Erin fragt… Buchbloggerin Anja Stephan

unnamedAnja Stephan lebt seit 10 Jahren im niedersächsischen Osnabrück und hat ein Studium der Wirtschaftspsychologie absolviert. Die dominierenden Themen auf ihrem Blog Anja Frieda sind Reisen, Lesen und Wohnen. Was Anja so liest, kannst du dir in ihrem virtuellen Bücherregal ansehen. Übrigens bietet sie auch ihre Dienste als Lektorin an, bei Interesse wirst du hierzu auf dieser Seite fündig.

Ich bin auf Anja aufmerksam geworden, weil sie vor einiger Zeit bei Facebook einen sehr interessanten Text über das Verhältnis zwischen Bloggern und Autoren geschrieben hat.  Ein guter Kontakt zu Buchbloggern ist gerade für Self-Publisher, aber auch für kleinere Verlagsautoren, unheimlich wichtig. Eine positive Rezension von einem vielgelesenen Blogger kann dir möglicherweise viele neue Leser bescheren.

Wer aber noch immer glaubt, ein Buchblogger freut sich über jedes geschenkte Buch, der irrt gewaltig.

Wie wählst du die Bücher aus, zu denen du eine Rezension schreibst?

Ich lese sehr viel, bin aber auch sehr wählerisch geworden. Es gibt viele Genres, die ich sehr mag. Man kann mir immer eine Freude mit klassischen, investigativen Krimis machen, aber auch mit guten Romanen Abseits von Schnulz und Schleim, so zum Beispiel auch Fantasy und Science Fiction. Momentan probiere ich mich an Biografien. Ich finde, man sollte sich immer mal wieder an Genres ausprobieren, an die man sich bisher noch nicht gewagt hat. Ob ich dann aber dann eine Rezension über das Buch, das ich gelesen habe schreibe, bleibt offen.

Manchmal finde ich einfach nicht die Worte, die das Buch adäquat beschreiben können. Oder ich schreibe erst 2 Monate später einen Artikel darüber. Ich schreibe längst nicht über jedes Buch in meinem Regal eine Bewertung. Momentan bewege ich bei den Regionalkrimis, die bewerte ich fast grundsätzlich, da ich die jungen Autoren und Selfpublisher damit unterstützen möchte.

Wenn ein Buch so schlecht ist, dass ich ungeahnte Aggressionen beim Gedanken daran empfinde, dann bewerte ich es erst recht. Man glaubt nicht, wie viel Spaß es macht, ein Buch wirklich komplett zu zerreißen. So böse das auch klingt. Wenn ein Buch zu gut ist und ich nichts finde, worüber ich schreiben kann als nur Lob und positive Aspekte, dann macht es wirklich weniger Spaß. Dann sitze ich vor der Tastatur und weiß nicht, was ich machen soll. Ich mag Bücher, die nicht so alltäglich sind, mit sympathischen und unperfekten Charakteren, die gute Dialoge haben und eine schöne Sprache. Dabei ist es mir auch völlig egal, wie viele Seiten das Buch hat, ob es 100 oder 500 Seiten.

 Wie kann dich ein Autor davon überzeugen, genau sein Buch zu lesen?

Er sollte erstmal keine Thriller schreiben. Sorry, davon träume ich nachts! Hahaha. Der Autor meiner nächsten Buchrezension sollte mir ganz deutlich klar machen, warum mir sein Buch gefallen könnte. Ich bekomme häufig Anfragen von Autoren, die mich um Rezensionen bitten, aber ich sehe häufig schon an den emails, dass sich der Schreiber nicht wirklich Gedanken darum gemacht hat. Die Autoren sprechen mich an, weil sie eine Rezension von mir in einer Facebook-Gruppe sehen haben, aber sie schauen sich meinen Blog vorher gar nicht an. Aber gerade das ist sehr wichtig. Ich lese gern Fantasy, aber das heißt noch lange nicht, dass ich den Romantasy-Gay-Roman lesen will und den zwangsläufig gut finde.

Jeder Blogger hat auf seiner Seite eine Liste mit gelesenen Büchern, die in seinem Regal zu finden sind. Daran können sich Autoren orientieren. Weder in meinem Regal noch auf meiner Liste finden sich Bücher aus dem Romantasy-Bereich, ich habe das sogar in meiner Seite-über-mich geschrieben, trotzdem erhalte ich ständig Anfragen. Stellt euch einfach vor, euer Roman würde in meinem Regal stehen – passt der da rein?

