Wie du das perfekte Coverdesign findest: Fantasy Teil 1

In diesem Beitrag geht es darum, die Regeln zur Covergestaltung in einem bestimmten Genre kennenzulernen. Hier erkläre ich die Grundlagen dieser Beitrags-Reihe:

Wie du das perfekte Coverdesign findest

Eine Mini-Abstimmung bei Facebook hat ergeben, dass ich mich in dieser Woche um die Cover im Genre Fantasy kümmere.  Nun gut, das mache ich doch gerne. Immerhin lese ich in dem Bereich auch einiges. Die schiere Masse an unterschiedlichen Subgenres ist allerdings so groß, dass ich den Artikel aufteilen musste.

Eingangs muss ich noch erwähnen, dass die Cover in diesem extrem breiten Genre zwar teilweise Gemeinsamkeiten aufweisen, es aber keine generellen genretypischen Regeln gibt. Viel eher muss man sich hier am jeweiligen Inhalt des Buches orientieren (was bei Thriller und Krimi weniger der Fall war).

In diesem Genre haben wir es sehr häufig mit Reihen zu tun, bei denen verwandte Cover gewünscht sind. Hier werden häufig Farbvariationen eingeplant, weshalb bei jedem Teil meist eine Hauptfarbe dominiert. Die Hauptfarbe gibt uns hier also wenig Aufschluss über den Inhalt.

Weil im Genre Fantasy eben der Fantasie keine Grenzen gesetzt werden, gibt es hier auch alle möglichen Spielarten von fantastischen Geschichten. Es gibt Jugendfantasy, Romantic Fantasy, High und Low Fantasy (unterschieden wird nach dem Umfang des World Building), Urban Fantasy, Vampire, Werwölfe, Gestaltwandler, Zauberer und und und…

Sie alle kann man im besten Fall einfach am Cover unterscheiden.


Beginnen wir zum Aufwärmen mal mit einigen Bestsellern:

Erstmal können wir festhalten, dass es sich bei allen in dieser Reihe befindlichen Büchern um Teile einer Serie oder Reihe handelt. Deshalb können wir der Farbe des Covers eine untergeordnete Wichtigkeit zuordnen – die neuen Harry Potter Cover haben jeweils eine dominierende Farbe, genauso auch bei der Colors of Life-Reihe von Mella Dumont. Die einzelnen Teile der Bücher der Erinnerung-Reihe von Rose Snow sind blau, grün und rot. Die Romane der Eis und Feuer-Reihe haben auch jeweils eine zweite Farbe neben dem Pergament-Look des restlichen Covers.

Mit dem Pergament-Look sind wir schon bei dem ersten Hinweis auf den Inhalt. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber bei Pergament denke ich an etwas historisches. Dies wird unterstützt durch das Wappen, das Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe signalisiert. Es ist also anzunehmen, dass es in der Reihe um verschiedene (konkurrierende) Gruppen in einem historischen Ambiente geht. Mehr verrät mir das Cover leider erstmal nicht. Die Schrift hat Serifen und wirkt relativ schlicht. Ich bekomme keinen echten Hinweis auf Schlachten, allerdings trägt das Wappen einen Helm. Und das ausschweifende Sexualleben der Protagonisten wird auch nicht sichtbar, aber na gut, das werde ich beim Lesen sicher früh genug bemerken. (Oder ist das nur in der filmischen Adaption so drastisch?)

Die Colors of Life-Reihe und die Bücher der Erinnerung-Reihe scheinen sich dennoch eher an weibliches Publikum zu richten, obwohl ich die Farbe ja eben „unwichtig“ genannt habe. Dennoch sind beide Hintergründe etwas verspielter bzw. verschnörkelter. Die Reihe von Mella Dumont erzählt mir leider nicht viel über das Cover. Ich sehe den Mond und denke an Gestaltwandler bzw. Werwölfe. Ob ich damit richtig liege, kann dir nur die Inhaltsangabe der Bücher erzählen. Die Schrift ist verspielt und ich könnte mir vorstellen, dass sich auch jüngeres Publikum davon angesprochen fühlt, obwohl es kein Jugendroman ist. Die Bücher der Erinnerung scheinen ein Geheimnis im Zentrum zu haben, weil die 1 der 17 auf dem Cover durch einen Schlüssel ersetzt wird. Glücklicherweise erhalten wir mit der Unterüberschrift von Teil 1 einen weiteren Hinweis darauf, was es mit dem Schlüssel auf sich hat.

