Wie ich mit meiner Leseblockade umging

Das Schreiben ist etwas wunderbares. Es macht unheimlich viel Spaß, aber ich glaube, es verändert auch die Art, wie man liest.

Zumindest bei mir war es so, dass ich nicht mehr entspannt lesen konnte, nachdem ich begann selbst zu schreiben. Im Laufe der Zeit brach ich fast jedes Buch ab, das ich begonnen hatte. Nur mit viel Mühe gelang es mir, ein Buch zu beenden. Aber ich zwang mich dazu, es immer wieder zu versuchen. Vielfach lese ich nun in letzter Zeit im Netz von Menschen, die eine Leseblockade zu haben glauben.

(Das soll jetzt nicht wertend gelesen werden. Warum ich es genau so schreibe, erklärt sich aber gleich.)


MEINE GESCHICHTE

Mir war lange Zeit nicht klar, dass das, was ich da für ein Leseproblem hatte, vermutlich eine richtige Leseblockade war. Nicht jeder der „Leseblockade“ sagt, meint auch eine Blockade. Manchmal heißt es einfach „Ich habe gerade keine Lust zu lesen und suche ein Wort dafür.“. Ich finde man braucht kein Wort, keine Ausrede dafür, wenn man mal eine Weile nicht lesen möchte. Ich habe doch auch keine Sportblockade, weil ich keine Lust aufs Fitnessstudio habe 😉

Verglichen mit einer Muskel- oder Wirbelblockade war aber mein Gefühl beim Lesen viel eher ein „Ich will, aber es geht nicht richtig“.

Ich habe nach neuen Büchern gesucht, die mein Interesse länger fesseln würden, aber die neuen Bücher standen dann auch nur im Schrank oder wurden angelesen und wieder weggestellt. Waren es die falschen Bücher? Was war nur falsch an meiner Buchauswahl? Ich versuchte ein Buch, bei dem andere Leser richtig viel Spaß am Lesen hatten, aber bei mir funktionierte es einfach nicht. Okay, vielleicht war es das falsche Buch für mich, also probierte ich ein weiteres mit dem gleichen Ergebnis.

Es fühlte sich ziemlich doof an. Ich wollte doch gern wieder entspannt lesen und mich gut unterhalten lassen.

So habe ich 2017 meine Bücher sortiert und die ungelesenen alle auf einen Haufen verfrachtet (natürlich sorgsam gestapelt und nicht achtlos geworfen). Dieser mächtige Stapel ungelesener Bücher machte ziemlichen Eindruck auf mich und ich wollte ihn gern ein wenig abbauen, aber gleichzeitig wusste ich immer noch nicht, wie ich diese Blockade überwinden konnte.

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Die erste Sortieraktion meiner ungelesenen Bücher

Ich sortierte also alle Bücher, in denen ich schon relativ viel gelesen hatte zusammen und wollte zunächst eins davon beenden. Denn das Beenden fühlte sich an wie ein Erfolg, den ich dringend brauchte. Erfolgserlebnisse motivieren und vielleicht fehlte mir die richtige Motivation.

Ich zwang mich also dazu, eins von den angelesenen Büchern auszuwählen und zu beenden. Es dauerte eine ganze Weile und es machte nur bedingt Spaß.

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Die angelesenen Bücher – davon sind mittlerweile drei abgeschlossen und eins verkauft

Also suchte ich eine Buchhandlung auf und suchte nach Büchern, die ich gern und schnell lesen konnte. Für ein schnelles Erfolgserlebnis sollten die Bücher dünn und leicht geschrieben sein, denn ich wollte mich nicht in schöner Sprache verlieren, sondern Bücher beenden. Es klappte. Die dünnen, einfach geschriebenen Krimis konnte ich bewältigen. Und wie erwartet, motivierten mich die Erfolge.

Erneut widmete ich mich meinem riesigen Stapel. Ich nahm jedes Buch in die Hand und notierte Autor, Titel und Seitenzahl (und veröffentlichte den Stapel auf meinem Blog). Glücklicherweise durfte ich zum wiederholten Male feststellen, dass ich die meisten dieser Bücher wirklich gern lesen würde und ich merkte auch, dass mir die Größe des Stapels keine Angst macht. Aber an die dicken traute ich mich nicht heran. Zu groß war die Gefahr, dass ich wieder irgendwo mitten drin die Lust verlieren könnte.

Ich betrachtete meinen Stapel ungelesener Bücher also noch einmal mit anderen Augen. Welche der Bücher haben das Potenzial, mir einen schnellen Erfolg zu verschaffen?

Natürlich kaufte ich weiterhin neue Bücher, denn das Ziel Spaß am Lesen zu haben steht für mich eindeutig über dem Ziel, den Stapel zu verkleinern. Beim Kaufen achtete ich aber nun auch darauf, dass ich die Bücher zügig durchlesen könnte.


HEUTE

Im Moment stehe ich an einem Punkt in der Bewältigung meiner Blockade, der sich anfühlt, als würde es noch eine ganze Weile dauern, bis ich einfach wieder achtlos ein Buch greife und mit Freude vom Anfang bis zum Ende darin lese. Trotzdem bin ich schon viel weiter als noch vor einem Jahr und dafür bin ich dankbar.

