4+1 Wege zu erfolgreichem Marketing für Selfpublisher und Autoren bei kleinen Verlagen

In 2017 habe ich einige Bücher gekauft oder gelesen, die ich zuvor noch nie in einem Buchladen gesehen habe. Irgendwie muss ich doch auf genau diese Bücher aufmerksam geworden sein und das war vermutlich geschicktes Marketing, nicht wahr?

Welche Maßnahmen haben mich also bewogen, die Bücher zu kaufen bzw. zu rezensieren?

Bitte beachte, ich habe diese Ideen nicht erfunden. Ich erzähle dir lediglich, was bei mir als Leser gut funktioniert hat. Die Maßnahmen sind also nicht neu oder besonders innovativ, aber sie funktionieren eben auch ohne riesiges Budget und ohne einen großen Verlag, der dich pusht.


1. Lesungen (z.B. auf der BuchBerlin)

Hier hast du die Chance, Menschen auf deine Geschichte aufmerksam zu machen, die generell leseinteressiert sind, dich aber noch nicht kennen.

So bin ich im November 2016 auf Susanne Leuders aufmerksam geworden. Die Begeisterung stellte sich nicht sofort ein, aber sie blieb mir im Kopf und bei der nächsten Messe habe ich ihr Buch gekauft. Außerdem habe ich es mittlerweile rezensiert und spreche über sie und ihr Buch, wenn es irgendwo in den Kontext passt – nun würde ich behaupten: „Die Marketing-Maßnahme hat wunderbar funktioniert“.

Natürlich kann ich nicht quantifizieren, wie gut die Maßnahme tatsächlich war. Hat die Lesung einen neuen Leser gebracht, 10 oder per Multiplikator (spätere Erwähnung auf Blogs oder Empfehlungen an Freunde) sogar 100 oder 1000? Aber mindestens ein Leser wurde dadurch gewonnen.

Wie bekomme ich Menschen in meine Lesung, die mein Buch noch nicht kennen?

Verteile Flugblätter mit dem Termin deiner Lesung (am besten kurz vor der Lesung) an vorbeilaufende Besucher, ganz egal, ob sie lange an deinem Stand verweilen oder nicht. Wenn du jemanden hast, der dich am Stand vertreten kann oder jemanden, der das Verteilen der Flugblätter übernimmt, verteilt die Zettel ruhig in der ganzen Halle. Manche Standbetreiber legen vielleicht auch den Hinweis auf deine Lesung aus (biete doch im Tausch an, dass du Lesezeichen von ihnen an deinem Stand auslegst!).


2. Gewinnspiele

Ja, welch eine verpöhnte Maßnahme… Man erreicht damit doch immer nur die gleichen 500 Leute, die an jedem Buchgewinnspiel teilnehmen, nicht wahr? Mir erscheint es jedenfalls häufig so.

Ich habe im vergangenen Jahr bei Felicity Green an einem Gewinnspiel teilgenommen, nachdem ich ihren ersten Highland-Krimi bereits als eBook gelesen hatte. Zu meinem Glück habe ich das Paket gewonnen und bin daraufhin zur glücklichen Besitzerin der ersten zwei Bände als signierte Printausgabe geworden. Auch der zweite Band (den ich vielleicht sonst erst viel später mal gelesen hätte) hat mich total überzeugt. Zukünftig muss ich natürlich auch die anderen Bände als Printausgaben haben.

Jetzt lässt sich natürlich darüber streiten, ob das Gewinnspiel oder die Qualität der Bücher die funktionierende Marketing-Maßnahme waren, aber ein hochwertiges Buch erwartet der Leser sowieso.

Wie veranstalte ich ein erfolgreiches Gewinnspiel?

