Erkenntnisse und Schreibfortschritte im CampNaNoWriMo

Ich nehme dieses Jahr am CampNaNoWriMo teil. Das ist ein bisschen wie der verrückte Monat November, in dem alle Welt 50.000 Wörter schreiben will, nur dass man sich im April seine Wortzahl selbst aussuchen kann.

Ich habe mir 20.000 Wörter vorgenommen, was einer Tagesaufgabe von weniger als 700 Wörtern entspricht. Wenn ich mich jeden Tag dran setze, ist es kein Problem diese Zahl zu erreichen, aber der April hatte auch Tage, an denen ich den Laptop nicht mal gesehen habe. Weshalb die 20.000 doch zu einer kleinen Herausforderung wurden.

Hier unten klebe ich dir mal meine Schreibstatistik des Monats ein:

20000.jpegDu kannst erkennen, dass er Zeiträume gab, in denen das Ziel unerreichbar schien. Doch gestern kam ich ganz nah von unten an die Vorgabelinie. Nur noch knapp 400 Wörter trennen mich von meinem Soll. Wenn alles wie geplant läuft, werde ich mein Ziel vielleicht sogar erreichen.

Woran ich schreibe ist klar, oder? Seit die Idee mich im Februar packte, lässt mich das Projekt Höhlenstaub nicht mehr aus seinen Fängen. Es wächst und gedeiht mit jedem Tag, auch wenn es nur in der Welt meiner Gedanken ist. Die komplette erste Staffel ist im Szenenplan, jeder Band hat eine Textdatei und jeder Erzähler bekommt so langsam seine eigene Stimme. Gestern habe ich eine Szene geschrieben, die ein neuer Erzähler erzählt, und ganz plötzlich war da eine viel blumigere Sprache als bei den Anderen.

Hast du das schon einmal erlebt?

Erzählersprache

Ich finde es unheimlich spannend, wie ein Erzähler sich vom anderen unterscheiden kann. Und das kann schon beim ersten Wort losgehen. Ich hatte gestern Lust auf diese eine Szene aus Band 6, die ich frisch geplottet hatte, also habe ich mir erlaubt, sie zu schreiben. Es ist die zweite Szene dieses Erzählers und er träumt von diesem Mädchen. Statt wie viele andere ihre Schönheit zu beschreiben, wollte er nur über Düfte, Erinnerungen und Berührungen reden. Manchmal weiß man ja nicht so genau, worauf man sich beim Schreiben da einlässt – so war es gestern auch. Jetzt weiß ich also auch ein bisschen, wie diese Figur tickt.

Meine Testleserin hat postwendend die kurze Traumsequenz zum Lesen bekommen und fand sie „Echt schön“. Wenn du magst, darfst du die Sequenz natürlich auch gern mal lesen:

An ihrem Haar haftete derselbe Geruch, wie er ihn früher im Garten seiner Eltern wahrgenommen hatte, wenn die großen Laken zum Trocknen auf der Wäscheleine hingen. Die feinen blonden Strähnen schienen im Wind zu wehen, doch er wusste, dass es kein Wind sein konnte, weil es so etwas in Madár nicht gab. Ihre wasserblauen Augen sahen ihn ergeben an, der Mund leicht geöffnet näherte sich seinen Lippen. Dann spürte er die weiche Haut auf seiner und eine Zunge, die die seine suchte. Er zog sie näher zu sich heran und spürte ihren seidenweichen Körper unter seinen Fingern. Er tastete sich unter ihr Shirt vor und ließ seine Hände hinauf zu ihren Brüsten wandern, die unter dem dünnen Stoff nackt waren. Sanft liebkoste er die weichen Rundungen ihres Körpers mit dem Mund und spürte, wie seine Erregung dem Höhepunkt entgegen strömte. Er wurde in einen Strudel leidenschaftlicher Gefühle hineingezogen, in dem es nichts außer ihr und ihm gab. Zwei Körper, die sich der Ekstase dieses einen Moments hingaben.“

Es handelt sich noch um die erste Rohversion; es kann also noch Änderungen jeglichen Größenordnung geben. Solche Szenen sind ehrlichgesagt ziemlich schwierig für mich und eigentlich will ich nicht, dass sie jemand liest. Wenn ich sie dann aber mit dem ersten geteilt habe und kein vernichtendes Feedback bekomme, werde ich immer sicherer im Umgang mit genau diesem Textstück. Beim nächsten solchen Textabschnitt geht der ganze Kreislauf wieder von vorne los…

Ich bin ein bisschen aufgeregt, ob mein Staffel-Finale auch ein gutes Staffel-Finale abgibt. So etwas habe ich schließlich noch nie geschrieben und da ich in jedem Band Höhepunkte habe, bin ich nicht sicher, ob das Finale „genug“ ist, genauso frage ich mich aber auch, ob es „zu viel“ sein könnte.

Titel und Kapitelüberschriften

Außerdem habe ich gestern begonnen, den einzelnen Bänden und Kapiteln Überschriften zu geben. Für mich soll jeder Band einen eigenen Titel haben, der natürlich mit dem Inhalt harmoniert, doch irgendwie sollen sie auch zusammenpassen, wenn sich das irgendwie einrichten lässt.

