Das Leben und das Schreiben

Stephen King hat da dieses Buch geschrieben. Ein Buch über das Schreiben. Und irgendwie auch über sein Leben, denn das Schreiben ist ein verdammt großer Teil seines Lebens.

Zu diesem Buch werde ich keine Rezension schreiben. Ich werde dir nicht sagen, ob du es lesen sollst oder nicht, denn das kannst du halten, wie du möchtest.

Während King dieses Buch schrieb, wurde er von einem Mann angefahren, der uns beinahe um viele gute Bücher gebracht hätte. Und ihn um sein Leben. Dieses Ereignis trennt für mich den alten King vom neuen King. Auch wenn es für viele vielleicht keinen Unterschied geben mag, für mich gibt es ihn. Einen erwachsenen King, der schreibt, weil er noch lebt und es immer noch liebt, es ihn am Leben hält.

Hast du jemals „Wahn“ gelesen? Mein absoluter Lieblingsking. Ich muss ihn unbedingt noch einmal lesen, weil er beim ersten Lesen so genial war. Er ist aus der Post-Unfall-Zeit. Auch dieses Buch handelt von einem Mann, der einen schlimmen Unfall hatte und der sich dann der Kunst widmet – in Edgar Freemantles Fall der Malerei.

Ich mochte auch einige seiner früheren Bücher, keine Frage. Und ich habe längst nicht alle von ihm gelesen. Ob ich das in diesem Leben noch schaffe? Man weiß es nicht.

Irgendwie wohnt seinen Büchern ein Zauber inne, der das Buch zu etwas ganz anderem macht, als der Klappentext behauptet. Das kann King. Seine Art zu schreiben und wie er hinter verschlossener Tür vor sich hin tippt, machen seine Bücher zu einem Erlebnis.

Mit „Das Leben und das Schreiben“ gewährt er uns einen Einblick in seinen Schaffensprozess. Er erhebt dabei keinesfalls den Anspruch alles besser zu wissen. Im Grunde sagt er immer wieder „Macht einfach weiter!“, denn das ist es, was ihn seine Erfahrung gelehrt hat.

Versuchen, Scheitern, Weitermachen!

Niemals wird er müde zu betonen, wie viel er aus seinem Scheitern gelernt hat. Im Wesentlichen bezieht sich das Buch auf seine frühe Schaffensphase. Damals als er noch nicht vom Schreiben leben konnte – also eigentlich genau auf die Zeit, in der wir heute stecken.

Wir schreiben, weil wir es wollen. Irgendwas in uns fordert uns auf, unsere Freizeit in dieses Hobby zu investieren. Geben wir uns der Illusion hin, eines Tages davon leben zu können, zu schreiben, was uns in den Sinn kommt? Naja, vielleicht gelegentlich, aber eigentlich sind wir rational genug, zunächst unseren Lebensunterhalt mit anderen Maßnahmen abzusichern.

Auch King musste zusehen, woher das Geld für die Miete kommt, denn mit einem goldenen Löffel im Mund wurde er absolut nicht geboren. Es gab Zeiten, in denen er beinahe seinen Traum aufgegeben hätte, heute eine gruselige Vorstellung…

Also lehrt er uns:

Gib nicht auf! Bleib dran, egal wie schwierig es ist!

Sehr wertvoll fand ich übrigens eine Stelle im Buch, an der er einen mehrseitigen Text im Original und in der Überarbeitung vergleicht und erklärt, warum er welche Änderung vorgenommen hat. Ich liebe solche Vergleiche, weil es zeigt, dass aus einem durchschnittlichen Text ein guter Text werden kann. Im fertigen Buch wird man meist nur mit dem Ergebnis nach der Überarbeitung konfrontiert und neben der eigenen Rohversion einer Geschichte mag das Fertige manchmal golden glänzen. Doch auch das hatte früher eine Rohversion, die so aussah wie meine, wie unsere.

Was King mich wieder einmal in diesem Buch gelehrt hat:

Schreib doch einfach erstmal die Geschichte auf – der Rest geht auch noch später!

Am Ende des Buches steht eine Liste von Büchern, die King gelesen hat und gut fand. Keine Empfehlung, doch ein toller Blick in seinen Bücherschrank. Übrigens hat auch Stephen King Harry Potter gelesen – es ist schließlich auch eine lesenswerte Reihe!

Wer keine Lust hat, dieses Buch zu lesen, muss es wirklich nicht tun. Aber ich empfehle an dieser Stelle noch einmal das Video, das ich schon einmal gepostet habe. Schau es dir an und höre, was King einem Raum voller Schreibinteressierter zu sagen hat.

(Sorry, dass ich dir jetzt 55 min deines Lebens raube…)

4 Gedanken zu “Das Leben und das Schreiben

  1. Myriam schreibt:

    Hallo Erin,

    ich persönlich finde Kings „On Writing“ ist eines der besten, interessantesten und lehrreichsten Schreibratgeber überhaupt – es ist schon faszinierend, dass er mir selbst damit eine Gänsehaut zaubern kann (keine des Grauens diesmal, aber ebenso intensiv!). Ich bin wirklich sehr froh, dass ich dieses Buch gelesen habe (und sicher noch ein zweites Mal lesen werde).

    Danke auch für den You-Tube-Link, da hab ich was wo ich mich drauf freuen kann 🙂

    Gefällt 1 Person

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