Erin fragt… Autorin Monika Grasl

unnamed-2.jpgMonika Grasl ist eine österreichische Autorin, die in Wien geboren wurde und Uhrmacherin gelernt hat. Später kam dazu noch eine Ausbildung als Konstrukteurin. Neben zahlreichen Kurzgeschichten, die in diversen Anthologien veröffentlicht wurden, hat Monika mittlerweile auch schon den einen oder anderen Roman an den Verlag gebracht.

Ihr erster Dark-Fantasy-Roman Die Engel des Todes wurde 2014 von einem kleinen Verlag veröffentlicht, der aus persönlichen Gründen Anfang 2016 seine Pforten schloss. Monika hat ihren Dämonenfürsten beim Verlag der Schatten ein neues Heim gesucht und sie komplett überarbeitet neu aufgelegt. Damit ist ihr erstes Buch auch wieder ihr neustes Buch.

Über Monika kannst du dich auf ihrer Homepage auf dem Laufenden halten. Demnächst erscheint ihr Mafia-Roman Moskau und seine Familien.


unnamed-3Du hast dich in deinen ersten Büchern mit Engeln und Dämonen beschäftigt. Hast du dort ein klares Gut und Böse getrennt?

Nein, das habe ich aus einem ganz bestimmten Grund nicht getan, nämlich um zu zeigen, dass sogar bei einem Wesen – wie Engel oder Dämon – der Begriff Gut oder Böse nicht funktioniert. Jeder von ihnen hat auf seine Weise eine gute oder böse Seite. Es verhält sich ähnlich wie beim Menschen. Für mich ist es jedoch auch die Möglichkeit mit diesem gängigen Klischee zu brechen. Darum existiert bei meinen Werken kein gängiger Held. Der Leser ist selbst gefordert – nicht nur hinter eine außergewöhnliche Handlung zu blicken – sondern sich auch den persönlichen Favoriten zu suchen.

Natürlich hat man als Autor seine Lieblinge, die man immer wieder mal auf der Bildfläche erscheinen lässt. Und ja, ab und zu lässt man ihnen ein Verhalten angedeihen, dass wohl nicht dem typischen Gebaren eines Engels oder Dämons entspricht, aber das macht es auch so interessant eine Figur zu entwickeln. Zeitgleich versucht man auch den Ansprüchen des Lesers gerecht zu werden und sich in die Figuren einzuleben, um ihnen Leben zu schenken.

Wieso hast du dich dafür entschieden, in einem Verlag zu veröffentlichen und die Sache nicht selbst in die Hand genommen?

Es war ein großer Schritt als ich 2014 daran ging mir einen Verlag zu suchen. Ich habe es erstmal, wie vermutlich so viele andere, bei großen Verlagen versucht. Allerdings bin ich sehr schnell darauf gekommen, dass Themen abseits des Mainstreams sich dort nur schwer verlegen lassen. Jeder andere hätte in dem Moment vermutlich den Weg zum Selbstverlag gewählt. Aber ich muss sagen, ich war zu dem Zeitpunkt nicht davon überzeugt, dass die Dämonenfürsten bei irgendwem Anklang finden würden. Und nur zu veröffentlichen, um sagen zu können man hat es mal versucht, war mir in den Punkt mit zu viel Aufwand verbunden. Auch, weil ich ehrlichgesagt, nicht das unübersichtliche Risiko der Kosten auf mich zukommen sehen wollte.

Für einen Verlag besteht das natürlich genauso, aber man kann davon ausgehen, dass die nur dann ein Buch verlegen, wenn sie wirklich überzeugt davon sind und zugleich das Beste aus dem Autor und dem Buch herausholen können. Zudem habe ich schon einige Verlage kennengelernt, die einem ganz ehrlich sagen, warum man es unter Umständen nicht geschafft hat sie mit einem Manuskript zu überzeugen. Das ist gut. Im ersten Moment mag man das nicht glauben, aber wenn man sich kritisch mit den Skripten später auseinandersetzt kommt man drauf, dass etwaige Kritik gar nicht so verkehrt war.

Im Selbstverlag bleibt einem da im Prinzip nur die eigene Einschätzung. Und wenn das nicht funktioniert steht man da mit Büchern oder auch E-Books die keiner Lesen will. Auch der zeitliche Aufwand, bezüglich Werbung darf bei sowas sicher nicht unterschätzt werden.

Du hast mit kleinen Verlagen Erfahrungen gesammelt, fühlst du dich von ihnen gut betreut und angemessen vertreten oder würdest du manche Dinge gerne selbst in die Hand nehmen?

Wie oben bereits erwähnt, kann man bei einem kleinen Verlag mit Nischenthemen durchaus einen Platz finden. Zudem bin ich mit meinen Verlagen äußerst zufrieden. Es ist eine ausgezeichnete Zusammenarbeit. Alleine schon, wenn ich bedenke, was für tolle Covers da entstehen. Ich gebe zu, das ist zum Beispiel so ein Bereich von dem ich wenig Ahnung habe. Mit ein Grund, warum ich nicht in den Selbstverlag gegangen bin. Sicher kann man sich ein Cover kaufen und einen Lektor und jemanden der die Korrektur übernimmt, aber warum, wenn einem die Möglichkeit auf diesen Weg geboten wird.

Auch die Überarbeitungen von anstehenden Werken sind gut organisiert. Es werden Anregungen geliefert und unnötige Dinge gestrichen, die den Leser lediglich verwirren würden, was einem als Autor, aber vermutlich nach der zwanzigsten Korrektur nicht auffallen würde. Das ist wohl die gängige „Betriebsblindheit“. In der Hinsicht muss man natürlich offen sein und auch sagen können, wenn einem ein Vorschlag nicht passt. Genauso kann man selbst Anregungen liefern, die das Manuskript vom Inhalt her aufwerten.