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Auch das Sortieren meines SuBs macht mir wieder mehr Spaß

Ich habe seit Weihnachten bereits drei Bücher beendet und stehe auch bei meinem vierten kurz vor einem Erfolg. Keines der Bücher hatte mehr als 400 Seiten und an dicke Bücher traue ich mich immer noch nicht. Ich habe keine Ahnung, wie lange es noch dauert, bis ich mich wieder an Wälzer wie „Die Arena“ von Stephen King trauen werde und ob ich es bewältigen kann.

Das merkwürdige an der Situation ist, dass es nicht immer so war. Ich habe mein ganzes Leben lang immer viel gelesen. Auch anspruchsvolleres und gern auch mehrere Bücher parallel. Parallel lese ich aktuell so gut wie gar nicht (höchstens mal ein ebook parallel zu einem Print), weil die Aufteilung der gelesenen Seiten auf mehrere Bücher mich gefühlt weiter vom Erfolgserlebnis entfernt. Natürlich ist das nicht real, aber es fühlt sich für mich eben im Moment so an.

Als zusätzliche Motivation nehme ich in 2018 an zwei Lese-Challenges teil, aber ich werde mich nicht dazu zwingen, die Anforderungen zu erfüllen, wenn es sich falsch anfühlt. Zum Beispiel ist auf meiner Liste für die Zeilenspringer Challenge (18für2018) auch „Die Arena“ verzeichnet, aber wenn es nicht geht, geht es eben nicht…


Kennst du diese Art von Leseblockade? Hast du es vielleicht selbst schon einmal überwunden? Wie ist es dir gelungen?

Veröffentlicht in: Lesen

6 Gedanken zu “Wie ich mit meiner Leseblockade umging

  1. gann uma schreibt:

    Ich hatte jahrelang sowas. Das Lied von Eis und Feuer war hilfreich. Und später ein E-Reader, damit lese ich auch vor dem Einschlafen. Ich lese immer noch viel weniger als früher – ich bräuchte eigentlich eine Lesebrille (jetzt lese ich als Kurzsichtige ohne Brille, was anstrengend ist). Mit Lesebrille müsste ich in einer größeren Entfernung zu den Augen lesen, das mag ich irgendwie nicht.

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    • erinjsteen schreibt:

      Vor so dicken Büchern habe ich im Moment wirklich eher Angst. Die Reihe steht noch im Bücherregal meines Lebensgefährten, aber sie reizt mich aktuell überhaupt nicht. Da gäbe es ganz andere Schätze zu bergen. Erstmal werde ich meine Strategie noch eine Weile weiterverfolgen. Das nächste Buch, das ich mir vorgenommen habe, hat auch schon wieder über 500 Seiten. Bin gespannt, ob es mich fest genug hineinzieht.

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    • erinjsteen schreibt:

      Meine Lieblingsautoren sind noch sehr weit weg vom „Kollegenstatus“, aber ich lese natürlich auch Bücher von Menschen, die ähnlich viel „vorzuweisen haben“ wie ich. Ich lese Selfpublisher und bin natürlich kritisch. Das gehört auf jeden Fall zu den Punkten, die meinen Lesespass reduziert haben. Aber auch der Versuch analytisch zu lesen, was andere Autoren gut machen, nimmt mir den Spaß. Ich möchte ja von ihnen lernen, aber irgendwie macht es keinen Spaß… ich glaube, du verstehst einigermaßen, wie ich das meine 😅

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  2. Radioactive waste man schreibt:

    Da ich schon sehr lange schreibe – ich glaube, ich habe mit 13 oder 14 angefangen – weiß ich nicht, ob das verändert, wie man liest. Aber den Frust, keine Bücher zu schaffen, den kenne ich aus den letzten Jahren zu genüge. Entweder man hat etwas anderes zu tun, ob man ist von seinem Brotjob so angestrengt, dass man Abends einfach nicht mehr den Elan zum lesen hat. Und wenn man in der Pampa arbeitet und mit dem Auto hinfahren muss, kann man auch nicht in der U-Bahn lesen, was mir definitiv auch fehlt.
    Was mir immer hilft, wenn ich mal wieder überhaupt nicht lese, obwohl ich eigentlich Lust darauf hätte, ist, dass ich ein altes Buch, das ich sehr kurzweilig fand, nochmal lese. Zum einen bin ich bei bekannten Texten deutlich schneller und habe auch weniger Probleme damit, in die Geschichte reinzukommen und zum anderen sind das immer die Momente, wo ich analytisch lese und mich frage, warum dieses Buch so toll ist, dass ich es mehrfach lesen möchte und was ich daraus für mein eigenes Schreiben lernen kann.

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    • erinjsteen schreibt:

      Ich lese normalerweise Bücher nicht noch einmal, obwohl ich sie cool fand. An viele Dinge erinnere ich mich leider auch nach Jahren noch viel zu detailliert. Aber wahrscheinlich ist das eine gute Idee. Vielleicht probiere ich das bei einem Lieblingsbuch demnächst mal.

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