Ich habe ein bisschen mit Zahlen gespielt – vielleicht kennst du das aus anderen Reihen. „Die erste Begegnung“, „Ein zweiter Abschied“, „Die dritte Frau“, „Das vierte Gebot“ etc. – das mag ja aller ganz nett sein, aber will das wirklich jemand bis 24 lesen? Außerdem hätte ich schon den Anspruch, dass der Titel dann auch passt, also müsste ich in dem jeweiligen Band eine dritte Frau oder ein viertes Gebot behandeln. Davon habe ich also Abstand genommen.

Jetzt muss ich zwar die Nummer des Bandes als schnöde Zahl unterbringen, aber am Ende wird das vermutlich unwesentlich sein. Wichtig ist mir nur, dass der Teil immer mit draufsteht, damit sich der Leser gut orientieren kann.

Cover

Auch am Cover habe ich nun schon einiges ausprobiert und bin bislang noch nicht glücklich. Ich finde Fotos der Protagonisten immer ganz toll, doch wenn ich mit Stockfotos arbeite, bekomme ich nicht immer genau das, was ich suche. Natürlich ist die Auswahl riesig, aber eben doch endlich – vielleicht ist das auch gut so, sonst würde ich ja gar nicht mehr vom Suchen wegkommen. Dagegen spricht aber dass ich mich für ein Motiv entscheiden müsste, wenn ich zwei eBooks als ein Print herausbringe.

Andererseits finde ich für Serien auch Cover ohne Menschen sehr schön, gerade Spiele mit Farbe sind auch eine schöne Möglichkeit die einzelnen Bände voneinander zu unterscheiden. Hier habe ich schon sehr schöne Ansätze gesehen, wie man diese Farbspiele zu einem gemeinschaftlichen Cover zusammenführen kann, wenn man einen Sammelband erzeugt.

Natürlich habe ich immer noch die Möglichkeit, einen professionellen Designer zu beauftragen. Die Kosten für 24 Cover bei einem Projekt, dessen Erfolg noch total unsicher ist, sind schon ziemlich hoch, weshalb ich mich noch nicht dazu durchringen konnte, den Auftrag extern zu vergeben. Vielleicht mache ich das letzten Endes noch, aber so lange werde ich noch mit Photoshop herumspielen und basteln. Selbst wenn es sich bei den Ergebnissen nur um Übergangscover handelt.

Mein Ziel für den Rest der Woche lautet „Band 2 beenden“ – ich bin recht zuversichtlich, dass ich die letzten drei Szenen bis Montag packe.

Was ist dein Ziel für diese Woche?

Camp-2017-Participant-Facebook-Cover

4 Gedanken zu “Erkenntnisse und Schreibfortschritte im CampNaNoWriMo

  1. Vanessa Glau schreibt:

    Ach ja, Erzählersprache finde ich auch total spannend! Leider habe ich die bisher noch nicht so hinbekommen wie ich wollte – mein eigener Schreibstil ist wohl zu dominant? Aber ich arbeite weiterhin daran. Schön, wenn eine Stimme von selbst kommt.

    Zu Titel und Überschriften: Wie hast du eigentlich entschieden, dass deine Kapitel Überschriften bekommen? Schlichte Nummerierung ist ja durchaus auch eine Möglichkeit. Außerdem, weil ich mir gerade darüber Gedanken mache: Hast du von Anfang an in Kapiteln geplant? Ich teile meine Geschichten üblicherweise in Szenen und bin jetzt ein bisschen ratlos, weil ich alles nochmal in Kapitel schlichten muss … will. Daher die Frage.

    Jedenfalls frohes Schreiben für diese Woche! Ich bin leider etwas verplant, habe aber weiterhin vor, mit der Überarbeitung meiner Exilfeen weiterzumachen. Oder ist es doch noch die Planung der Überarbeitung? So in die Richtung …

    Gefällt 2 Personen

    • erinjsteen schreibt:

      Ich habe in Szenen geplant und jeweils 5 Szenen fasse ich aktuell in einem Kapitel zusammen. Wenn sich das später als ungeeignet herausstellt, werde ich es noch einmal ändern, aber Titel bekommen die Kapitel auf jeden Fall. Ich mag das irgendwie gerne. Anfangs waren da natürlich nur Nummern, aber beim Überarbeiten kristallisieren sich Kernthemen heraus, aus denen sich passende Titel finden lassen. Die Einteilung in Szenen ist aber bei mir auf jeden Fall die vorherrschende Gliederung.

      Gefällt 2 Personen

      • Vanessa Glau schreibt:

        Verstehe, das macht Sinn – Kapiteltitel können ja zusätzlich Neugier auf den Inhalt wecken, wenn sie gut sind, wie Cliffhanger. Wie lange sind deine Kapitel jeweils? Alle gleich oder bist du da nicht so genau?

        Gefällt 1 Person

      • erinjsteen schreibt:

        Ich plane die Kapitellänge nicht so genau, bemühe mich aber sie etwa im Gleichgewicht zu halten. Grob vielleicht zwischen 6.000 und 8.000 Wörter. Wobei die Szenen zum Teil recht unterschiedlich lang sind, auch da bemühe ich mich aber um Balance zwischen den Erzählern.

        Gefällt 2 Personen

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