Erin fragt… Autor Richard Stieglbauer

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Der 1969 geborene Richard Stieglbauer lebt in Niederbayern, hat eine Ausbildung zum Tischler gemacht und arbeitet heute in einem Fensterbaubetrieb als Technischer Angestellter.

Zum Schreiben kam er nicht wie viele Autoren bereits in seiner Jugend, sondern erst im Erwachsenenalter. Auch das Lesen entdeckte er erst spät für sich. Der vielseitige Familienvater schreibt nicht nur in seiner Freizeit, sondern joggt auch, fotografiert und singt in einem Chor für Neugeistliche Lieder.

Sein Debüt, das Jugendbuch  Der Amuramidolch, erschien im September 2016 und ist als Taschenbuch, Hardcover und eBook verfügbar.

Aktuelle Informationen und eine Leseprobe zu seinem Buch findest du auf seiner Homepage.

Beschreib doch bitte dein Buch „Der Amuramidolch“ in einem Satz.

cover-e-book-neuAnnika muss mit ihrer Freundin Alina in einer fremden und fantastischen Welt gefährliche Abenteuer bestehen und immer wieder ihre Schwächen überwinden, damit sie die Aufgaben und Erwartungen, die vor ihr liegen, bewältigen zu kann.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dieses Buch zu schreiben?

Der Gedanke, ein Buch zu schreiben, ist eigentlich ganz spontan entstanden. Da ich selbst gerne Fantasy lese, kam es mir in den Sinn, auch mal als Autor tätig zu sein. Und da ich in meiner Geschichte immer wieder eine Fortsetzung fand, entstand daraus ein fertiges Manuskript, das ich dann auch veröffentlichen wollte.

Hast du vorher schon einmal ein ähnliches Projekt in Angriff genommen?

 Ich verfasste mal ein Sachbuch über Kleindenkmäler in meiner Gemeinde. Darin beschrieb und fotographierte ich alle vorhandenen Kapellen, Wegkreuze und Bildstöcke und führte, wenn vorhanden, die Geschichte zum Grund ihrer Errichtung auf.

Wie bist du an das Schreiben des Romans herangegangen?

Zuerst musste natürlich ein Thema gefunden werden. Das hatte ich eigentlich relativ schnell bestimmt. Danach ging es an den weiteren Aufbau und die Entwicklung der Geschichte. Da hatte ich schon mehr Probleme und fand auch keine zufriedenstellende Lösung. Trotz allem begann ich dann doch mit meiner Geschichte und während des Schreibens kamen mir immer neue Ideen, wie die Story weitergehen soll, die Konflikte, die Nebenschauplätze…

Also vereinfacht gesagt, das Grundgerüst, welches laut diverser Ratgeber eigentlich schon zu Anfangs stehen sollte, entwickelte ich erst mittendrin.

Du bist also eher ein Discovery Writer, wie ich aus deiner Antwort lese, welche Hürden gab es dadurch in deinem Schreibprozess?

Ich bin hier nicht auf „Hürden“ gestoßen, dass wäre zu dramatisch ausgedrückt. Bei Entdeckungen weiß man nie, was man findet, sprich, ob es zur Story passt oder nicht. Natürlich hatte ich auch Ideen, die von vorherein nicht zu verwenden waren, aber die Grundrichtung war ja bereits durch das bisherige Manuskript einigermaßen vorgegeben, so dass ich immer schnell wusste, ob meine Idee umzusetzen war oder nicht. Trotzdem bestand aber die Gefahr, vom eigentlichen Thema abzuschweifen und vor allem, dass die Geschichte nicht mehr schlüssig ist und ich mich in Widersprüche verstricke. Aber Letzteres trifft wahrscheinlich auch auf andere Methoden zu, einen Roman zu schreiben.

Wie gestaltest du deine Figuren und was tust du damit sie glaubwürdig sind?

Sie sollen ganz natürlich erscheinen und eben auch zum Thema und zur Strukturierung der Geschichte passen. Ich versetze mich in die jeweilige Rolle hinein und versuche dann der Gesinnung meiner Figur entsprechend zu agieren. Glaubwürdigkeit erreiche ich damit, das Wesen der Figuren dem Leser näher zu bringen. Egal ob Hauptprotagonist, Gegenspieler oder Nebenfigur, ich versuche immer deren Gefühle, Schwächen, Stärken und persönliche Eigenheiten darzustellen. Damit wirkt die Geschichte lebendig und die Figuren verkümmern nicht nur zu Statisten.

