Schreibbarrieren erkennen & überwinden oder wie du durch den Sirup schwimmst

 

Die Phasen des Schreibens, wenn alles zäh wird und du dich mühsam Wort für Wort voran kämpfst, sind fies. Meist liegt die Ursache nicht in dem, was du schreibst, sondern in ganz anderen Dingen, die dich deiner Energie oder deiner Kreativität berauben.

  • Ablenkung

Sie kommt in verschiedenen Kleidern daher. Mal in Form einer großen Ansammlung von Browserfenstern, mal in Form des Fernsehers, mal sind es Partner oder Kinder. Ablenkung ist nicht immer schlecht – sie bringt uns häufig auch auf neue Ideen, aber wenn du konzentriert arbeiten möchtest, ist Ablenkung teuflisch.

Willst du die Ablenkung beseitigen?

Such dir einen Arbeitsplatz weit weg vom Fernseher, mach die Tür hinter dir zu, schließe deinen Browser und schalte das WLAN aus.

Ohne Quatsch – es ist eine meiner erfolgreichsten Angewohnheiten, beim Schreiben einfach das WLAN-Ding da oben am Rand des Fensters auszuschalten. Ansonsten aktualisiere ich fast schon zwanghaft Facebook und die Statistiken meines Blogs… du glaubst nicht, wie mir das selbst auf die Nerven geht, aber ich komme mit WLAN kaum los davon. WLAN aus und Browser zu ermöglicht mir eine völlig andere Konzentration. Auch das mache ich zum Üben noch in handlichen Pomodori-Einheiten. Ich stelle mir einen Timer und so lange der läuft, bleibt das WLAN aus.

Auch Haushaltsmitglieder ab einem gewissen Alter lassen sich mit der Methode fernhalten. Vielleicht ist es zu viel verlangt (von dir und den anderen), wenn du gleich zwei ganze Stunden deine Ruhe zum Schreiben einforderst, aber eine Viertelstunde können die meisten Dinge warten. Meistens reicht auch deine Konzentration kaum länger. Also meine zumindest sieht dann plötzlich irgendwo ein Einhorn…

  • Aufgeschobene Pflichten

Die Steuererklärung ist dran, die Wäscheberge türmen sich und für den Brotjob muss auch noch etwas erledigt werden. Manches davon muss erst erledigt werden, bevor du weiter kreativ sein kannst.

Welche Lösung gibt es dagegen?

Wichtiges unbedingt zuerst erledigen. Bringt dir die Steuererklärung das Geld, dass du ins Lektorat investieren willst? Mach sie fertig! Liegt dir ein Projekt auf der Arbeit auf der Seele? Mach es fertig, bevor du nach Hause gehst, um zu schreiben.

Die wichtigen Dinge werden dich so lange belasten, bis sie aus der Welt geschafft sind. Das ist wie bei Hunger – der geht meistens auch nur durch Essen weg. Viele dieser Dinge dauern gar nicht so lange, wie du glaubst. Das Schlimmste ist das Aufschieben selbst, weil du dich selbst damit um ganz viel Energie beraubst.

Für die weniger wichtigen Dinge gilt: Delegieren, was möglich ist

Kann dein Partner dir bei der Wäsche unterstützen? Können deine Eltern die Kinder an deiner Stelle am Nachmittag in den Zoo begleiten?

Bei manchen Dingen ist es sogar von Anfang an sinnvoll, sie outzusourcen. Auch wenn du glaubst, es sei zu teuer, jemanden für den Haushalt einzustellen oder den Fensterputzer dreimal im Jahr zu beauftragen, wenn du einen halbwegs gutgezahlten Job hast, ist es das Geld alle mal wert. Ich brauche z.B. für das Fensterputzen 3 Stunden, wenn ich erstmal angefangen habe – also mit Aufschieben mindestens einen ganzen Samstag. Der Profi ist in zwei Stunden fertig und zieht mit ca. 60 € wieder ab und ich habe saubere Fenster und kann den ganzen Samstag in aller Ruhe schreiben. Was kostet mich also mein freier Samstag? Gehen wir nun mal davon aus, dass du mit dem Schreiben sogar Geld verdienst… Das Geld kannst du nun gegen die Kosten des Fensterputzers rechnen.

