Erin fragt… Autorin Charlotte Da Silva

unnamedDie Autorin Charlotte Da Silva wurde 1985 in Berlin geboren und träumte schon als Kind von einem eigenen Buch. Als sie acht Jahre alt war, zog ihre Familie von der großen Stadt aufs Land nach Niedersachsen. Nach dem Abitur begann sie ein Germanistik-Studium und arbeitete bei einer Zeitung. Sie beschloss nach einigen Semestern, das Schreiben künftig als Hobby zu betreiben, und wechselte zum Studienfach Informatik, in dem sie mittlerweile auch einen Abschluss hat.

Ihr erster Roman war „Seelenfänger – Jäger und Gejagte„, welcher den ersten Teil einer Reihe darstellt. Es handelt sich um einen Fantasyroman mit Vampiren in der Hauptrolle und einem historischen Setting. Sie veröffentlichte ihr Debüt bereits 2014, arbeitete neben dem Studium am zweiten Teil ihrer Reihe Seelenfänger und schrieb Kurzgeschichten.

Was kannst du uns darüber verraten, wie sich die Verkäufe über die zwei Jahre entwickelt haben?

Meine Erfahrungen decken sich da größtenteils mit den Erfahrungen von anderen Autoren. Ich bin damals als kompletter Neuling eingestiegen und hatte im Vergleich zu vielen anderen Neulingen ganz gute Verkaufszahlen am Anfang, ohne extrem teures Marketing zu betreiben. Auch ich habe Geld in Facebookanzeigen gesteckt und habe kostenpflichtige Werbung bei Internetanbietern geschaltet, aber die Kosten hielten sich wirklich in Grenzen und vor allem meine erste 99 Cent Aktion war recht erfolgreich. Schon bei der zweiten flachte der Umsatz allerdings ab und ich hatte nie wieder solche Verkaufszahlen wie zu Beginn, nicht mal, als meine Neuauflage erschienen ist und ich auch noch mal die Marketingtrommel gerührt habe und ein 99 Cent Angebot hatte.

Mittlerweile betreibe ich sehr wenig Marketing. Nicht etwa, weil ich so gute Verkaufszahlen habe, sondern weil ich es einfach nicht mag mich selbst (vor allem in Facebookgruppen) zu bewerben. Ab und an schalte ich daher mal eine Anzeige, nehme an anderen Aktionen bei Facebook teil und freue mich natürlich sehr, wenn mich ein Blogger besprechen möchte (ja, meistens warte ich, dass sich jemand bei mir meldet. Anfragen stelle ich sehr selten). Meine Beobachtungen zurzeit sind: ich habe immer einige Verkäufe im Monat. Mit oder ohne Marketing. Das hat sich seit einiger Zeit nicht geändert. Bei einem Preisrabatt werden es mal ein paar mehr, aber so richtig ins Gewicht fallen tun auch die nicht mehr. Daher halte ich in letzter Zeit meinen Preis recht konstant. Aber ich gehe mal davon aus, dass meine Verkäufe noch mal ansteigen wenn Teil 2 kommt.

Wie bist du auf die Idee für deinen Fantasy-Roman Seelenfänger gekommen?

Ich mochte nicht, wohin sich die Vampire damals entwickelt haben. Prinzipiell finde ich Vampire geben tolle Charaktere ab. Sie können sehr alt werden oder sind unsterblich und trinken Blut. Beide Eigenschaften bergen so viel Konfliktpotenzial, wenn sie auf Menschen treffen, da kann man so viele spannende Handlungsstränge mit aufreißen, aber leider ist das vor einigen Jahren verloren gegangen. Die Vampire wurden weichgespült. Damit meine ich übrigens nicht, dass ich dafür bin, sie wieder brutaler und gewissenloser zu machen (wer meine Geschichte kennt, der weiß, bei mir sind die Vampire auch keine geifernden Raubtiere), ich meine einfach, dass ein Vampir durchaus andere Probleme haben darf, als „wie bekomme ich denn nun das Mädchen auf meiner Schule?“ Deshalb wollte ich mal eine andere Geschichte haben, die unterhält, aber auch zum Nachdenken anregt. Aus diesen ganzen Gedanken sind die Seelenfänger entstanden.

Hast du schon eine Ahnung, wann der zweite Teil der Reihe herauskommen wird?

