Deinen Entwurf editieren – was heißt das?

Wenn dein erster Entwurf steht, beginnt für dich die Phase des Editieren. Das ist etwas vollkommen anderes als das freie Schreiben, auch wenn du noch im gleichen Programm am gleichen Text sitzt wie zuvor.

Jeder Autor muss für jeden Prozessschritt seinen eigenen richtigen Weg finden, ich erzähle dir nun, wie es bei mir läuft/lief.

Du erinnerst dich, dass du während der Schreibphase am ersten Entwurf alle Ideen, die deinen Kopf geflutet haben, in dein Notizbuch abschieben solltest. Aufschreiben und dann erstmal vergessen, lautete die Devise, damit du dich nicht schon von Beginn an mit deinem inneren Kritiker herumschlagen musst. Heute kommt aber sein großer Tag.

Jetzt schlägst du dein Notizbuch auf und suchst dir all die tollen Ideen raus, die Änderungen an deinem Buch zum Thema haben. Du gehst deinen ganzen Entwurf noch einmal durch und änderst, was du auf dem Zettel hattest. Dabei wird dir noch das eine oder andere auffallen, was du auch noch ändern willst. Mach das. Nimm dir Zeit, lies kreuz und quer.

Das war der ganz grobe Teil. In meinem Roman mit dem Arbeitstitel #LiebesLeben hänge ich noch in genau der Schleife, weil ich viele Änderungen notiert habe und das Ding im Moment gut 400 Seiten hat.

Dann druckst du dir das ganze Manuskript aus und liest es von vorn bis hinten durch oder du machst das ebenfalls am Bildschirm.

Mir gefällt es sehr, wenn alles einmal auf Papier steht, denn auf einem Bildschirm mache ich ungern Notizen. Letztlich muss aber alles wieder in den PC zurück, was du an Notizen oder Änderungen machen willst. Drucken oder nicht drucken ist also eine absolut persönliche Entscheidung. Den ersten wollte ich unbedingt auf dem Papier sehen, aber den zweiten bearbeite ich seiner Länge wegen und des großen Umfangs an Änderungen komplett elektronisch. Das schont die Umwelt und spart mir Zeit. Es ist jedoch nicht das gleiche Gefühl wie auf Papier.

Ich habe übrigens auch schon Texte anderer Autoren testgelesen und früher auch lektoriert. Das sind alles Erfahrungen, die dir beim Überarbeiten eigener Text hilfreich sein können.

Mir ist es wichtig, dass ich mich für die Überarbeitung aus der Verteidigerrolle herausbewege. Ist etwas nicht verständlich, muss ich es umschreiben, denn dem späteren Leser kann ich auch nicht erklären, wie ich es gemeint habe. Das bedeutet manchmal, Dinge zu streichen oder zu ändern, die du beim Schreiben total toll gefunden hast. Manch einem gelingt das nur sehr schwer, vielleicht solltest du einen Testleser einsetzen, wenn du damit Probleme hast. Sonst empfehle ich, die Testleser erst später an den Text zu lassen.

Wie also vorgehen? Worauf achten? Was tun?

Beim Lesen könntest du noch auf Ungereimtheiten stoßen, deine Story hat vielleicht noch irgendwo einen Bug. Mach dir eine Notiz an die Seite. Markiere alles, was dir auffällt. Vergiss nicht, dir auch die echt guten Sachen zu markieren, das ist gut, wenn du vor lauter kritischen Bemerkungen die Motivation verlierst. Außerdem kannst du dir an diesen Stellen für andere ein Beispiel nehmen.

Prüfe die wesentlichen Punkte:

  • Blickwinkel (hast du deine Erzählperspektive eingehalten?)
  • Logik (stimmen Ursache und Wirkung, gibt es Anschlussfehler?)
  • Konsistenz (sind die Handlungen der Figuren und ihr Ton passend?)

Falls du dein Buch nicht detailliert geplant hast, ist jetzt dafür der richtige Zeitpunkt erreicht, damit du alle Storyfäden in der Hand behältst. Wie wäre es mit einem Szenenplan? Je nach Geschichte kannst du vollkommen unterschiedliche Dinge benutzen. Inventarlisten, Charakterprofile, Mindmaps, …

Dann kommt die nächste Überarbeitung, die Stilanalyse:

  • Füllwörter?
  • Adjektive/Adverbien?
  • Wortwiederholungen?
  • Satzlänge?
  • Dialoge?

Mein Schreibprogramm Papyrus hat dafür eine Funktion. Die Stilanalyse kreidet mir gnadenlos alles von allein an, wenn ich sie scharf schalte. Ich muss mir dann „nur“ noch überlegen, ob und wie ich die Stellen ändern will.

