Versagen ist Sch***e – Was du gegen das miese Gefühl, mal wieder versagt zu haben, tun kannst

Ein Thema, das die meisten Menschen kennen. Du fühlst dich unproduktiv und bist sauer auf dich selbst, weil du nicht geschafft hast, was du von dir selbst erwartet hast.

In diesem Artikel will ich dir nicht erzählen, wie du deine Ziele erreichst, sondern wie du dieses lähmende Gefühl wieder los wirst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Jeder setzt sich mal ein falsches Ziel, schiebt eine lästige Aufgabe vor sich her und fühlt sich deswegen zunehmend elend. Schlimm wird das dann, wenn du dich selbst dafür fertig machst, dass du etwas bestimmtes nicht geschafft hast. Wir nehmen im folgenden mal an, dein Problem ist es, dass du weniger schreibst, als du dir zum Ziel gesetzt hast. Die meisten meiner Leser schreiben selbst, also ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du unter diesem Problem schon einmal gelitten hast oder gerade leidest.

Du möchtest täglich mindestens deine 1.667 Wörter schreiben, damit du am Ende des NaNoWriMo (November-Schreib-Event) deine 50.000 Wörter schaffst.

Bereits die erste Woche beginnt fürchterlich. Durch deine Arbeit, eine Grippe oder ein krankes Kind oder was auch immer hast du es nicht geschafft, die gewünschten Worte in die Tasten zu hacken. Die meisten von uns reagieren dann mit einer Form von Strafe:

Du nimmst dir vor in der nächsten Woche umso mehr zu schaffen, damit dein Gesamtziel noch nicht verloren ist. Also 2.000 am Tag müssen es dann mindestens werden.

Aber das ist doch keine Strafe, höre ich den leidenschaftlichen Autor nörgeln.

Natürlich ist es keine Strafe 2.000 Wörter am Tag zu schreiben. Wenn man es denn schafft… Schafft man nun nur die ursprünglich geplanten 1.667 – statt der nun angepeilten 2.000+ – hat man schon wieder versagt. Leute, das ist doch Sch***e!

1.667 Wörter an jedem verdammten Tag sind schon ein sehr hohes Ziel. Weil du nur 1.000 geschafft hast, musst du dich nicht bestrafen. Du musst dich auch nicht bestrafen, wenn du gar nicht geschrieben hast. Niemand steht mit einer Waffe hinter dir und bedroht dich. Also tu das bitte auch nicht selbst!

Wenn du keine Worte in die Tasten hackst, schaffst du doch trotzdem irgendwas.

Du hast das kranke Kind betreut, ihm vorgelesen, Tee gekocht, Oma’s Hühnersuppenrezept ausgekramt und für das Kind gekocht. Du hast es geschafft, dass das Kind nun schläft und morgen vielleicht schon wieder etwas fitter ist. Das ist toll!

Bestraf dich nicht dafür, dass deine Prioritäten sich in Anbetracht veränderter Rahmenbedingungen verschoben haben.

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Es gibt 1.000 tolle Tipps, wie du deine Ziele erreichen kannst, aber ich bin sicher, dass Bestrafung keine besonders gute Erziehungsmethode ist. Es funktioniert weder bei deinem Hund noch bei deinem Kind besonders gut. Warum sollte es bei dir so sein?

Aber das stimmt doch nicht, da ruft er wieder, der Experte aus der zweiten Reihe, nicht wahr? Er meint, Strafe funktioniert seit Jahrhunderten.

Ich fürchte dein Experte hat ein paar entscheidende Erkenntnisse verpasst. Hund, Kind und du – ihr alle lernt über Motivation und Lob viel besser als über Strafe und Angst. Ja, der Hund, der Angst vor Schlägen hat, zieht vielleicht nicht mehr an der Leine, aber er wird kaum freudig neben dir laufen und erwartungsvoll zu dir aufblicken. Das erreichst du, indem du ihn dafür belohnst, dass er neben dir läuft. Und du verlangst auch von dem jungen Hund nicht, dass er das gleich 2 Stunden am Stück tut, bevor er seine Belohnung bekommt, oder???

Den Hund belohnst du am besten für jeden noch so kleinen Schritt in die richtige Richtung – beim Hund kann man dazu das Clicker-Training benutzen. Du brauchst dir jetzt für deine persönlichen Ziele keinen Clicker kaufen und ein Seminar zu dem Thema zu belegen – ich habe beides (Seminar und Clicker) und mein Hund ist ein ziemlich wohlerzogenes Exemplar, das viel Spaß an der Arbeit mit mir hat.