  • Wenig SMARTe Ziele

Spezifisch, Messbar, Akzeptiert, Realistisch, Terminiert
So sollen Ziele sein.
Mach dir klar, was du erreichen willst:
du willst deinen Roman fertigstellen?
wie viel ist dafür zu tun?
wen musst du von deinem Plan überzeugen?
kannst du das schaffen?
wann willst du fertig sein?

Willst du in einem Monat einen Roman schreiben, so ist es nicht SMART pro Tag eine Seite zu schreiben. Damit erreichst du am Ende des Monats nur 30 Seiten, das ist noch kein Roman.

Willst du neben deinem Vollzeitberuf und deiner Familie in einem Monat einen 500 Seiten-Roman schreiben, so ist das auch nicht SMART, wenn du nicht locker an einem stressigen Tag 10 Seiten zu Papier bringst. Die entspannten Tage könntest du dann nutzen, die restlichen 200 Seiten zu füllen. Für die meisten Vollzeit-Berufstätigen mit Familie sind 10 Seiten + X pro Tag, aber alles andere als realistisch.

Setze deine Ziele aber auch nicht zu niedrig an. Mit einem Ziel von 100 Wörtern pro Tag forderst du dich nicht genug, wenn du an guten Tagen 2.500 Wörter zu Papier bringst.

  • Projektkoller

Du hast stundenlang vor dem Bildschirm gesessen und dir fällt einfach nichts mehr ein? Jetzt ist es Zeit für Ablenkung – nicht die Sache mit dem Fernseher oder dem Internet. Geh raus an die frische Luft, mach eine Pause und rede mit Menschen (Freunde, Bekannte, Fremde, ganz egal!). Mal reichen 10 Minuten, manchmal brauchst du einen ganzen Tag.

Ich hoffe, damit habe ich die wichtigsten Dinge angesprochen, die dich beim Schreiben blockieren können.

Wenn du weitere Hindernisse kennst, hinterlasse sie in den Kommentaren und ich werde mal schauen, ob ich dafür einen Lösungsvorschlag finde.

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3 Gedanken zu “Schreibbarrieren erkennen & überwinden oder wie du durch den Sirup schwimmst

  1. Radioactive waste man schreibt:

    Internet ausstellen ist wirklich hilfreich, das habe ich auch schon festgestellt. Ich persönlich bin am produktivsten, wenn ich mit etwas beschäftigt bin, bei dem ich Zeit und kein Internet habe – Bahn fahren, auf Freunde warten, etc. Normalerweise nervt es, wenn man seine Zeit mit Warten verbringt, aber wenn man es schafft, immer die Zeit zum Schreiben zu nutzen, dann kommt eine ganze Menge Text zusammenn. So habe ich es mal geschafft, in einem Jahr einen 200-Seiten-Roman in der Zeit zu schreiben, in der ich mit der U-Bahn zur Uni unterwegs war. Wobei mir klar ist, dass es nicht bei allen Autoren so funktioniert, denn viele Autoren brauchen Ruhe zum Schreiben, aber bei mir funktioniert es.

    Gefällt 2 Personen

  2. Radioactive waste man schreibt:

    Das kann ich mir vorstellen. Ich sitze gerade im Zug auf Dienstreise für meinen Brotjob und habe schon ungefähr 3000 Wörter für meinen NaNoWriMo geschafft… Mal schauen, wieviel ich den verbleibenden drei Stunden noch schafe:-) Ich wünsche dir ebenso viel Erfolg bei deiner Bahnfahrt.

    Gefällt 1 Person

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