Immer wieder sehe ich Gewinnspiele mit Anforderungen wie „like und kommentiere diesen Beitrag“ – damit erreichst du die meisten Mitspieler. Gewinnspiele mit höheren Anforderungen wie „beantworte folgende Frage: Wie verbringst du Silvester?“ sind auch noch recht gefragt – am besten eignet sich hier eine Frage, die auch irgendwie mit deinem Buch zu tun hat, die man aber beantworten kann, ohne das Buch gelesen zu haben. Wenn du allerdings zu viel (Teilen, Leute markieren, Fragen zum Inhalt des Buches und und und) von deinen Kandidaten forderst, sinkt die Teilnahmequote erheblich. Je nachdem wie bekannt du und dein Buch seid, kannst du natürlich die Teilnahmequote damit reduzieren und auf Leute beschränken, die dein Buch „wirklich“ gern haben wollen.

Der Klappentext des Buches sollte im Gewinnspiel stehen, damit die Mitspieler wissen, um was für ein Buch es geht und sich zufällige Besucher ohne Medienbruch über dein Buch informieren können.

Für viele neue Mitspieler empfiehlt es sich, das Gewinnspiel mit einem Blogger mit hoher Reichweite zu veranstalten. Auf deiner Autorenseite erreichst du zunächst ja leider nur Leute, die dich schon kennen und dein Buch vielleicht sogar schon gelesen haben.

Beim Versand des Gewinns empfiehlt es sich, liebevoll zu packen und je nach Zielgruppe ein paar nette Kleinigkeiten dazuzugeben (Süßigkeiten, Lesezeichen, Leseproben, Deko, Kosmetik etc.).


3. Direkte Ansprache potenzieller Leser und Versenden von gratis eBooks

Ja, so geschehen bei Penny McEntire. Die Autorin hinter dem Pseudonym und ich sind miteinander in Kontakt gekommen und irgendwann hat sie mir ihr Buch einfach so mal zum Lesen angeboten – keine Erwartungshaltung, kein Druck. Nur ein „wenn du es mal lesen möchtest, schicke ich es dir gerne.“

In einem günstigen Moment habe ich dann diesen kleinen „Lückenfüller“ hervorgeholt und mich wunderbar davon unterhalten lassen. Meine Begeisterung habe ich nicht nur hier in meiner Rezension kundgetan (und der Autorin selbst sehr zeitnah via Messenger Bescheid gegeben) sondern auch mehrfach auf Facebook davon erzählt und es anderen Lesern empfohlen.

Wie mache ich es richtig?

Natürlich hilft es nichts, wenn du dir unbekannte Menschen als Freunde hinzufügst und jedem, der deine Anfrage annimmt, ungefragt dein Buch zuschickst. Die meisten Menschen würde das vermutlich abschrecken, obwohl du natürlich auch mal einen Zufallstreffer landen könntest.

Besser ist es jedoch, mit Menschen in Kontakt zu kommen und wenn es menschlich und vom Genre her passt, fragst du, ob er oder sie mal dein Buch lesen möchte. Mehr als Nein-Sagen kann dein Gesprächspartner nicht. Aber bitte achte darauf, dass es nicht scheint, als würdest du wahllos Leuten dein Buch aufdrängen. Wenn es dein Ziel ist, dein ich wahllos breit zu streuen, kannst du auch in einer passenden Gruppe kundtun, dass du dein Buch verschenkst und anbieten, es allen zuzuschicken, die sich bei dir melden. Möglicherweise findest du dabei auch den einen oder anderen begeisterten Leser.


4. Bezahlte Facebook-Werbung

Eine gut gemachte Werbeanzeige bei Facebook kann neue Leser anlocken. 2016 bin ich so auf Virginia Fox aufmerksam geworden. Ihre Anzeige warb damit, dass ihre Rocky Mountain Reihe etwas für Leute wäre, die Gilmore Girls mochten (oder so ähnlich). Das blieb bei mir hängen (nachdem ich die Anzeige mehrfach gesehen hatte) und ich kaufte ihr erstes eBook im Angebot bei Amazon. Nach dem ersten habe ich in einer Angebotswoche auch noch bei 7 weiteren Büchern zugeschlagen. Gerne hätte ich diese Bücher demnächst auch noch als Prints.

