Wie ich mein Serien-Projekt plane

Willkommen zu einem kleinen oder größeren Beitrag über die Planungen zu #Höhlenstaub!

Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal angekündigt, dass die Planungen zu diesem ominösen Serienprojekt relativ umfassend sind und eigentlich einen eigenen Beitrag benötigen. Hier ist er also:


planung-001

Wir beginnen mit einem kleinen Schaubild, das ich für dich gebastelt habe.

Über allem schwebt die Hauptstory, die bei vielen Serien sehr schwer zu erkennen ist:

  • The Big Bang Theory – (hat aus meiner Sicht nicht viel an Hauptstory) Maximal wäre da „Die Geschichte von vier Nerds und wie sie endlich jeweils eine Frau finden“
  • The Mentalist – „Ein Schwindler jagt den Mörder seiner Familie“, diese Story geht nach der Identifizierung des Mörders verloren, aber war doch die übergeordnete Story des Serienkonzeptes.
  • Criminal Minds – „Die Profilerarbeit zweier Pioniere wird ein anerkanntes Ermittlungsinstrument“, ja auch dieses Motiv ist irgendwie schwach, scheint aber doch hinter der Serie zu stecken, obwohl das Ziel quasi schon vor Beginn der Serie erreicht wird, weil es die BAU bereits mit reichlich Personal und Anforderungen gibt.
  • Lost – (hier geklaut von Wikipedia) Lost ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die von den Überlebenden eines Passagierflugzeugabsturzes und dessen Folgen auf einer Insel im Pazifik handelt. Lost ist als Mystery-Serie mit einer durchgängigen Handlung konzipiert.

An diesen vier Beispielen ist erkennbar, dass eine Serie zwar eine starke Hintergrundgeschichte haben kann, aber nicht muss.

Meine Geschichte orientiert sich hier also am ehesten am Aufbau von Lost. Es gibt eine Backstory, die nach und nach enthüllt und erzählt wird. Bislang plane ich aber nicht, diese Backstory vor dem Release der entsprechenden Bände zu lüften. Ich mache also ein großes blödes Geheimnis darum, weil es für die Erzähler auch eins ist. Der Leser lüftet die Geheimnisse mit den Erzählern, die zu Beginn keine Ahnung haben, in was sie da eigentlich hineingeraten sind, und entsprechend der äußere Schein an manchen Stellen trügt.

So, dann kommt der Unterbau in Form von Staffeln. Jede Staffel erzählt einen bestimmten Abschnitt in der Hauptgeschichte. In jeder Staffel wird es auch ein paar Wechsel im Personal der Geschichte geben – wie im echten Leben auch. Einige Erzähler ziehen sich jedoch durch die Staffeln.

Jede Staffel ist in 6 Bänden geplant – also 6 Folgen. Ein Band ist in seiner Länge definiert durch den Zeitraum, den er beschreibt – in meinem Fall ist es jeweils etwa ein Monat, was auch dem Release-Plan (ein Band pro Monat) entspricht. Damit ist eine Staffel ein halbes Jahr in der Geschichte.

Je Band/Folge gibt es drei Erzähler, aus deren Perspektiven ihre individuellen Geschichten erzählt werden, die natürlich durch die Begebenheiten der Hauptstory beeinflusst werden. Der Leser erhält nach und nach einen Wissensvorsprung vor den Figuren, weil er mehr erfährt als eine einzelne Figur in der Geschichte.

Wenn in Band 1 die Figuren 1, 2 und 3 erzählt haben, kommen in Band 2 vielleicht die Figuren 4, 5 und 6 an die Reihe und die Geschichte von 1, 2 und 3 wird zur Nebenstory im Hintergrund der Geschichten von 4, 5 und 6. Im nächsten Band erzählen dann vielleicht 1, 7 und 8 weiter, weil es bei denen wieder so richtig interessant wird. Maximal habe ich damit 3*6 Erzähler pro Staffel – real sind es natürlich ein paar weniger, weil einige sich wiederholen.

Wir halten also die Kamera immer auf die Figuren, bei denen es gerade so richtig zur Sache geht. Dabei bleibt natürlich der eine oder andere Cliffhanger nicht aus, denn nicht alles kann gleich schnell abgeschlossen werden. Allerdings verspreche ich, dass jeder Band die Geschichte ein bisschen voran bringt.