Harry Potter und der Stein der Weisen. Anhand des Covers gehe ich jetzt mal davon aus, dass die Eule das zentrale Element in diesem Buch ist und vermutlich demnächst vom Blitz getroffen wird… oder auch nicht. Wer es gelesen hat, im Kino oder TV gesehen hat oder oder oder, der weiß es und wer es nicht weiß, hat vermutlich auf einem Baum geschlafen. Ich finde dieses neue Cover nicht besonders passend für eine Buchreihe, in der es um Zauberschüler geht, die gegen einen bösen Magier kämpfen. Ohne das Buch gelesen zu haben, kann man mit dem Cover nicht wirklich etwas anfangen. Selbst wenn man die Geschichte gut kennt, ist dieses Motiv doch eher nichtssagenden. (ich schmeiße jetzt 50 Cent in das Glas für eigene Meinung – denn die wollte ich hier eigentlich heraushalten) Was wir dennoch im Schriftbild ganz klar sehen ist, dass der Coverdesigner zu 99% auf den Namen Harry Potter als Verkaufsargument gesetzt hat – natürlich ist das der Name des Protagonisten, jeder kennt ihn und wir kaufen die Bücher auch deshalb, es funktioniert also.

Die nächsten vier Bücher, die ich bei Amazon ausgewählt habe (ebenfalls ziemlich weit oben auf der aktuellen Bestsellerliste).

Wir erkennen bei allen vieren relativ deutlich, dass sie sich vorwiegend an weibliches Publikum richten. Der Warrior Lover, von dem ich übrigens bis heute noch nichts gehört habe, scheint eher eine urbane Lovestory zu sein. Knutschende Pärchen sind dafür ein klares Indiz. Unten ist auf dem Cover eine Skyline zu erkennen, daher wohl urban. Die Schrift erinnert ein bisschen an ein Röhrensystem, den Autorennamen kann ich im Kleinformat überhaupt nicht erkennen, vermutlich ist es also kein/e bekannte/r Autor/in. Das Foto des Pärchens ist mit verspielten Farbverläufen eingebunden. Was die Geschichte im Bereich Fantasy macht, konnte ich mir anhand des Covers nicht erklären. Wie eingangs erwähnt, ist das Genre sehr breit gefächert. Vielleicht deuten die Farbverläufe Magie an, aber aus dem Klappentext ging das für mich auch nicht hervor.

Die Cover von Morgentau und Aschenkindel haben beide jeweils eine Frau in einem hübschen Kleid auf dem Titel. Ich denke dabei grundsätzlich sofort an Prinzessinnen. Licht- bzw. Blumeneffekte unterstreichen den romantischen Anstrich der Cover. Auch hier sind die Namen des Autorinnen ziemlich klein geschrieben, stehen also nicht im Vordergrund. Die Schriften, die für den Titel gewählt wurden erinnern an schöne Handschriften (bei Aschenkindel zumindest im zweiten Teil des Titels). Bei Aschenkindel handelt es sich um eine Adaption des Märchens Aschenputtel bzw. Cinderella, aus diesem Grund ist vermutlich auch der Name im Teil der Abwandlung durch verschiedene Schriftarten optisch vom „Original“ getrennt.

Mond Silber Licht gehört ebenfalls zu einer Reihe, deren Cover sich stark ähneln. Wir sehen hier auf dem Cover den Mond, Schnörkel, Schlüssel, Bäume und Vögel. Ich vermute also, dass wir es wieder mit einem Geheimnis zu tun haben und die Natur eine Rolle spielt. Bei dem Mond denke ich wieder an Gestaltwandler, aber vielleicht ist das alles nur in meinem Kopf so verdrahtet. Das Cover hat eine dunkle Vignette, weshalb der Mond optisch eine Art Lichtung suggeriert – da „Licht“ auch im Titel enthalten ist, wird dieses Thema wohl im Buch eine Rolle spielen.