Wie schafft man eine ansprechende Facebook-Anzeige?

Das ist eine gute Frage. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man wenig Text verwendet und mit dem Anzeigenbild die Stimmung des Buches oder der Bücher (wenn du für eine Reihe oder mehrere Bücher wirbst) trifft. Die Zielgruppe der Anzeige muss gut gewählt sein, damit nicht zu viel von deinem Werbebudget unnötig verpufft (als z.B. Leute trifft, die gar nicht lesen, oder die kein Deutsch sprechen).

Auch ein Video bzw. eine Art Diashow kann Aufmerksamkeit auf dein Buch lenken, denn bewegte Bilder locken den Blick etwas stärker an, wenn sowieso schon alles bunt und unruhig ist. Alternativ kann man natürlich auch mit schwarz-weiß auf sich aufmerksam machen, wenn es zum eigenen Buch passt (das tut es meiner Erfahrung nach aber nur sehr selten).


+1 (der Extratipp) Messestände

Viele Bücher habe ich auf meinen letzten beiden Messen gekauft, weil ich die Chance hatte, sie vom Autor signieren zu lassen. Die meisten dieser Bücher hätte ich im Buchladen vor Ort zu dem Zeitpunkt nicht gefunden. Manche kannte ich bereits von Facebook, andere nicht.

Was ist bei einem Messestand zu beachten?

Einer allein hat es schwer, wenn er noch nicht besonders bekannt ist. Aber ein Zusammenschluss mehrerer Autoren schafft es, den Besucher, der für einen Autor kommt, auch auf die Bücher der anderen aufmerksam zu machen. Meine Empfehlung für alle Autoren, die Printbücher (besser mehr als nur eins) haben, sollten sich mit anderen Autoren des gleichen Genres oder eines angrenzenden Genres gemeinsam einen Stand aufbauen. Das werde ich auch angehen, sobald ich Printbücher habe. Mit eBooks lohnt sich ein Messestand natürlich nicht.

Auch die Größe der Messe ist wichtig. Einen Stand auf der Frankfurter Buchmesse beispielsweise würde ich nicht anstreben, da diese sehr verlagsdominiert ist. Leipzig ist ebenfalls noch sehr groß und die Gefahr in den verschiedenen Hallen einfach übersehen zu werden entsprechend auch. Für den Einstieg empfehle ich Berlin, da dort die Standmieten human sind und die gesamte Messe übersichtlich genug ist, damit man auch deinen Stand besucht.

Nimm nicht nur deine Bücher mit, sondern auch ein bisschen Deko für deinen Stand, Lesezeichen und ein paar Kleinigkeiten, die du deinen Besuchern mitgeben kannst. Eine Messewand, die hinter deinem Stand steht und auf der du deine Bücher bewerben kannst, ist etwas für Fortgeschrittene, lohnt sich aber, weil man dich schon von Weitem sehen kann.

Selbstgemachtes kommt auch sehr gut an (Kekse, gebastelte Lesezeichen etc.) und kann Menschen an deinen Stand locken, die dich sonst nicht kennen, weil du die oder der mit den leckeren Keksen bist. Sicher gibt es noch unzählige weitere Tipps, am besten sprichst du mal mit Autoren, die schon mehrfach auf Messen einen Stand hatten und vielleicht im gleichen Genre schreiben wie du.


Dies waren meine 4+1 Marketing-Tipps zum Jahresende. Vielleicht möchtest du ja einen oder zwei davon im neuen Jahr mal ausprobieren. Erzähl mir gerne, ob es erfolgreich war, aber bedenke, dass sich nicht jeder Erfolg sofort einstellt. Manchmal reicht es, wenn du es schaffst, jemanden auf dich aufmerksam zu machen und in seinem Kopf zu bleiben.

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