Dieses Jahr. Komme, was wolle. Eigentlich wollte ich den Roman genau 2 Jahre nach Teil 1 veröffentlichen, also im Dezember 2016. Hätte ich toll gefunden: 2 Jahre später kommt Teil 2. Es sollte aber nicht sein und ich weiß, dass ich damit einige Leser enttäuscht habe. Das Schreiben ist aber ein Hobby und in Anbetracht meiner Verkaufszahlen, wird sich daran wohl vorläufig nichts ändern. Daher geht manchmal (so schwer mir das auch fällt) mein Job und mein Studium vor. Denn damit verdiene ich meine Brötchen und werde sie auch später verdienen. Außerdem haben mich 2016 ein paar finanzielle Schläge getroffen, so dass ich wohl eh nicht hätte veröffentlichen können, selbst wenn ich schneller mit meinem Manuskript gewesen wäre. Für Lektorat, Korrektorat und Marketing muss ich um die 1000 Euro einplanen, die hatte ich 2016 einfach nicht über. Von daher bleibt mir nur, mich bei meinen Lesern zu entschuldigen, in der Hoffnung, dass die Geschichte im zweiten Teil alles wieder wettmacht.

Wie war es für dich, als du mit deinem Debüt gleich für einen Leserpreis von LovelyBooks nominiert wurdest?

Das war toll! Ich habe mich total gefreut, denn ich bin niemand, der darum bittet, mich irgendwo zu nominieren oder vorzuschlagen. Deshalb hat mich das richtig glücklich gemacht.

Hast du eine große Community, die dich beim Bewerben deiner Veröffentlichungen unterstützt?

Nein, schön wäre es, aber nein. Auch hier fahre ich (was sicher nicht immer klug ist, dessen bin ich mir völlig bewusst) extrem auf Sparflamme. Ich bin einfach nicht der Typ, der Leute zusammenruft, die mich dann empfehlen oder so. Wer mich empfiehlt, macht das freiwillig und ich freue mich wirklich total, wenn ich irgendwo in einer Büchergruppe meinen Namen und den Titel meines Buches in einer Empfehlung lese. Ich habe nicht mal viele Verwandte oder Bekannte, die mir (hoffentlich ehrliche!) Rezensionen schreiben. Klar habe ich mein Buch damals dem einen oder anderen Bekannten geschenkt und darum gebeten, doch eine ehrliche Rezension abzugeben, aber die meisten haben das nicht gemacht. Betteln tue ich aber auch nicht. Ich weiß ja selbst, dass so was manchmal untergeht und bestimmt meinen das die meisten nicht böse, aber was ich eigentlich nur sagen wollte: nicht mal unter meinen Verwandten und Bekannten habe ich eine Community.

Dein Debüt hat im November relativ viele Rezensionen bei Amazon und LovelyBooks bekommen, hast du dafür eine Leserunde gestartet oder kamen die von ganz alleine

Die kamen nur teilweise alleine. Ich hatte im Oktober vergleichsweise gute Verkäufe, obwohl ich gar kein Marketing betrieben habe. Mit diesen Verkäufen kam die ein oder andere Rezension, worüber ich mich wirklich gefreut habe.

Die anderen Rezensionen verdanke ich Anna Moldenhauer und ihrer Facebookgruppe „Reziliebe“. Dieses Konzept, das Anna da durchführt, finde ich übrigens großartig. Als Autor kann man Anna anschreiben und sagen, wie viele Bücher (egal, ob Print oder eBook) man zur Verfügung stellen mag. Anna stellt dann irgendwann das Buch in ihrer Gruppe vor und Leser bewerben sich darauf. Anna legt die Zeit fest, wie lange die Leser für das Buch Zeit haben und steckt einen riesigen organisatorischen Aufwand hinein, das auch zu kontrollieren. Sprich, wenn einer nach der vorgegeben Zeit keine Rezension verfasst hat, hakt Anna nach. Schreibt jemand keine Rezensionen, erhält er keine Bücher mehr. Dieses Konzept finde ich fair und einfach klasse und ich danke Anna für die ganze Mühe, die sie sich macht.

