Erin fragt… Autorin Susanne Förster

susanne_foerster-fotoSusanne Förster, geboren 1984 in Salzburg, hat bereits mit 12 Jahren begonnen zu schreiben. Mit ihrem ersten Fantasyroman „Die Lichtbinger von Enés“ hat sie sich aber Zeit gelassen bis sie 31 wurde. Die Rezensionen zu dem Buch bescheinigen ihr eine sehr ausgereifte Schreibweise. Dies hat sie vielleicht auch dem Umstand zu verdanken, dass sie ihre Werke bereits früh in einer Literaturplattform vorgestellt hat.

Wenn sie nicht selbst gerade schreibt, geht sie ihrem Hauptberuf als Buchhändlerin nach. Ein spannendes Betätigungsfeld für jemanden, der selbst Bücher schreibt. Sie kennt den Buchmarkt daher von beiden Anbieterseiten und wird uns auch hier einen kleinen Einblick gewähren.

Wenn du mehr über Susanne erfahren willst, findest du auf ihrer Facebook-Seite regelmäßig neue Infos.

Warum hat dein erster Roman so lange auf sich warten lassen?

Ich habe zwar immer „irgendwas“ geschrieben, aber das war nichts, was sich hätte verkaufen können. Ich habe ohne Plan drauflos geschrieben und geschaut, wo mich die Geschichte hinführt. Das endete manchmal nach zwei, manchmal nach 24 Seiten und diente eher dazu, die Stimmen in meinem Kopf dazu zu bewegen, die Klappe zu halten. Ein paar der Geschichten waren FanFictions (auch wenn ich den Begriff damals noch nicht kannte), andere ganz eigenständige. Letztere habe ich mit 14 auf einer kleinen Literaturplattform hochgeladen, die leider nicht mehr existiert. Die drei Jahre dort, und auch auf zwei ähnlichen Plattformen, waren eine super Erfahrung in Bezug auf Kritik und Durchhaltevermögen beim Schreiben.

Danach kamen „richtige“ FanFictions, weil ich mich während des Studiums nicht wirklich auf etwas „sinnvolles“ konzentrieren konnte und gerade entdeckt hatte, was FanFictions sind. Ein paar Jahre lebte ich hauptsächlich in der Welt von „Harry Potter“ und den „drei Fragezeichen“. Und einige der Geschichten lese ich sogar immer noch gern.

Anfang 2013 habe ich mich dann ernsthaft mit dem Schreiben und damit auch der Möglichkeit einer Veröffentlichung beschäftigt. Hier verdanke ich einen großen Teil dem Team vom „Schreibwahnsinn“, das über den Sommer einen NaNoWriMo-ähnlichen Schreibmarathon ins Leben gerufen hatte. Da habe ich mich erstmals wirklich mit dem Handwerk hinter den Geschichten beschäftigt, ein Projekt detailliert geplant und recherchiert. Entstanden sind so um die 40.000 Wörter einer Geschichte, die hoffentlich irgendwann noch das Licht der Welt erblickt.susanne_foerster-cover

Nach dem Erfolg des Wörtchens „Ende“ unter
einer richtig langen Geschichte (also mehr als 24 Seiten), schrieb ich im NaNoWriMo 2013 die Rohfassung von „Die Lichtbringer von Enés“, und fast anschließend die Geschichte, die im Herbst 2017 bei Oetinger34 erscheinen wird. (Leider ist der Titel noch nicht fix, sonst würde ich euch den natürlich verraten!)

Inspiriert durch den Erfolg anderer Jungautoren, über die ich vor allem auf Facebook gestoßen bin, überarbeitete ich beide Projekte, gab sie Menschen zu lesen und wagte schließlich den Schritt, sie an einen Verlag zu schicken. Leider bekam ich für beide eine Absage, für die ich im Nachhinein aber sehr dankbar bin.
Dann ging es in die nächste Recherche-Phase: Selfpublishing. Im Herbst 2015 kamen endlich die „Lichtbringer“ heraus.