 Auf welche Aspekte achtest du beim Lesen eines Buchs am meisten?

Ich lege viel Wert auf eine korrekte Rechtschreibung und Grammatik. Darüber hinaus mag ich eine Sprache, die mich nicht an meinen Schulhof erinnert. Außerdem mag ich Romane mit unerwarteten Handlungen und Entwicklungen. Ich hasse es, wenn ich nach den ersten Seiten schon weiß, wie das Ende ausschaut. Ich mag schon Bücher mit etwas Anspruch, dann lese ich sogar Liebesromane. Ich achte auch darauf, dass die Handlungen der Protagonisten wirklich nachvollziehbar sind und nicht nur so gestrickt wurden, weil der Autor langsam zur Auflösung des Falls kommen musste. Die Charaktere müssen sich entwickeln können, aber nicht völlig aus dem Ruder laufen. Aber vor allem mag ich Geschichten mit starken, selbstbewussten Frauen.

Welchen Tipp hast du für einen Autoren, der gerade sein erstes Buch veröffentlicht hat, und nun nach Aufmerksamkeit sucht?

Ich bin davon überzeugt, dass man über Facebook eine ganze Menge erreichen kann. Die sozialen Netzwerke sind heute unerlässlich geworden. Es gibt viele Büchergruppen, nahezu unzählige, sogar für spezifische Genres. Da sollten sich Autoren unbedingt einschreiben und in Absprache mit den Administratoren Werbung schalten oder Verlosungen machen. Um Rezensionen zu bekommen, die essentiell wichtig sind für Autoren, sollten dort auch Blogger gesucht und direkt angesprochen werden. Es ist wichtig, dass sich Autoren ab und an auch außerhalb von Werbung an den Diskussionen in den Gruppen beteiligen. So bleiben sie in Erinnerung.

Welches Verhalten von Autoren Bloggern gegenüber ist ein absolutes No-Go für dich?

Mir das falsche Buch anbieten und dann beleidigt sein und mich anpöbeln, wenn ich ablehne. Es steht mir schließlich frei, ob ich ein Buch lese oder nicht. Ich bin ja auch nicht beleidigt, nur weil dir vorher noch nie mein Blog aufgefallen ist. Es ist nicht schön, wenn man als Blogger nur als Dienstleister gesehen wird, der gefälligst pünktlich Rezensionen liefern soll. Daher plädiere ich für eine enge Zusammenarbeit von Autoren und Bloggern, die auf gegenseitige Wertschätzung beruht.

Würdest du einem Autor raten, nachzufragen, wenn eine versprochene Rezension nach einigen Wochen noch nicht erschienen ist, oder erweist sich der Autor damit eher einen Bärendienst?

Der Autor sollte auf jeden Fall nachfragen. Immerhin hat er ein kostenloses Exemplar seines Romans abgegeben. Er sollte aber nicht drängeln, sondern sich einfach nur in wieder in Erinnerung bringen.

Es ist sinnvoll, dass der Autor schon vorher mit dem Blogger abspricht, in welchem Zeitrahmen sich das Lesen und die Rezension befinden sollen. Viele Leute lesen ja auch gerade ein anderes Buch oder haben noch andere Dinge zu tun, als zu Lesen – wenn Lesen doch bezahlt werden würde. Ich halte auch sehr viel davon, ohnehin mit dem Blogger in Kontakt zu bleiben, auch während er liest. Dann kann man sich schon während dieser Phase über das Buch austauschen. Zum einen bleibt der Autor dadurch auf dem Laufenden und bei dem Blogger in guter Erinnerung, zum anderen empfindet der Blogger sich dann nicht als Dienstleister, denn, was viele nicht wissen, Buchblogger bekommen kein Geld fürs Rezensieren der Bücher. Von wem denn auch, vom Verlag bestimmt nicht. Deshalb ist es wichtig, dass sich Autoren um ihre Schreiberlinge kümmern. Dann wird’s auch mit der nächsten Rezension leichter.

Liebe Anja, vielen Dank für das Interview und deine Meinung zu diesem Thema. 

Wenn du noch mehr von Anja zum Verhältnis Blogger-Autor lesen möchtest, schau doch mal HIER rein!

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Hier findest du die anderen Interviews dieser Reihe: Erin fragt… Die Interview-Reihe

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