Gleiches betrifft etwaige Titelvorschläge. Auf den ersten Blick mag ein Arbeitstitel super als Endlösung wirken. Zu meist ist es auch der Fall, aber was wenn nicht? Da bin ich schon froh, wenn von Seiten des Verlages etwas vorgeschlagen wird, dass entweder zur endgültigen Form wird oder mir selbst wieder einen Einfall liefert, der dann vom Verlag aufgegriffen wird. Es ist also ein gegenseitiges Geben und Nehmen und funktioniert nur auf der Basis des absoluten Vertrauens.
Natürlich ist es so wie bei jedem Autor, dass er am Erfolg eines Buches durch Werbung mitwirken muss. Aber ich muss auch sagen, dass die Verlage einem da durchaus das eine oder andere aus der Hand nehmen, was wieder den Fokus auf das Schreiben legt.

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Was hast du aus deinen ersten Büchern bislang gelernt? Welche Fehler hast du gemacht, die andere vermeiden können?

Ich schätze, ich habe heute die Ruhe und Geduld, nicht sofort mit dem nächsten fertigen Skript zu einem Verlag zu laufen. Das würde ich auch keinem raten. Ein Manuskript wird bei mir zwar innerhalb von zwei bis drei Monaten getippt und ich habe auch einige in der Schublade liegen, die auf eine Veröffentlichung warten – bereits verdammt lange sogar, aber zumeist bleibt es dann mal gute drei Monate liegen, bevor ich mich an eine Überarbeitung mache.

Dadurch fallen mir selbst mittlerweile unnötige Stellen auf oder ganze Passagen, die man zusammenfassen kann. Andere Stellen gehörten dafür dann eben ausgebaut. Genauso verhält es sich auch bei der anstehenden Neuverlegung rund um die Dämonenfürsten. Es haben sich dabei Teile entwickelt, die nun in einem ganz anderen Licht erscheinen und das deswegen, weil ein anderer Verlag den Inhalt liest und anders bewertet. In jedem Fall ist das Ergebnis mehr als zufriedenstellend, um nicht zu sagen einzigartig und ich bin auch schon gespannt wie jene Leser darauf reagieren werden, welche die erste Veröffentlichung vor zwei Jahren gelesen haben.

Wie muss man sich deinen ersten Entwurf vorstellen? 

Im Groben gibt es einen Plot für den ersten Entwurf. Der ist meist recht kurz gehalten und spiegelt irgendwie nur den Anfang und das voraussichtliche Ende wieder. Allerdings muss man dazu sagen, dass der ungefähr nach der Hälfte des Schreibens im Sand verläuft. Irgendwie fangen die Figuren ab da an ein Eigenleben zu entwickeln und dementsprechend sind manche Stellen dann einfach so ausführlich erzählt, dass sie in einem späteren Überarbeitungsgang doch noch mal um einen erheblichen Teil zusammengestutzt werden. Andere Stellen werden dafür dann wieder so kurz und grob verfasst, sodass mir beim Überarbeiten auffällt, was da an Handlung nicht noch alles fehlt. Und ja, es gibt dann Szenen, die kommentarlos gestrichen werden, weil sie einfach unnötig sind, aber im ersten Moment die Überlegung da war, dass sie irgendwie wichtig sein könnten.

Wie gehst du beim Überarbeiten deiner Texte vor?

Beim Überarbeiten halte ich es gerne so, dass der „fertige“ Text erstmal ein bis zwei Wochen liegen bleibt und ich was anderes schreibe, meist Kurzgeschichten. Danach nehme ich mir das Manuskript vor und fang mal bei der ersten Seite an zu lesen. Dabei fallen mir Änderungen auf, die erstmal am Rand vermerkt werden. Das ganze artet dann darin aus, das beim Manuskript lauter Anmerkungen sind, die ich später nachbearbeite. Dabei geht es vielmehr um die Eindrücke, die auf die Figuren selbst wirken als jetzt die Handlung an sich. Beispielsweise Gerüche, Geräusche oder auch einfach wie etwas zu Essen gerade schmeckt. Solche Art von Details auf die ich beim ersten Schreibentwurf jetzt nicht gerade große Rücksicht nehme, die aber andeutungsweise ihren Platz finden. Da fließt dann auch mal der Laut eines Donnergrollens ein oder ein Streit, der irgendwo im Hintergrund mitläuft und für die eigentliche Handlung vielleicht nicht notwendig ist, aber der Szene mehr Leben einhaucht. Danach bleibt das Skript dann noch mal ein Monat liegen und dann lese ich es erneut. Dabei fallen mir dann noch einige Stellen auf, die Überarbeitet gehören und die werden dann sofort in Angriff genommen.

Ich muss sagen, irgendwann, wenn man dann soweit ist zu sagen: „Ja, jetzt wirkt alles in sich stimmig“, erst dann mache ich mich auf die Suche nach dem passenden Verlag. Ab dem Zeitpunkt heißt es dann auf eine Antwort warten und die ganze Prozedur mit dem Schreiben am nächsten Werke geht von neuem los.

Liebe Monika, hab vielen Dank für diesen Einblick in dein Autorenleben. Ich wünsche dir noch ganz viel Erfolg mit deinen Büchern!

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Hier findest du die anderen Interviews dieser Reihe: Erin fragt… Die Interview-Reihe

2 Gedanken zu “Erin fragt… Autorin Monika Grasl

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