Wie ich einen Roman plane

Ein ganzes Buch zu schreiben erscheint am Anfang wie eine unlösbare Aufgabe, dabei ist es ganz einfach. In diesem Beitrag möchte ich dir erklären, wie das bei mir normalerweise läuft. Wo fange ich an? Wie geht es weiter? Und wann weiß ich, dass ich fertig bin? 

Neulich las ich einen alten Beitrag von vor etwa 3 Jahren. Damals war ich überzeugt, dass Planen für mich nichts sei und dass es meinen kreativen Prozess hemmen würde. Haha. So ändern sich Dinge mit mehr Erfahrung also… Inzwischen liebe ich das Planen fast mehr als das Schreiben. Aber fangen wir erstmal an…

Der zentrale Konflikt

Am Anfang steht für mich der zentrale Konflikt. Was ist die Geschichte?

Bei Unter Verdacht ist der zentrale Konflikt folgender:Friedliebende Yogalehrerin gerät unter Mordverdacht und muss ihre Unschuld beweisen. 

Meist ist dieser Konflikt tatsächlich das zweite, was mir einfällt. Vorher sind da irgendwelche Fetzen, die zur Geschichte zu gehören scheinen. Ein Ort, eine Situation, eine Figur – irgendwas in dieser Art. Bei Moorkamps Fällen ist es Emi. Emi war von Anfang an da. Vielleicht hat sie sich ein bisschen geändert, weil sie sich der Handlung angepasst hat. Sie wurde zu einer komplexen Persönlichkeit mit sozialem Umfeld, Wünschen, Stärken, Schwächen und einer Vergangenheit. All das entwickelte sich locker nebenher.

Dennoch war der Konflikt für mich der Einstieg in dieses eine Buch. Mein roter Faden. Alles, was ich um diesen Faden herum schreiben musste, wurde dann nach und nach geschrieben. Dabei gibt es natürlich noch etwa eine Million Sachen, die ich nicht aufgeschrieben habe, weil sie nicht zu dieser Geschichte gehörten. 

Der Sequenzenplan

Ich hatte also meinen zentralen Konflikt, aber wie geht es weiter? Ein grobes Gerüst als Leitfaden. Was soll in der Geschichte passieren? Welche Wendepunkte gibt es?

Das werde ich natürlich nicht am realen Beispiel erklären, aber du kennst sicher bereits einige Modelle, die geeignet sind, um eine Geschichte zur strukturieren. 3 Akte, 5 Akte, 8 Sequenzen oder ähnliches. Ich nutze in der Regel die 8 Sequenzen, in die ich meine Geschichte stecke.

Der zentrale Konflikt steht dabei meist als auslösendes Ereignis in der zweiten Sequenz. Vorher brauche ich eine Ausgangssituation, in der ich den Konflikt andeute. Emi gerät also in Sequenz 2 Unter Verdacht. Die Ermittlungsarbeiten folgen dann in den nächsten Sequenzen

. Welche Katastrophen liegen auf dem Weg? Was ist die Lösung? Wie endet das Buch?

 Der Kapitelplan

Damit bin ich natürlich noch lange nicht fertig. Als nächstes erstelle ich einen Kapitelplan. Meine Bücher haben meist zwischen 12 und 18 Kapitel, die konkrete Länge bestimmt allerdings das Buch selbst. Meine Cosy Crimes sind etwas kürzer, die Liebeskomödien etwas länger und dann gibt es da noch andere Projekte, die sich noch nicht ganz abstecken lassen.

In meinem Kapitelplan wird es etwas konkreter. Es gibt Orte, Handlung, Figuren, Gefühle etc. Allerdings ist mein Kapitelplan nicht viel mehr als ein erster grober Entwurf der Geschichte inklusive Motivationen und Co.

Diesen Plan kann ich einem Storytester unter die Nase halten, wenn ich das möchte. Damit ergibt sich erstmals die Möglichkeit, einen Klappentext zu schreiben. Nicht dass dieser Klappentext wirklich für das Buch bestimmt wäre, aber auf die Frage „An was für einer Geschichte schreibst du gerade?“ bietet er eine passable Antwort. 

Ganz grob sieht das im Arbeitsprozess so aus. Hier fehlt der Sequenzenplan, weil ich ihn nicht mit nach Papyrus hineinkopiert habe, aber frag mich nicht, warum. Grundsätzlich kopiere ich mir immer den ersten Part den ich habe – hier den Kurzinhalt, der den zentralen Konflikt beschreibt und klebe ihn in die Vorlage für den nächsten Schritt. So entsteht dann der Sequenzenplan aus meinen Erweiterungen des Kurzinhalts und der Kapitelplan aus den Erweiterungen des Sequenzenplans und du errätst es: Den Kapitelplan nehme ich wiederum als Basis für den Szenenplan, den ich dann erheblich aufbohre. Schließlich schreibe ich meine Szenen auf Basis des Plans für die jeweilige Szene. Ich habe also ständig mein Ziel vor Augen und kann dennoch frei vor mich hin schreiben.