Wie wählst du dein Szenensetting aus?

Also die Umgebung einer Szene stelle ich immer sehr detailliert da. Erstens kann man sich als Leser dadurch mehr vorstellen und in die Geschichte eintauchen und zweitens ist das auch wieder eine Möglichkeit, der Geschichte mehr Authentizität zu verleihen.

Bist du immer im gleichen Tempo vorangekommen oder gab es auch Phasen, in denen das Schreiben zäh und aussichtslos erschien?

Ich machte mir beim Schreiben keinen Zeitdruck. Wenn ich Zeit hatte, dann schrieb ich und wenn Anderes wichtiger war, machte ich eine Pause. Es war natürlich auch manchmal so, dass ich eine Stunde vor dem Schreibblock saß und nicht mal eine Seite zustande brachte. Dann hieß es aufhören damit, denn an solchen Tagen war nichts Brauchbares mehr zu erwarten, auch wenn ich noch mehrere Stunden damit verbracht hätte. Nach ein paar Tagen Wartezeit war ich wieder erfolgreicher und hatte dann nach einer Stunde drei oder vier Seiten geschrieben. Es war immer unterschiedlich und ich wollte auch nichts erzwingen.

Welche Schritte hast du unternommen als dein Manuskript erstmals das Wort „Ende“ in der letzten Zeile trug?

Zuerst war da eine Innere Freude, endlich das Manuskript fertiggestellt zu haben. Aber das war ein Trugschluss, denn ich war damit noch lange nicht fertig. Jetzt begann die Überarbeitung, ob die Story thematisch, örtlich und zeitlich stimmig war, die Einhaltung der Erzählperspektive, die Vermeidung von Wiederholungen und immer wieder das Korrekturlesen! Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich alles durchgelesen habe, aber da muss man eben durch.

Wie viele Menschen haben dein Buch gelesen, bevor du es veröffentlicht hast?

Ich wählte mir bewusst Personen aus, die ich vorher nicht oder nur wenig kannte, denen ich mein Manuskript zum Probelesen gab, denn bei näher Bekannten oder Freunden gibt es immer den Freundschaftsbonus, der meistens eine unvoreingenommene Kritik verhindert. Insgesamt waren es etwa 6-8 Personen.

Was hast du beim Erstellen deines Romans gelernt und was wirst du beim nächsten Mal anders machen?

Gelernt habe ich, wie schon beim Punkt zuvor angeschnitten, dass man einen Roman auch schreiben und fertigstellen kann, in dem man nicht all die Vorgaben und Ratschläge befolgt, die einem in so manchen Foren als unbedingt Einzuhalten empfohlen werden. Das bezieht sich sowohl auf die Art und Weise wie man schreibt, als auch auf den Inhalt. Einfach dem eigenen Stil folgen und sich nicht beirren lassen. Anders ausgedrückt: Sein Bestes geben und den Rest Gott erledigen lassen.

Grundsätzlich würde ich nichts anders machen, ich bin mit meinem Buch zufrieden und so wie es ist, ist es gut. Offene Kritik über mein Buch habe ich zwar noch nicht erhalten, aber ich vergleiche Romane immer mit der Kunst: einem gefällt es, dem anderen nicht und ist in meinen Augen sowieso nur subjektiv zu beurteilen.

Auch wenn du dazu rätst einen eigenen Weg zu gehen, gibt es dennoch einen Schreibtipp, den du anderen geben würdest?

Wie schon eben angesprochen, nicht krampfhaft irgendetwas schreiben, nur um schneller fertig zu werden, sondern die Geschichte „reifen“ lassen. Mal etwas Abstand gewinnen, alles sacken lassen und dann wieder einen neuen Versuch starten. Es nützt nichts, unausgewogene Passagen zu Papier zu bringen, um sie später dann wieder aufwändig umzuarbeiten. Gut Ding will Weile.

Ich danke dir für den detaillierten Einblick in deinen Arbeitsprozess und wünsche dir noch viel Erfolg mit deinem Roman und allem, was noch folgen mag.

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Hier findest du die anderen Interviews dieser Reihe: Erin fragt… Die Interview-Reihe

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