berichtet, ist das toll. Leider sehen ihn nicht alle seine 1000 Follower auch jedes Mal, wenn er etwas postet – genauso, wie mich nicht alle meine 650 Follower sehen, wenn ich etwas poste. Hinzu kommt, dass 400 seiner Follower vielleicht bereits mit folgen und durch den Post zwar positiv an mich erinnert werden, aber mich nur wenig neue potenzielle Leser wahrnehmen.

Ich stehe an einer Stelle, an der ich zwar eine hohe dreistellige Followerzahl habe, aber eine niedrige dreistellige Leserzahl. Also kann ich erstmal davon ausgehen, dass viele meiner Follower entweder meine Bücher nicht so interessant finden oder eben erst später mal zugreifen, wenn es gerade passt (ich halte das schließlich genauso und das ist total okay). Gehen wir davon aus, dass auf 3 Follower 1 Leser kommt, ist das prinzipiell toll, aber ich erreiche mit so niedrigen Chartplatzierungen, wie sie bei den Verkaufszahlen nun mal herauskommen, keine Leser außerhalb von meiner (durch Blogger erweiterten) Facebook-Blase. Werbung auf Facebook ist auch nicht der Schlüssel zu dem, was ich erreichen will. Ich möchte offline präsenter sein bzw. außerhalb von Facebook. Um das zu erreichen, muss ich ein paar Sachen ändern. Die Messe in Berlin ist sicherlich ein erster richtiger Schritt, aber es wird sicher noch nicht ausreichen, um den Knoten zu lösen. Denn ich möchte mehr Leser als Follower bekommen. Der Weg dorthin wird allerdings vermutlich kein Selbstläufer.

Viele winzige Bausteine sind schon dabei, ein kleines Legohaus zu bauen, aber es kommt auch immer wieder zu Rückschlägen, die es zu verarbeiten gilt. Ich plane Lesungen, hatte 2,5 Anfragen und aus keiner davon ist (zunächst) etwas geworden. Zwei waren mit ziemlich viel Fahrerei verbunden, aber ich hätte es trotzdem gewagt. Die eine davon hat sich jedoch als Angebot herausgestellt, bei dem ich die Location hätte mieten sollen, anstatt eine (kleine) Gage zu bekommen. Die 0,5.te war eine Idee zu einer Lesung in Verbindung mit einem Konzert, das viel Yoga-Lover besuchen – darauf hatte ich mich schon sehr gefreut. Leider fand die Band, dass Krimis nicht zu ihnen passen und so gibt es keine Lesung, obwohl der Veranstalter es haben wollte. Das hat mich enttäuscht und ich bin es auch jetzt noch. Das Konzert wird deshalb auch ohne mich im Publikum stattfinden. (Man könnte jetzt meinen, ich reagiere beleidigt. Ja, vielleicht ein bisschen, aber ich wünsche ihnen deshalb nichts Schlechtes. Ich mag nur nicht hingehen.)

Mit diesem Veranstalter wird es aber in Zukunft eine Lesung geben und vielleicht kommt sogar jemand, auch wenn kein Konzert damit verbunden ist. Aber eben auch nur vielleicht… denn das Thema Lesungen ist dort Neuland.

Ich werde euch auf jeden Fall hin und wieder diesbezüglich auf dem Laufenden halten, aber ein Masterplan existiert noch nicht.

Das waren für mich die wesentlichen Erfahrungen, die ich aus diesem Buch mitnehme. Insgesamt war es etwa genauso aufregend, auf die ersten Rückmeldungen zum Buch hin zu fiebern, wie beim ersten Band der Reihe. Wer meine Fingernägel vermisst, weiß jetzt, wofür sie draufgegangen sind 😉

Die erste Resonanz war wie beim ersten Band überwältigend positiv. Natürlich kann nicht alles jedem gefallen und das muss es auch überhaupt nicht, aber insgesamt bin ich extrem zufrieden, wie das Buch bislang angekommen ist.

Wer neugierig ist, wie die Rückmeldungen so lauten, darf gern auf der Seite Moorkamps Fälle stöbern, dort habe ich einige Rezensionen verlinkt.

Ist

Ha, damit überrasche ich euch jetzt doch noch, nicht wahr? Das Ist in der Überschrift ist tatsächlich auch eine „Kapitelüberschrift“.

Es gibt nämlich auch einen Ist-Stand, von dem ich gern berichten möchte. Seit Kurzem habe ich mich überwunden, mich auch in Videos zu zeigen – eine Herausforderung, aber auch eine Möglichkeit, zu wachsen. Drei Videos von mir existieren schon, das eine davon wartet aber noch auf seinen Veröffentlichungstermin (seht ihr, wie gut das mit der Planung schon funktioniert?).

Weil es mit einer Aufnahme und meinem Finger auf dem „Löschen“-Knopf einfach nicht geklappt hat, habe ich Live-Videos zum Einstieg gewählt, also ungeschnitten, mit Versprechern und allem, was dazu gehört.

Das erste Video habe ich im Rahmen einer Online Buchmesse gemacht, bei der ich „teilgenommen“ habe. Das lief parallel zur Frankfurter Buchmesse und passte ziemlich gut zum Veröffentlichungstermin von Sündenfeuer, also habe ich dieses Video als virtuelles Meet&Greet gemacht. Es war lustig, ich hätte nicht gedacht, dass ich wirklich so lange quatschen kann, ohne einen realen Gesprächspartner. Mein einziges Feedback waren die Zuschauerzahlen und zeitversetzte Kommentare auf meinem Bildschirm.