So viel zur groben Struktur. Wie gehe ich im Detail beim Planen der Staffeln vor:

(Hier mache ich kein Schaubild, weil ich mit dem echten zu viel verrate und ein „Beispiel“ als solches verdammt viel Arbeit machen würde)

Die nächste Instanz ist Textdatei mit der Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse je Band und eine Tabelle, die auf der einen Achse die Figuren (Hauptfiguren, Nebenfiguren) zeigt und auf der anderen die Zeitachse (Staffel, Band, Woche, Tag- von grob nach fein). Ins Zentrum der Tabelle kommen dann die Dinge, die die Figuren in Woche X erleben. Hier markiere ich mir in fetter Schrift die Figuren, die in dem Band als Erzähler „arbeiten“ sollen, aber auch wer nicht erzählt, dessen Welt steht nicht still. Jedoch gibt es spannende Lebensphasen und weniger spannende.

Wenn eine Figur den ganzen Monat lang immer nur zur Arbeit geht und abends fernsieht, taugt er wirklich nicht als Erzähler. Verliebt er sich aber in eine andere Figur und entscheidet sich, dem Objekt der Begierde nachzustellen, um zu erfahren, was sie mag. Ihr dann „zufällig“ begegnet und plötzlich die gleichen Interessen aufweist… Naja, diese Story konnte ich entweder als Stalker oder Gestalkter erzählen. Wenn es sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, könnte ich es sogar beide in unterschiedlichen Phasen erzählen lassen.

An dem Beispiel siehst du schon, dass ich natürlich mehr Story haben muss, als ich erzähle. Jede Figur hat eine Motivation und einen eigenen Hintergrund, den sie nicht unbedingt jedem erzählt. Wenn sie aber als Erzähler auftritt, ist sie ehrlich und könnte dir zu gegebener Zeit etwas über sich selbst verraten, dass die anderen Figuren nicht wissen. Hier kommt der Leser also zu seinem Wissensvorsprung.

Da sich manche Geschichten im Hintergrund eines Bandes (weiter)entwickeln, muss ich eine Möglichkeit finden, wie die wichtigen Details an den Leser kommen. Mein Erzähler des Bandes könnte durch ein Gespräch davon erfahren oder etwas beobachten und dem Ganzen mehr oder weniger Bedeutung beimessen.


Trotzdem halte ich mich an die Regel, die ich für äußerst wichtig halte:

Erzähle dem Leser nur, was ihm hilft.

Lose Enden nerven. Wenn ich dich nun wissen lasse, dass C beobachtet hat, dass sich A und B heimlich treffen, muss es für die weitere Geschichte irgendwas bedeuten. Sonst ist das ein loses Ende und der Leser glaubt, ich schmeiße ihn mit nutzlosen Infos tot. Das Gegenteil wäre also die berühmte Taktik, den Gegner mit Papieren überfrachten, damit er die wichtigen Blätter nicht identifizieren kann.

Das kann man machen, sollte aber nicht glauben, dass der Leser nochmal wieder kommt.

Spätestens beim Überarbeiten muss ich mich also fragen:

„Brauche ich die Info oder kann das weg?“


Okay, ich habe dir also nun von der Timeline erzählt – so nenne ich die große Excel-Datei mit der „kompletten“ Story meiner Figuren drin.

In der Vorbereitung eines Bandes entsteht dann eine zweite Tabelle – mein Szenenplan. Hier steht dann aus der Timeline schon fest, wer seine Geschichte erzählen wird. Alle Erzähler sind gleichberechtigt und nehmen etwa gleich viel Raum in der Geschichte ein. Nach jeder Szene gibt es auch einen Erzählerwechsel (hier orientiere ich mich grob an der Schnittstrategie wie zum Beispiel bei GZSZ).

Mein Szenenplan enthält 8 Spalten

  1. Staffel/Band/Kapitel/Szene
  2. Perspektivträger
  3. Zeit
  4. Ort
  5. Handlung bzw. Szenentitel
  6. Setting inkl. wichtiger Details der Szene
  7. weitere Akteure
  8. Länge

Der erste Punkt ist ein reines Ordnungskriterium, mit dem ich mich daran orientiere, wo ich stehe. Der Perspektivträger ist wichtig, weil sie sich abwechseln müssen (meine Regel). Der Punkt Zeit ordnet die Szene einem Wochentag in einer Woche zu, auch hier versuche ich alles etwas auszubalancieren, damit ich nicht an einem Tag die ganze Handlung für eine Person abspiele, während sich eine andere Geschichte über 4 Wochen zieht – damit hätte ich nicht die Abwechslung, die ich anpeile. Der Ort ist für mich wichtig, um in der Planung zu entscheiden, ob eine Szene eher intim ist oder öffentlich, ob Personen dazukommen könnten oder nicht…