Zeitgleich lief auf Oetinger34 (wo ich mich eigentlich ohne Aussicht auf Erfolg angemeldet hatte) die Arbeit an dem zweiten Projekt. Nach einigen Hürden konnte ich es zum Herbstvoting 2015 einreichen und schaffte es dort nicht nur in die Top Ten, sondern wurde auch vom Lektorat ausgewählt, in einer der nächsten Editionen zu scheinen. Das wird im Herbst 2017 der Fall sein. Im Moment stecken wir noch mitten im Lektorat, aber ich kann es nicht erwarten, dieses „Baby“ in Händen zu halten! Mein 12jähriges Ich, das an Papas PC mit zwei Fingern seine erste Geschichte geschrieben hat, wird sich wahrscheinlich nicht mehr einkriegen, das kann ich euch versprechen!

Du verkaufst dein Buch sowohl bei Amazon als auch bei Thalia. Dadurch kannst du nicht an der Kindle-Leihbücherei teilnehmen.

Verkaufst du bei dem einen deutlich mehr als bei dem anderen oder hält sich das etwa die Waage?

Bei meinen anfänglichen Recherchen zum Selfpublishing kannte ich nur die Möglichkeit über Amazon. Aber nachdem ich mich ein bisschen damit beschäftigt hatte, war mir das eindeutig zu einengend. Ich wollte die Möglichkeit eines gedruckten Buchs, das es auch in Buchläden zu kaufen gibt. Dass man dort Selfpublishern nicht gerade mit offenen Armen begegnet, wusste ich nicht, aber ich hätte wahrscheinlich trotzdem nichts anders gemacht.

Deshalb würde ich auch jetzt wieder den Weg über BoD gehen und mich nicht nur auf Amazon und CreateSpace verlassen. Auch, weil sich die Verkaufszahlen wirklich die Waage halten und ich die breit gestreuten Vertriebsmöglichkeiten mag.

Hast du die Möglichkeit, dein eigenes Buch auch bei der Arbeit zu verkaufen?

Nein, leider kann ich mein Buch nicht über unsere Buchhandlung verkaufen. Beziehungsweise nur auf Bestellung. Auf den Traum, mein Buch in einem Regal zu sehen, muss ich leider noch ein kleines bisschen waren. Was eben wieder an der Scheu der Buchhandlungen an Selfpublishern liegt. Schade, aber für mich nur ein Ansporn, bei einem Verlag unterzukommen. Was ja schließlich – wenn auch anders als erwartet – passiert ist.

Was glaubst du, lässt den stationären Buchhandel so sehr davor zurückschrecken mit Selfpublishern zusammenzuarbeiten?

Die Ungewissheit. Wenn man Bücher von Verlagen bestellt, kauft man schon ein Stück weit den Erfolg mit ein. Immerhin kann man sicher sein, dass die Bücher professionell aufgezogen wurden (Lektorat, Cover etc.) und vielleicht auch schon in anderen Ländern erfolgreich waren. Und wenn die Autoren dann noch einen bekannten Namen haben, umso besser.

Bei Selfpublishern ist das alles – zumindest für den Laien – nicht vorhanden: Die Geschichte hat irgendjemand unbekanntes „hingerotzt“, von Lektorat und Korrektorat haben die Autoren noch nie was gehört, und auch das Cover wurde mal eben schnell selbst in Paint zusammengestöpselt.

Da kann es egal sein, dass es eine Hand voll sehr erfolgreicher Selfpublisher gibt; die sind ja die Ausnahme (und landen ja auch nicht selten bei großen Verlagen). In den Augen des Buchhandels ist es ein Risiko auf so unbekannte Neulinge zu setzen, wenn man doch mit einer Joanne K. Rowling oder einem Sebastian Fitzek das Geld quasi schon in der Kasse klingeln hört.

Mittlerweile gibt es in Deutschland zumindest erste Läden, die ausschließlich Bücher von Selfpublishern anbieten. Meinst du der Markt wird sich in Zwei-Klassen-Buchläden aufspalten oder werden die klassischen Buchhändler sich irgendwann freiwillig den Selfpublishern öffnen?