Das zweite Video war deutlich kürzer und ich wollte eigentlich nur kurz eine kleine Szene aus Sündenfeuer vorlesen. Das immerhin habe ich geschafft, obwohl ich noch leicht angeschlagen war.

Hier könnt ihr also meine Anfängervideos anschauen und nach Herzenslust heimlich (!) über mich lachen. So nun aber zu dem heiß ersehnten „vor der Messe“.

Vor der Messe

Die Messe… oh die Messe, ich freue mich ja schon so tierisch darauf – ihr glaubt es nicht. Am 23.11. geht es für mich in aller Frühe nach Berlin, denn um 10 Uhr startet die Tagung, die der Messe vorangestellt ist. Eine Weiterbildungsmöglichkeit, die ich sofort ergriffen habe. Ich bin extrem gespannt, was ich dort alles neues lerne und werde versuchen, ein bisschen davon auch für euch zu konservieren.

Am Samstag den 24.11. geht es dann so richtig los. Meine erste Messe als Ausstellerin. Ich habe einen kleinen Tisch in der Krimi- und Thrillerecke, wo Moa Graven und Martin Krist in meiner direkten Nachbarschaft stehen. Auch ganz tolle Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich mich in den letzten Wochen und Monaten intensiv ausgetauscht habe, stehen ganz nahe bei mir. So ist selbst im Worst Case jemand da, bei dem ich mich ausheulen kann, weil NIEMAND meinen Stand anschaut. Noch vor ein paar Wochen hatte ich Angst, ich könnte meinen Stand nicht verlassen, falls nicht meine kleine Schwester zu der Zeit da wäre um aufzupassen. Heute habe ich da keine Sorge mehr. Ich halte meine virtuellen Kontakte für vertrauenswürdig genug, mal die fünf Minuten, die ein dringend benötigter Toilettenbesuch wohl dauern wird, ein Auge auf meinen Stand zu werfen.

Ich freue mich auf Gespräche mit Autoren, Lesern und Bloggern. Ich freue mich darauf, dass neue Menschen auf mich aufmerksam werden. Ich freue mich darauf, selbst neue Menschen kennenzulernen. Bücher zu kaufen. Mich begeistern zu lassen. Erfahrungen auszutauschen… Es wird sicher ganz wundervoll und ich werde selbstverständlich Fotos mitbringen.

Wie habe ich mich also auf die Messe vorbereitet?

Zunächst habe ich auf Facebook nach Erfahrungen gefragt „Was brauche ich denn eigentlich für einen Messestand in Berlin?“ – je nachdem, wie der Veranstalter sich aufstellt, braucht man unterschiedliche Dinge – in Berlin wird ein Tisch gestellt und man darf ohne Anmeldung keine Wände einziehen (also ein kompletter Messestand mit Rückwand und Tisch und Co. wird für Berlin nicht benötigt). Was ich aber brauche, ist eine Tischdecke – ganz wichtig! So viel habe ich gelernt. Außerdem ist 80x80cm gar nicht viel Platz (probiert das mal auf eurem Küchentisch!) – das ist ziemlich genau das, was mir dort zusteht und was ich gebucht habe. Also ist dort gar kein Platz für viel Schnickschnack. Meine Sorge, den Tisch nicht füllen zu können, erscheint also unbegründet. Erleichterung, drei Tonnen Steine fallen zu Boden.

Was habe ich nun dabei?

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Ich habe Bücher, ich habe Lesezeichen, ich habe exklusive Postkarten und Goodiebags mit vielen hübschen Kleinigkeiten. Das ist noch lange nicht alles, was man für eine Messe braucht, wie ich mir habe erzählen lassen. Auf meiner Liste stehen außerdem Tischdecken und Buchaufsteller. Es geht noch viel mehr – insbesondere im Deko-Bereich oder was professionelles Messeequipment betrifft, doch an der Stelle warte ich mit dem Shoppen ab, bis ich genauer weiß, was ich wirklich bei welcher Veranstaltung in Zukunft verwenden kann.

Weitere Vorbereitung besteht darin, den Leuten zu erzählen, dass man auf der Messe sein wird. Wer mir folgt, weiß das inzwischen vermutlich, aber was ist mit Menschen, die von meiner Existenz noch nichts wissen? Irgendwie muss ich doch auf die Listen der Menschen, die planvoll auf einer Messe einkaufen bzw. die planvoll „ihre“ Autoren besuchen.

Also habe ich es erstmal ziemlich herumgetratscht und irgendwie fanden sich ein paar Autoren, die ebenfalls dort ausstellen und wir haben uns eine kleine Promotion-Aktion überlegt, mit der wir zumindest jeweils gegenseitig unsere Follower informieren können, dass es uns gibt und wir dort anzutreffen sind. Ob es etwas bringt? Keine Ahnung, aber es schadet gewiss nicht.

Jetzt habe ich euch aber ausreichend unterhalten – falls ihr wirklich bis hierher durchgehalten habt, gebe ich euch ne Runde Kekse auf der BuchBerlin aus 😉

Ich freue mich auf Euch.