Denn so haben die Leser zum Autor ein wenig Distanz und umgekehrt. Leser trauen sich so mal Kritik zu äußern und müssen nicht mit eingeschnappten Autoren hadern und Autoren müssen nicht Rezensionen nachrennen. Wenn ein Buch mal gar nicht gefällt, findet Anna eine Lösung und sie achtet darauf, dass die Rezensionen eine gewisse Aussagekraft haben. Diese Gruppe ist die effektivste Rezensionsgruppe, die ich bei Facebook bisher kennen gelernt habe, aber ich weiß, wie viel Arbeit darin steckt. Nicht jeder kann so eine Gruppe führen, für mich als Autorin hat sich dieses Konzept aber bewährt, ich hoffe sehr, dass ich dort auch meinen zweiten Teil vorstellen darf, wenn es so weit ist.

Bei dem zweiten Teil der Seelenfänger hast du aus meiner Sicht eine sehr interessante Methode verwendet. Du hast auf deiner Homepage geschrieben, dass du aufgrund der vielen Handlungsstränge die Geschichte nicht chronologisch entwickelt hast, sondern zunächst für jeden Hauptcharakter einzeln.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Aus der Not heraus. 😉 Zugegeben, das war nicht von Anfang an geplant. Der zweite Teil ist für mich als Autorin sehr komplex. Keine Sorge, kein Leser muss jetzt fürchten, eine Handlung serviert zu bekommen, durch die keiner mehr durchsteigt, aber ich als Autorin weiß ja, was und wen ich alles brauche, damit die Story spätestens am Ende gut aufgelöst wird. Und das ist dieses Mal schwer. Ich habe einige Charaktere, deren Schicksale und Entscheidungen sich verknüpfen, die aber zu Beginn an ganz unterschiedlichen Orten sind. Also habe ich die einzelnen Handlungsstränge runtergeschrieben, das war auch sehr förderlich bei schwierigen Charakteren, wie Vlad.   Diese Figur hat lange gebraucht, bis sie wirklich Formen angenommen hat, zumal ich viel über den echten Vlad gelesen habe und möglichst viel von diesen Informationen einfließen lassen wollte. Als ich endlich ein Bild von ihm hatte, wollte ich seine Szenen schreiben und mich nicht durch einen anderen Charakter unterbrechen lassen. Später habe ich dann gemerkt, dass das ein gutes Mittel ist, so habe ich mich nicht mit wichtigen Informationen verzettelt, weil meine Konzentration immer nur auf einen Charakter oder einer Gruppe lag.

Wie sah deine Planung dafür aus?

Am Anfang war nicht viel Planung nötig. Ich habe damit begonnen die Hauptcharaktere und Schlüsselfiguren hinunterzuschreiben, die meisten Nebenfiguren ergaben sich dann automatisch, da sie kaum Szenen alleine hatten. So lange Charaktere nicht aufeinandertrafen und / oder  irgendwelche Informationen von wem anderes brauchen, ging alles problemlos. Spätestens, als sich die Handlungsstränge verflochten, wurde es etwas komplizierter. Hier habe ich den Informatiker in mir raushängen lassen, indem ich im Text bunte Vor- und Nachbedingungen gesetzt habe. Zugegeben, da muss man erst mal durchsteigen, aber irgendwann hatte ich das ganz gut drauf. Ob das am Ende wirklich gut funktioniert hat, wird sich noch zeigen, aber ich bin da sehr zuversichtlich.

Vielen Dank für das Interview und den Einblick in deine Arbeit! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

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Hier findest du die anderen Interviews dieser Reihe: Erin fragt… Die Interview-Reihe

2 Gedanken zu “Erin fragt… Autorin Charlotte Da Silva

  1. margauxnavara schreibt:

    Ich lese unheimlich gerne Autoreninterviews, weil ich so einen Einblick in das Leben und Schreiben anderer Autoren erhalte. Man sitzt doch recht einsam hinter seinem Schreibtisch …
    Vielen Dank, Erin, für die guten Fragen des Interviews und an Charlotte für ihre aufschlussreichen Antworten.

    Gefällt 1 Person

    • erinjsteen schreibt:

      Ich freue mich sehr über dein positives Feedback zu dieser Kategorie. Mir macht es auch immer wieder Spaß einen Einblick in die Arbeit der anderen zu gewinnen und ich versuche jedes Mal andere Fragen zu stellen. Wenn du eine Frage hast, die du gern mal einem Autor stellen möchtest, schreib sie mir ruhig und ich flechte sie in eins der nächsten Interviews ein!

      Gefällt 1 Person

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