30 Tage Wahnsinn: Mein NaNoWriMo-Rückblick 2016

Der National Novel Writing Month ist in seinen letzten Zügen. Heute ist der letzte Tag dieses großen und gemeinschaftlich begangenen Projekts bei dem sich rund 500.000 Schreiberlinge auf der ganzen Welt zu dem Ziel bekennen einen Roman in einem Monat zu schreiben. Was total verrückt klingt, ist genau das: Verrückt.

Ich musste also unbedingt teilnehmen. Auch ich habe mir am Anfang des Monats gesagt „50.000 Wörter, das kann ich schaffen!“. Auch wenn mein Word Count noch immer nicht bei 50.000 liegt, so bin ich doch ganz sicher, mindestens die Anzahl „geforderter“ Wörter geschrieben zu haben. Viele davon habe ich wieder gelöscht oder umgeschrieben. Das ist schon fast ein Regelverstoss, denn „im NaNo wird nicht editiert!“

Ohne Editieren fange ich aber gar nicht erst an. Wenn mir etwas besseres einfällt, ein Fehler auffällt oder ich eine Information für redundant halte, wird SOFORT korrigiert, denn wer weiß schon, ob es mir beim nächsten Lesen wirklich auffallen bzw. wieder einfallen wird? Nein, das muss ich sofort machen.

Gestern beispielsweise habe ich in Martins Hütte herum-editiert. Ich brauchte in Kapitel 7 ein Hilfsmittel, das ich nicht aus dem Hut zaubern wollte. Nein, stattdessen habe ich es mehrere Kapitel zuvor in meinem Text schon „gefunden“. Um es dort zu finden, musste ich es aber hineinschreiben. Der Leser soll zumindest die Möglichkeit haben, sich sein Toolset für meinen Helden zusammenstellen zu können. Ich will nicht am Ende zaubern und sagen „Ach übrigens liegt in der Nachttischschublade eine Schusswaffe“, während der Einbrecher schon im Haus ist. (*ich habe nicht gespoilert – es gibt weder eine Schusswaffe noch diesen Einbrecher*)

Außerdem ist mir ein Logikfehler aufgefallen, den ich reparieren musste.

Also bei mir wird auch im NaNo noch immer fleißig editiert. Call me an Outlaw!

Mit meinen rund 42.000 Wörtern habe ich nun nicht offiziell gewonnen, so what? Ich habe teilgenommen, spannende Leute kennengelernt und eine „Technik“ gelernt, die mich beim Schreiben echt antreibt. Nebenbei habe ich die BuchBerlin besucht, 50 Seiten in Mika M. Krügers Totenläufer gelesen, mich viel auf Facebook herumgetrieben, 4 Cover für meine Projekte erstellt, ein Experiment gestartet und eine ganze Reihe von Interviews geführt. Und etwas ganz geheimes wächst dank der lieben Mika auch noch in meinem Kopf heran…

Ich würde meinen Monat daher durchaus erfolgreich und sehr produktiv nennen…

Wie steht es um Martins Hütte?

Das Projekt, das zu Monatsbeginn noch die Hütte im Wald hieß, ist nun zu Martins Hütte geworden. Es ist ein Thriller, der sich mit einem Mann beschäftigt, der ein schlimmes Trauma erlebt und sich deshalb von der urbanen Gesellschaft zurückzieht. er kauft eine Hütte im Wald, weil er hofft dort wieder Frieden zu finden. Zwar hat er dort keine Nachbarn, aber den gewünschten Frieden wird er dort trotzdem nicht finden.

Das Projekt hat bislang knapp 24.000 Wörter, es fehlt noch ein Teil der 7. Sequenz und  große Teile der 8. Sequenz, wobei der letzte Absatz schon steht. Der ist mir heute früh auf der Fahrt ins Büro eingefallen und gegen Mittag hatte ich endlich Zeit ihn auf Papier zu bringen. Ich bin froh, dass er so lange durchgehalten hat!