Handlung/Szenentitel „Peter erreicht das Nimmerland“ – so würde ich beispielsweise eine Szene betiteln. Der Titel der Szene soll mir das Ziel der Szene verraten. Wenn ich später in meinem Textdokument sitze, ist der Szenentitel das einzige, was ich vor mir sehe. (Papyrus erlaubt mir, jeder Szene einen Titel zu geben, der hinterher nicht so im Fließtext steht, sondern ein Ordnungskriterium im Navigator darstellt) Wenn Peter das Nimmerland erreicht, weiß ich, Peter kommt irgendwie da hin und nimmt dann seine neue Umgebung irgendwie wahr. Wenn ich Details brauche, schaue ich in die nächste Spalte meines Szenenplans, wo ich wichtige Details reinschreibe, bevor ich mit dem Fließtext beginne. Hier stehen so Sachen wie „Peter findet den Zauberstab und trifft den Maulwurf Otto…“ – Zauberstab und Maulwurf brauche ich also später noch und müssen erwähnt werden. Ergibt sich das alles beim Schreiben irgendwie anders (das passiert wirklich!), muss ich unbedingt meinen Plan anpassen.

Weitere Akteure sind nicht immer wichtig, aber hilfreich, wenn eine Gruppe von Menschen die gleichen Informationen braucht. Meistens denke ich mir etwas dabei, wen ich irgendwohin mitschicke.

Länge ist erst nach dem Schreiben interessant und hilft mir am Ende die Balance zu prüfen. Alle Bände sollen ungefähr gleich lang werden, die Szenen dürfen variieren, aber es sollte nicht zu krass sein. Eine Szene mit 5.000 Worten gegenüber anderen mit 800 Wörtern ist übermächtig und sieht nach einem Bruch meines eigenen Systems aus, an das sich der Leser beim Lesen ja auch gewöhnt.

So und wenn die Story eines Bandes dann steht, geht es mit dem Schreiben los – wie gesagt muss vorher viel Vorarbeit erfolgen. Ich rate aus meiner bisherigen Erfahrung bei einem solch umfangreichen Konzept nicht dazu, „einfach mal drauf los zu schreiben“. Natürlich kannst du Glück haben und das Konzept geht auf – die Wahrscheinlichkeit, dass du nach 200.000 Wörtern vergessen hast, welche Geschichte du erzählen wolltest, ist bei so vielen individuellen Geschichten sehr hoch.

Deshalb plane ich das alles sehr intensiv, was mir immer noch sehr viele Gestaltungsspielräume lässt – es erstaunt mich selbst, wo ich mich doch eigentlich immer noch für einen Discovery Writer halte. Aber ich nehme mir auch die Freiheit, meinen Plan zu ändern, wenn sich die Dinge anders entwickeln. Wichtig ist nur, dass irgendwo die Fäden zusammengehalten werden!

Ja, wie du siehst, ist die Beschreibung meiner Planung wirklich einen ganzen Post lang geworden. Demnächst bekommst du auch wieder ein Update zu meinem Projektstand, aber den mache ich separat.

Hast du Fragen noch zu meiner Planung?

 

4 Gedanken zu “Wie ich mein Serien-Projekt plane

  1. Vanessa Glau schreibt:

    Interessanter Beitrag! Ich staune gerade wieder über den Umfang, wenn du die Bücher und Episoden auch noch zu mehreren Staffeln zusammenfasst. Ich weiß nicht, ob ich mir einen derartigen Aufwand bei der Planung antun würde, aber wenn es Spaß macht, geht das bestimmt leichter. 🙂

    Für meinen Roman über die Feen benutze ich eine ähnliche Methode, natürlich weniger ausgefeilt und etwas offener. Am Anfang hatte ich ja nur die erste Hälfte der Geschichte wirklich geplant … der Rest ist zwischendurch gekommen.

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    • erinjsteen schreibt:

      Ja, mir macht es ehrlich gesagt echt viel Spaß, das alles auszuplanen. Ich wollte am Anfang eben wissen, wo die Reise hingehen wird und was einen Leser durchgehend in der Geschichte halten würde, wenn ich doch die Erzähler regelmäßig wechsele. Da brauchte aus meiner Sicht alles eine Überstory, die interessant genug ist.
      Bei deinen Feen hängt ja vieles an deinen beiden Hauptfiguren, oder? Deine Leser werden mit den beiden leiden und reisen, da braucht man zum schreiben vielleicht nicht so viel Planung . Dafür steckst du sicher ziemlich tief im Weltenbau, oder?

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      • Vanessa Glau schreibt:

        Genau, aber es gibt auch ein paar Nebencharaktere, deren Geschichten wichtig für die Hauptcharaktere sind. Bei mir gibt es ein ziemlich weitläufiges Beziehungsgeflecht, Weltenbau vergleichsweise wenig. Vielleicht auch, weil ich den Großteil schon vor dem ersten Entwurf festlegen konnte, danach hat sich nicht mehr viel geändert.

        Gefällt 1 Person

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