[Rezension] Carina Mueller – Hope & Despair 1: Hoffnungschatten

 

Ich habe mal wieder ein Buch beendet, das ich schon lange angefangen auf meinem SUB liegen hatte. Nach rund 20% hatte ich das eBook zunächst beiseite gelegt und erst beim „Aufräumen“ des SUBs wieder hervorgeholt. Es ist mir ziemlich schwer gefallen, das Buch zu bewerten, aber nicht weil ich ein halbes Jahr Pause mitten im Buch hatte, aber lies selbst:

Carina Mueller – Hope & Despair 1: Hoffnungsschatten

51bJ+qVP04L.jpgKlappentext:

**Wahre Gegensätze finden immer zueinander**
Sie sind buchstäblich ein Geschenk des Himmels: Zum Dank für die heimliche Rettung eines schiffbrüchigen Ufos bekam die amerikanische Regierung einst zwölf übermenschliche Babys geschenkt. Sechs Mädchen und sechs Jungen – jeweils für die guten und die schlechten Gefühle der Menschen stehend. Dies ist genau siebzehn Jahre her und die Babys sind nicht nur groß geworden, sondern wurden auch voneinander getrennt. Während Hope und die anderen fünf Mädchen sich als Probas dem Guten im Menschen verpflichten, verhelfen die männlichen Improbas dem kriminellen Untergrund zu Geld und Macht. Bis zu dem Tag, an dem die Improbas ihre Gegenspielerinnen aufspüren und nur Hope entkommen kann. Mit ihrem Gegenpart Despair dicht auf den Fersen…

Nicht jede Fantasygeschichte ist als Mehrteiler gut angelegt.

Die Grundidee ist interessant, birgt aber gleich die erste Schwierigkeit. Die Guten und die Bösen sind sehr klar umrissen. Gut ist nicht, wer Gutes tut, sondern, wer auf der Mädchenseite steht. Und auch die Bösen werden nicht an ihren Handlungen erkannt, sondern ebenfalls an ihrer Gruppenzugehörigkeit.

Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht von Hope und Despair erzählt, so erhalten wir Einblick in beide Welten. Außer Hope und Despair lernen wir aber niemanden so wirklich kennen. Von den fünf anderen Mädchen habe ich so gut wie keinen Eindruck und kann mir kaum ihre Namen merken, weil sie so nebensächlich sind. Sie sind leider bloß Statisten. Von den Jungs bekomme ich später im Buch einen vagen Eindruck, aber auch bei ihnen komme ich nicht mehr darauf, wie wohl der Name des 6. sein könnte, der quasi nicht auftaucht. Dass die Mädchen sich trotz intensiver Vorbereitung auf die bösen Impros sich derartig tölpelhaft einfangen lassen, finde ich schwach. Mit etwas mehr Gegenwehr und Tiefe hätte die Autorin den Figuren gleich ein bisschen mehr Substanz geben können. Dass Love Hopes beste Freundin ist, weiß ich auch nur, weil Hope es immer wieder sagt. Und dennoch scheint die beiden Figuren nichts außer der gemeinsamen Gruppenzugehörigkeit zu verbinden.

Die Geschichte, die sich zwischen Hope und Despair abspielt, finde ich interessant und lesenswert, doch der Anfang wirkt mir viel zu langgezogen. Der Schreibstil war kurzweilig und die kurzen Kapitel aus den einzelnen Perspektiven ließen sich gut lesen.

Die Szenen mit Victoria ergeben am Ende des Buches keinen Sinn, weil sie nicht angeknüpft werden. Nach der ersten Hälfte des Buches taucht Victoria nicht wieder auf (außer in der Bemerkung, dass Hope sie ganz vergessen hat), entweder wird das noch in einem der Folgebände relevant oder man hätte es von vornherein streichen sollen. Ich bin generell ein Gegner von Szenen, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben, weshalb ich gerade diesen Punkt sehr kritisch sehe. Auch wenn es sich um einen Mehrteiler handelt, möchte ich keine derart losen Enden haben bzw. darüber im Dunkeln gelassen werden, ob es sich um ein loses Ende handelt. Zudem hätte dem Buch eine Straffung der Verfolgung und der Einkerkerung ganz gut getan. Ein zu viel an Gewalt würde ich jedoch nicht unbedingt bemängeln. Auch das war in meinen Augen stimmig. Despairs Motivation Hope umzupolen wirkt jedoch nicht besonders glaubwürdig. Immer wieder betont er, wie sehr er sie hasst und dennoch schont er sie von Anfang an mehr als seine „Brüder“ ihre Gegenparts.

Ganz allgemein wurde das Buch für mich erst zum Ende hin interessant (nachdem das Vorspiel beendet war), als die drei handelnden Figuren (Hope, Despair und später Treason) endlich nicht mehr bloß Abziehbilder ihrer Leitemotionen sind. Ich bin neugierig darauf, wie es mit der Geschichte weitergehen könnte. Doch ich habe auch Sorge, dass eben das, was mir am ersten Band nicht gefallen hat, auch in den nächsten Bänden sehr dominant sein könnte. Deutlich gekürzt und in einem Buch hätte die Geschichte von Hope & Despair vermutlich mehr Sog entwickelt. Nicht jede Fantasygeschichte ist als Mehrteiler gut angelegt.

Der von manchen Rezensenten kritisierte Stil der Autorin (insbesondere die häufige Verwendung von „Kraftausdrücken“) stört mich nicht und ist mir auch nicht besonders aufgefallen. Die Sprache der beiden Erzähler war aus meiner Sicht recht stimmig. Manche Sätze (das Beispiel mit der „köstlichen Chipstüte“) hätten anders formuliert besser gewirkt, aber das soll nun wirklich nicht Gegenstand der Diskussion sein.

Lesen oder nicht lesen? Eine klare Leseempfehlung kann ich hier leider nicht aussprechen, aber es schadet auch nichts, wenn man es versucht.

Ich gebe dem Buch 3 von 5 Amazon-Sternen.

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