Ich halte an meinem Plan fest, dieses Projekt als erstes zu veröffentlichen, weshalb ich dir auch schon das Cover gezeigt habe. Die Cover für die drei anderen Projekte halte ich noch ein wenig zurück. Dennoch kannst du zu den Projekten gerne schon unter Aktuelle Projekte ein bisschen was lesen. Es handelt sich um den Reise-Roman und die ersten zwei Teile meiner Krimireihe.

Was habe ich mit den anderen 18.000 Wörtern gemacht?

Die liegen gut investiert im ersten Teil meiner Krimireihe. Ich liebe diese Reihe, die ich im April dieses Jahres begonnen habe. Aufgrund von Schwierigkeiten mit dem Plot beim zweiten Teil habe ich das Projekt aber im Juli erstmal in seine Schublade gesteckt und den Schlüssel verschluckt. Um den zehnten Projekttag konnte ich meinen Thriller nicht mehr fortsetzen. Es ging nichts mehr. Die Stimmung hat mich runtergezogen und ich wollte Abstand von dem Szenario haben. Das Thema ist ziemlich düster, wenn man erstmal begriffen hat, worum es in dem Buch wirklich geht. Die zukünftigen Leser werden das wahrscheinlich bestätigen, auch wenn ich es nie selbst auflösen werde (T.C. Boyle sagt schließlich, dass ich das Werk nicht erklären soll!).

Meine Krimis haben das, was ich an meinen Vorbild-Krimis mag. Sie geben mir eine alternative Welt, in der ich selbst auch leben wollen würde. Es ist also viel weniger düster als der Thriller, auch wenn es Tote und Bedrohungen gibt.

Ich habe also intensiv nach dem Schlüssel für die verdammte Schublade gesucht. Mein Dateiablagesystem lässt diesbezüglich massiv zu wünschen übrig, weshalb ich dann doch einiges von der Geschichte neu schreiben musste, von dem ich glaubte, ich hätte es schon aufgeschrieben. Der Serie folgend habe ich dann erstmal an Band 1 weitergeschrieben, denn der soll ja auch als erstes raus, auch wenn ich im zweiten schon viel weiter war. Nachdem ich gut aufgeholt und meinen Kopf erholt hatte, habe ich mich vor einigen Tagen wieder konsequent dem Thriller gewidmet. Hier half mir auch das fertige Cover!

Nun zu den spannenden Leuten

Auf Facebook habe ich zwei Gruppen gefunden, in denen ich mich nun recht wohl fühle. Die eine ist/war für den NaNo 2016, der ja nun in wenigen Stunden vorbei ist. Die andere Gruppe macht das ganze Jahr über so etwas wie den NaNo. Für den ernsthafteren Schreiber, ist sicherlich diese Gruppe eher die, an der es sich zu orientieren gilt, denn ich will ja nicht nur einmal im Jahr motiviert meinem Ziel entgegen rasen. Wenn man sich aktiv ins Gruppenleben integriert, so habe ich wenig überraschend herausgefunden, lernt man sogar Leute kennen, die ähnliche Ziele haben, wie man selbst. Eine tolle Sache, die Motivation für das ganze Jahr bringen kann!

Die „Technik“, die mich von lokalen Schreibblockaden befreit

Das ist jetzt bestimmt spannend für dich, nicht wahr? Dabei ist es so einfach. Wer den NaNo schon mal mitgemacht hat, der weiß sicher, was ich meine, wenn ich von Word Wars spreche. Für alle anderen: Ein Word War ist keineswegs eine kriegerische Auseinandersetzung unter Zuhilfenahme von Wörtern. Sondern viel mehr eine Form von Motivationsspritze, in einem bestimmten Zeitfenster möglichst viele Wörter niederzuschreiben. Irgendwie dachte ich mir in diesen meist etwa 30 Minuten langen Zeitfenstern immer „Ach komm, den nächsten 100er schaffst du noch!“. Immerhin waren es bis dahin ja nur noch maximal 99 Worte, die nun wirklich schnell geschrieben sind. In der Regel landete ich bei 400 bis 800 Wörtern. Das ist schon ein ganz schöner Haufen Wörter, wenn du regelmäßig daran teilnimmst.