Nein, das glaube ich nicht. Ich finde es toll, dass es so Mutige gibt, die den Selfpublishern so eine Chance geben, wo es der klassische Buchhandel meistens nicht tut. Ich hoffe, dass der klassische Buchhandel irgendwann aufwacht und erkennt, dass es auch unter Selfpublishern Autoren gibt, die sich ernsthaft mit ihrem Handwerk auseinandersetzten und ihre Werke so professionell und qualitativ hochwertig aufziehen, wie es ihnen (finanziell) möglich ist. Langsam aber sicher werden es die Selfpublisher auch in traditionelle Buchhandlungen schaffen. Das dauert wohl noch ein bisschen, aber irgendwann wird hoffentlich die Hemmschwelle nicht mehr so groß sein.

Ein Buch mit einem Verlagslogo wird wahrscheinlich immer als „hochwertiger“ und „besser“ angesehen werden als eines ohne, aber solange es für die Selfpublisher andere Wege gibt, ihre Werke an die Leute zu bringen, ist das in Ordnung, finde ich. Es läuft viel über Mundpropaganda und wenn nur ein paar Fans eines Selfpublishers mal in den heimischen Buchhandlungen nach eben diesen Büchern fragen, wird es irgendwann in das Bewusstsein der Buchhändler sickern, dass auch dort Qualität zu finden ist.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Selfpublishing gewesen?

Das „Drumherum“. Die Geschichte lag fertig in der Schublade, aber sie will auch formatiert werden. Wie soll das aussehen? Wo krieg ich ein Cover her? Wie soll das überhaupt aussehen? Welche Schriftart benutze ich? Hilfe, der Buchblock ist nicht bündig! Solche Sachen.

Da musste ich mich erst mal ordentlich einlesen und mit Dingen beschäftigen, über die ich nicht wirklich nachgedacht habe. Aber das hat auch Spaß gemacht! Die Notizzettel mit meinen ersten Coverideen werde ich ganz bestimmt nicht wegwerfen!

Weiters natürlich das „Danach“. Das Buch ist lieferbar, aber wie komme ich an Leser, wenn mich keiner kennt? Das war – und ist immer noch – eine sehr spannende Angelegenheit, wo es für mich viel zu lernen gibt. Früher habe ich nur geschrieben. Jetzt will das Schreiben ausbalanciert werden mit den ganzen Schritten danach, und das finde ich sehr aufregend!

Zu welcher Werbemaßnahme würdest du einem Autor aus deiner Erfahrung heraus raten, der demnächst sein erstes Buch veröffentlicht?

Werbung ist so eine Sache. Ich habe eine offizielle Facebook-Seite und bin hauptsächlich dort und auf Instagram (unter dem Namen susanne.foerster) unterwegs. Anfangs habe ich Flyer verteilt und mir für Gewinnspiele auch Lesezeichen drucken lassen. Aber inzwischen liegt mein Fokus auf jeden Fall auf den sozialen Medien. Die potenziellen Käufer (und damit potenziellen Fans ;)) wohnen ja nicht nur in meiner Umgebung!

Ich lass mich hier gern von anderen inspirieren und plane schon fleißig ein paar Dinge für die Veröffentlichung nächsten Herbst!

Trotzdem tu ich mir schwer, anderen etwas in der Hinsicht zu raten. Ich bin nicht der Experte im Marketing, meine Verkäufe sind nicht durchs Dach gekracht, nachdem ich angefangen habe, mich ein bisschen mehr mit Werbung zu beschäftigen. Gerade deshalb schaue ich anderen (Jung-)Autoren über die Schulter und lese Artikel und Blogs zu dem Thema. Und genau das würde anderen wohl raten. Lasst euch von andern inspirieren (ohne zu kopieren) und beschäftigt euch mit der Materie. Jeder der schreibt wird wissen, wie es ist, sich für die Recherche auf den Hosenboden zu setzen und sich einzulesen. Beim Marketing ist es nichts anderes. Die Möglichkeiten sind endlos, man muss nur die richtige für sich finden!

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und den netten Kontakt, liebe Susanne!

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Hier findest du die anderen Interviews dieser Reihe: Erin fragt… Die Interview-Reihe

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