Für Kinder und Erwachsene ist ein Clicker vielleicht ein bisschen albern, doch es funktioniert toll, wenn man neue Gewohnheiten formen möchte. Wie schon erwähnt, belohnst du jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung – Strafe kommt in diesem Modell bewusst nicht vor.

Dein Ziel waren also 1.667 Worte, ja? Schneide dein Ziel in handliche Abschnitte von… sagen wir 100 Worte. Wenn die Größe für dich funktioniert, ist das gut, aber jede andere Zahl funktioniert auch, je kleiner, desto besser dein Lernerfolg.

Sich an den Schreibtisch setzen ist einfach oder? Brauchst du dafür schon eine Belohnung? Wenn du sie brauchst, plan sie ein. Nimm sie sofort (dafür gibt es den Clicker, der den exakten Zeitpunkt markiert, an dem du etwas richtig gemacht hast). Bei jedem kleinen Zwischenziel, nimm sofort deine Belohnung. Erreichst du das Ziel nicht, gibt es keine Belohnung.

Die vielleicht bessere Alternative zu dem statischen Ziel von 100 Worten: Teile deine Zwischenziele aufsteigend ein:

Belohne dich für die ersten 10 Wörter, dann für die nächsten 50, dann für die nächsten 100, dann für die nächsten 200…

Ich denke, du hast es kapiert.

Es ist nicht sinnvoll, deine Belohnungen aufzusparen für nach der „Trainingssession“, nimm sie sofort wahr! Du möchtest die Einzelschritte belohnen und nicht das große Ganze.

Versuche nicht bei den aufsteigenden Zielen, direkt am 2. Tag mit Belohnungen erst ab 250 Wörtern zu starten, weil es am Vortag so gut geklappt hat. Jeder Tag ist anders. Fang einfach wieder bei 50 an – je häufiger du dich belohnen darfst, desto mehr Spaß macht der Prozess des Lernens…

Was deine Belohnung sein soll?

Es muss klein sein und schnell sein. Zum Beispiel einen „Schoko-Riesen essen“. Essen funktioniert hier sehr gut, weil es schnell verspeist ist. Beim Hund wie beim Menschen droht hier aber die Gefahr einer Gewichtszunahme und die Verknüpfung von Arbeit mit Essen als Belohnung – irgendwann werdet ihr euch ohne eine Schüssel Riesen merkwürdigerweise nicht mehr an den Schreibtisch setzen wollen.

Du kannst deine Belohnung ständig variieren, am besten fängst du sofort an, dir geeignete Belohnungen zu suchen. In der Hundeanalogie ist beispielsweise eine tolle Belohnung auch „Spaß“ – einmal den Ball werfen oder mit dem Tau zerren. Dann ist die Spieleinheit wieder vorbei und die Arbeit geht weiter.

Abschließende Worte:

Ich habe eingangs gesagt, ich möchte dir hiermit keinen Tipp dazu geben wie du dein Ziel erreichst, denn davon gibt es genug. Natürlich kann es passieren, dass die Methode für dich so gut funktioniert, dass du dein Ziel versehentlich doch erreichst – dafür möchte ich mich entschuldigen. Das wollte ich nicht.

Ich hoffe, mein Text bringt dich zum Nachdenken über deine persönlichen Belohnung- und Strafmechanismen und du kommst zukünftig besser mit deinen hohen Zielen zurecht.

Hohe Ziele sind in Ordnung, aber nicht notwendig. Ist es nicht letzten Endes völlig egal, ob du 50.000 oder 37.489 Wörter geschrieben hast? Ja okay, du bekommst keine virtuelle Siegerauszeichnung – so what, davon hast du eh nichts Reales.

Ich will damit auch nicht sagen, dass du nicht am NaNoWriMo teilnehmen sollst oder dass du dich nicht sonstigen großen Aufgaben stellen sollst. Geh es an, aber bestraf dich nicht für jeden kleinen Fehltritt.

Hinterlasse gerne in den Kommentaren deine Belohnungsideen!

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8 Gedanken zu “Versagen ist Sch***e – Was du gegen das miese Gefühl, mal wieder versagt zu haben, tun kannst

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