So viel also zum Einstieg in dieses Genre, wobei wir uns einige Subgenres noch gar nicht angesehen haben (mit 8 Büchern kann man auch noch lange nicht das ganze Genre abdecken 😉 ). Kommen wir zu den Ähnlichkeiten:

Es ist so offensichtlich, oder? Hier haben wir einige Bücher, die mindestens teilweise zu Reihen gehören, der Hauptfarbe wird deshalb wieder keine große Rolle beigemessen. 3 Mal haben wir eine mehr oder weniger lasziv dreinblickende Frau auf dem Cover. Zweimal einen Mann, der eine hat nicht einmal einen Kopf. Also hier geht es mehr um Körperliches, nicht wahr? Wir bewegen uns definitiv nicht im Bereich Jugendfantasy.

Alle Cover zeigen eine düstere Welt (schwarze Federn, Fledermäuse, Vögel und viel Zwielicht). Die Schrift neigt zu Serifen, zumindest ein Teil der Schrift in jedem Cover hat Serifen. Im Allgemeinen dient die Schrift bei diesen Covern dazu, die Personen optisch von der Weltdarstellung zu trennen. Bei Lara Adrian finden wir die Vögel als verbindendes Element sowohl oberhalb als auch unterhalb der Schrift.

Wilde Umarmung deutet kein urbanes Setting an. Endlich habe ich einen deutlichen Hinweis auf Gestaltwandler gefunden, denn der Mann hat doch bitte nicht zufällig einen Tierfell-Print auf der Schulter, oder? Und der Hintergrund zeigt mehrere Bäume. Auch Abgrund der Sehnsucht zeigt einen Baum, statt der üblicheren Stadtansicht. 3 der 6 Cover zeigen den Mond, das haben wir jetzt schon so oft gesehen, dass es sich um ein typisches Element handeln muss.

Auffällig bei dem Black Dagger-Roman ist, dass der Autorenname eine optische Einheit mit dem Reihennamen bildet. Er gehört damit eindeutig zur Marke. Im Kontrast dazu steht der Autorenname auf dem Cover von Engelssturm. Er sieht nicht zur restlichen Schrift zugehörig aus.

Paradoxerweise ist die Frau bei dem Black Dagger Roman vom Mond (also der Umwelt) durch ein Fenster getrennt, doch die Fledermäuse sind auf ihrer Seite des Bildes. Was wollte mir der Künstler wohl damit sagen? Ein Zufall, der dem Konzept der Serie geschuldet ist? Hat jemand diesen Roman gelesen und kann mir sagen, was die Fledermäuse in ihrem Schlafzimmer machen?

Weiter geht es im zweiten Teil!

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4 Gedanken zu “Wie du das perfekte Coverdesign findest: Fantasy Teil 1

  1. Vanessa Glau schreibt:

    Interessante Vorstellung – da dieser Artikel der erste ist, den ich (abgesehen von der Einführung) aus deiner Cover-Reihe lese, habe ich vorher nicht gewusst, wie du die einzelnen Genres unter die Lupe nimmst, und hätte ein etwas größeres Fazit erwartet. Aber eigentlich ist das so ganz schön, man kann sich bei Interesse weitere Cover ansehen und eigene Schlüsse ziehen. Zumindest habe ich darauf Lust bekommen …

    Was die Fledermäuse betrifft, ich muss dabei sofort an Vampire denken. Dass sie nicht vor dem Fenster fliegen, könnte darauf hindeuten, dass die (passend laszive und leicht bekleidete) Frau selbst eine ist. Aber das sind nur Vermutungen, ich habe das Buch auch nicht gelesen.

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    • erinjsteen schreibt:

      Eine Art Fazit gibt es schon noch, aber eben erst im nächsten Teil. Das Genre ist zu umfangreich für einen einzelnen Beitrag bei der für mich üblichen Länge. Aber klar ist, dass es in keinem Genre eine Zauberformel für ein gelungenes Cover gibt. Inhalt und Aufmachung müssen eben zusammenpassen.

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      • Vanessa Glau schreibt:

        Ah, muss ich wohl überlesen haben (oder Kurzzeitgedächtnis …). Dann bin ich mal gespannt. Aber du hast schon Recht, wenn du sagst, bei den vielen Untergenres gibt es eher wenige Gemeinsamkeiten, das sehe ich auch so.

        Gefällt 1 Person

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