Der Szenenplan

Nun wird es ernst. Aus den Kapiteln lassen sich nun langsam Szenen formen. Welche Szenen brauche ich, um die im Kapitel geplanten Dinge zu vermitteln.

Wenn Person X Liebeskummer hat, muss ich das irgendwie in einer Szene verpacken, denn es einfach hinzuschreiben reicht schließlich nicht aus. Ganz klischeehaft könnte ich sie mit ihrer besten Freundin aufs Sofa setzen und Eiscreme essen lassen, während sie ihr Herz ausschüttet. Tränen, traurige Filme, etc. In meinen Szenenplan kommt außerdem die Info, wessen Sofa es ist, ob es am Abend oder am Tag stattfindet und diese tolle Idee der besten Freundin, was Person X jetzt tun sollte.

So habe ich ein Gerüst und weiß beim Schreiben, wo ich mich hin bewegen muss und welche Stimmung dabei zu erzeugen ist.

Das Schreiben

Ja, dann geht es los. Manchmal beginne ich mit dem Schreiben schon, wenn das Ende noch ein bisschen vage ist, aber das stört mich nicht. Außerdem ist meine Planung nicht in Stein gemeißelt. Wenn sich irgendwas interessantes in der Zwischenzeit anders ergibt und mich diese Idee begeistert, dann bleibt das so und ich passe die künftigen Szenen an. Die Planung zu korrigieren ist ein Schritt, der sich ganz einfach in zwei Sätzen erledigt. Wenn einem aber am Ende des Buches einfällt, dass Person X von Anfang an Übergewicht gehabt haben soll, hat man viel mehr zu korrigieren. Vielleicht passen dann manche Entwicklungen einfach nicht mehr oder es fehlen Szenen. Sowas nervt beim Überarbeiten.

Ich halte mich also überwiegend an meine Planung, in die ich – wie du siehst – am Anfang viel Zeit investiere. Theoretisch wäre es damit sogar möglich in der Timeline zu springen und die Mitte zuerst zu schreiben. Wer das mag, ist mit einer fundierten Planung sicher ganz gut beraten.

Meine größte Baustelle im Prozess ist noch das Schreiben des ersten Entwurfs. Mein Kopf weiß ganz genau, dass ich in der Überarbeitung jeden Satz noch einmal neu schreiben werde – so war es bei den letzten drei Romanen und so wird es vermutlich auch beim nächsten sein – machen wir uns also nichts vor. Ich muss also nicht die perfekte Formulierung finden, wenn ich an der ersten Version schreibe. Wäre ja schade, weil ich die sowieso wieder ändere.

Trotzdem halte ich mich eine Ewigkeit mit diesem Entwurf auf. Wäre ich damit 30% schneller, könnte ich ein drittes Buch pro Jahr schaffen – und das ist aktuell mein Ziel. Aber es nützt nichts, dass ich erkannt habe, dass ich darauf weniger Energie verwenden darf. Es muss erstmal in meinem Unterbewusstsein und den Fingern ankommen. Vermutlich läuft es also auf „mehr Praxis“ hinaus.

Übrigens bin ich dazu übergegangen mir auch zum Schreiben und Überarbeiten einen kleinen Plan zum Abhaken zu machen, so habe ich ständig den Überblick, wo ich mit dem Projekt stehe.

Fazit

Es macht mir persönlich riesigen Spaß, neue Ideen auf diese Weise zu Büchern zu formen. Ich habe zur Zeit (Stand: August 2019) 5 Projekte, an denen ich gleichzeitig plane. Von wegen Planen hemme meine Kreativität und so… ja, genau…

Sobald ich mit dieser Planung weitestgehend fertig bin, muss ich mir wohl eins davon aussuchen und mich dem Schreiben widmen – oder ich finde eine clevere Lösung, mit der ich alle 5 gleichzeitig schreiben kann.

Dass dieses Konzept für mich gut funktioniert, heißt nicht, dass es für dich auch genau so funktionieren wird. Einige Autorinnen in meinen Schreibgruppen arbeiten komplett anders und sind damit ebenfalls glücklich. Dieser Beitrag sollte dir nur zeigen, wie meine Lösung aktuell aussieht und ggf. bekommst du in weiteren drei Jahren von mir etwas anderes zu hören – Menschen, Methoden und Zeiten ändern sich eben. Anpassungen sind ganz natürlich und jeder findet eben seinen Weg.

Verrate mir in den Kommentaren, wie du arbeitest und wie du mit deiner Methode zurecht kommst.

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