In der Gruppe, die das ganze Jahr schreibt gibt es das in einer erweiterten Form. Die abendlichen Challenges sind in Arbeitsintervalle und Pausenintervalle eingeteilt und es gibt für jedes Arbeitsintervall eine Wortzielvorgabe. In der Regel ist diese Zielvorgabe leicht zu übertreffen, wenn ich konzentriert bin und ungefähr weiß, was in meiner Geschichte als nächstes passiert. Am Ende der Session stehe ich dann mit rund 1.500 Wörtern da, die sich kaum wie Arbeit angefühlt haben. Die Methode ist ähnlich wie die Pomodori-Methode, die bei mir ja auch schon gut geklappt hat. Durch den leichten Gruppendruck bleibe ich aber besser am Ball.

Außerdem habe ich die Highperformer, die zum Beispiel in einer 30 Min-Session deutlich mehr als 1.000 Worte hinlegen, gefragt, wie sie das machen. Eine Autorin hat mir verraten, wie gut sie vorher plottet, das werde ich sicher auch noch einmal ausprobieren, auch wenn es vielleicht kurzfristig vor Beginn der abendlichen Schreibsession geschieht. Eine andere diktiert ihren Text in ein Programm, das ihr das Tippen abnimmt. Zwar wäre das nichts, was ich dauerhaft einsetzen würde, es eignet sich aber super für müde Finger und einen kleinen Text zwischendurch. Ich werde auch das einmal probieren, auch wenn ich mir dafür kein Profi-Programm kaufen werde. Ich kann es ja mit der Diktierfunktion im Handy mal probieren. Beim Abtippen kann ich es dann direkt editieren, was ich später ja sowieso tun würde.

Ich halte dich auf dem Laufenden, was es sonst noch so für Tipps gibt!

Bei rund 1.300 Wörtern in diesem Beitrag werden nun langsam meine Finger müde und ich würde echt gern zum Diktiergerät wechseln 😉

Nun aber noch zu dem Ausblick in die Zukunft:

  • Es wird auch in den nächsten Monaten wöchentlich ein Interview auf diesem Blog geben. Morgen früh ist es wieder so weit!
    Die bisherigen Ausgaben findest du zusammengefasst HIER. Das beliebteste Interview, was sicher auch zum Teil auf ihre tolle Fanbase zurückgeht, ist das mit LARA LORENZ, das verlinke ich dir hier nicht, damit ich das Ranking nicht künstlich noch weiter nach oben treibe 😉
    Eventuell mache ich aber eine Pause über Weihnachten, es sei denn du möchtest, dass es nahtlos weitergeht (Leave a Comment!)
  • Die Interviews möchte ich im neuen Jahr total gerne auf Lektoren, geübte Testleser, Coverdesigner und Co. erweitern – falls du jemanden kennst, für den ein solches Interview etwas sein könnte, darf er oder sie sich gerne bei mir melden. Auch wenn du ein Buch veröffentlicht hast und meinst, ein gemeinsames Interview bringt neue Themen/Antworten zu Tage, melde dich ruhig bei mir!
  • Ich „test“lese gerade eine Kurzgeschichte einer anderen Autorin. Davon erhoffe ich mir ein paar allgemeine Learnings – warte, ich mag keine vermeidbaren Anglizismen: Erkenntnisse – die ich mit dir teilen werde.
    Natürlich werde ich nichts über die Geschichte erzählen und keine Beispiele daraus verwenden!
  • Für Martins Hütte werde ich mich in den nächsten Tagen immer mal wieder ins Zeug legen, damit die Geschichte einen Abschluss bekommt. Ich erwarte am Ende etwa 30.000 Wörter in dem Projekt zu behalten, aber wer weiß, was noch passiert. Vielleicht stürze ich noch durch eine morsche Decke ein Stockwerk tiefer…
  • und im nächsten Jahr? Bin ich bestimmt wieder dabei, dann werde ich versuchen mir nicht noch 30 Hürden aufzustellen, indem ich gratis Interviews verschenke, Testlese-Aufträge annehme oder so 😀

Lieber Leser, liebe Leserin ich danke dir, dass du mich in diesem Monat begleitet hast, mir den Rücken gestärkt hast oder einfach nur zu meiner Motivation auf meinem Blog vorbeigeschaut hast. Das alles hat mir sehr geholfen!

 

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