Erst danach solltest du aus meiner Sicht deinen Text einem Testleser geben. Der schaut mit einem anderen Auge darauf als du und das ist wichtig. Falls du bei den ersten Prüfungen schon Testleser in Anspruch genommen hast, solltest du nun andere wählen, die deine Geschichte noch nicht kennen.

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Was danach kommt, erzähle ich dir, wenn meine ersten Testleser mit Martins Hütte fertig sind!

11 Gedanken zu “Deinen Entwurf editieren – was heißt das?

  1. Vanessa Glau schreibt:

    Schöner Überblick, auch wenn mir vieles davon nicht unbedingt neu war. 🙂

    Eine Frage: Wie entscheidest du, ob du zB eine Szene nur umschreibst oder komplett neu schreibst? Hast du manchmal verschiedene Versionen einer Szene, damit du dann die beste herauspicken kannst? Ich habe das bei einem anderen Autor gelesen und bin jetzt neugierig, was du davon hältst.

    Gefällt 1 Person

    • erinjsteen schreibt:

      Nein, du hast natürlich recht, das Rad erfinde ich hier nicht neu. 😀Du schreibst ja auch schon eine Weile und hast ja bestimmt schon eigene Texte überarbeitet.
      Verschiedene Versionen einer Szene schreibe ich nie. Wenn mir die erste Version nicht stimmig erscheint versuche ich es erst mit umschreiben. Wenn das nicht hilft, schreibe ich alles neu. Also im Grunde ganz einfach.

      Gefällt mir

      • Vanessa Glau schreibt:

        Nun ja, es gibt natürlich einen Unterschied zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung … aber da hilft wohl nur Übung.

        Aha, so machen es wohl die meisten. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es hilft, wenn ich noch nicht genau weiß, was mit der Szene nicht stimmt.

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      • erinjsteen schreibt:

        Den Unterschied gibt es immer! Ganz egal wie viel Übung du hast, wirst du wohl nie alles anwenden können, was du theoretisch weißt, denn du lernst ja immer noch mehr…
        Es gibt ja diesen Tipp, für Szenen die nicht funktionieren, das komplette Setting zu wechseln, da könnte ich mir auch vorstellen, dass mehrere Versionen sinnvoll sind. Den Tipp habe ich aber noch nie so wirklich umgesetzt. Das kommt bestimmt noch irgendwann mal.

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  2. minicela schreibt:

    Hey Erin,

    du hast ja Papyrus. Ich wollte nur gerne fragen, ob du oft die Vorschläge bzgl. Füllwörtern etc. nutzt. Und wie du da am besten kritisch ran gehst.
    Ich habe mir mal die Demo runtergeladen und bin so ganz baff davon. Meine Lesbarkeit ist super (freu), aber ich habe einige Füllwörter dabei die ich aber wirklich brauche um halt Übertreibungen auszudrücken.
    Und es wäre echt toll, wenn du vllt. etwas dazu sagen könntest, z. B.: wie du dazu stehst.
    Ich schreibe zwar viel und gerne, aber ich liebe Füllwörter :D, denn sie sind so wichtig bei Übertreibungen. Seufz.

    Lieben Gruß
    Cela

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    • erinjsteen schreibt:

      Hey, meine kurze Antwort auf deine Frage lautet, ja ich schaue mir das an. Aber je nach Erzähler lasse ich einiges davon drin. Meistens gibt es aber trotzdem viele zu streichen… wie bei den meistens Tipps zu gutem Stil gilt auch bei Füllwörtern, dass man sie nur bewusst einsetzen sollte, aber eben nicht unbewusst. Dabei hilft dir Papyrus, weil es dich dazu zwingt, dich damit auseinanderzusetzen…

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      • minicela schreibt:

        Ich muss leider nur gestehen, dass ich meine eigenen Schreibfehler so schlecht sehe. Bei Anderen gibt es kein Problem. Haha xD. Aber ich bin irgendwie arbeitsblind, daher muss ich das Programm holen. O.O
        Mein Männchen will mir das vllt. zum B-Day schenken. 😊 Diese Socke.

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      • erinjsteen schreibt:

        Das ist toll. Ich würde es auch nur bei kurzen Texten per Hand machen wollen. Einen Testleser ersetzt aber „leider“ auch Papyrus nicht. Ich finde Papyrus hat einen fairen Preis für das, was es leistet! Ist ein gutes Geburtstagsgeschenk 🤗

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      • minicela schreibt:

        Gut, ich habe paar Testleser, aber diese sind auch eher Laien. Sie mögen es, dass sie regelrecht „durchfliegen“ können beim Lesen, aber so viele Füllwörter und Fehler finden sie leider nicht.
        Danke dir! 😃
        Und frohes Neues wünsche ich dir

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