Das 8 Sequenzen-Modell und wie ich es für mich nutze

Mein aktuelles Roman-Projekt habe ich wild drauf los geschrieben bis ich irgendwann nicht mehr genau wusste, wann ich eigentlich das Ende erreichen würde. Ich hatte vier Handlungsfäden, von denen der erste beendet war. Drei weitere hielt ich noch in der Hand. Wie das Ende für zwei der Fäden aussehen sollte, war mir ziemlich klar, nur der Weg dahin lag im Nebel. Aber wohin nur mit dem letzten Faden?

Ich nahm mir das berühmte 8 Sequenzen-Modell zur Hand und stopfte meine bisherige Handlung hinein. Das meiste fand schnell seinen Platz, ein Detail änderte ich noch fix und dabei stellte ich fest, dass ich bereits mitten in der 6. Sequenz steckte, obwohl es mir schien als hätte ich noch ewig viel Stoff zu verarbeiten. Was in der 8. Sequenz stattfand wusste ich schließlich auch schon. Es fehlte nur noch der kleine Baustein Sequenz Nummer 7.

Ich diskutierte mein Problem mit einer Vertrauensperson, die mein Projekt bereits kennt und ein Stichwort ließ alles an seinen Platz fallen. Tada, die Geschichte war fertig.

Mein NaNo-Projekt wollte in der Kürze der Zeit auch noch geplottet werden. Das 8 Sequenzen-Modell lag ja schon da, also warum nicht gleich weitermachen? Etwa eine Stunde später hatte ich auch das Projekt in 8 Sequenzen niedergeschrieben. Super, oder?

Vielleicht kennst du das 8 Sequenzen-Modell schon, vielleicht auch nicht. Vorsorglich erkläre ich es dir kurz.

8sequenzen

Was ist das 8 Sequenzen-Modell?

Die Aufteilung einer Geschichte in 8 Sequenzen kommt aus den frühen Tages des Films. Damals, als man noch Filmrollen benutzte, passten nur etwa 10 Minuten Film auf eine Rolle. Der Vorführer musste also während eines Films mehrmals die Rolle wechseln. Die meisten Filme hatten etwa 8 Rollen. Weil der Vorführer zum Wechseln der Rollen ein wenig Zeit brauchte, musste der Filmemacher ans Ende jeder Rolle einen winzigen Cliffhanger einbauen, damit der Zuschauer nicht den Saal verließ.

Heute ist das ein bisschen zu vergleichen mit den Werbepausen im Fernsehen.Wenn mich das Geschehen auf dem Bildschirm nicht packt, zappe ich während der Werbung hin und her. Dabei vergesse ich möglicherweise, was ich vorher geschaut habe und bleibe bei meinem Pausenprogramm hängen.

Wir geschickten Schreiberlinge haben uns daher die Erfahrung der frühen Filmindustrie zunutze gemacht und teilen auch heutige Geschichten noch in die 8 Sequenzen mit je ca. 10 Minuten Spielzeit ein. Wie teile ich meine Geschichte nun auf?

  1. Sequenz: Ausgangssituation und veränderndes Moment
  2. Sequenz: Das Problem wird offenkundig
  3. Sequenz: Erster Fehlversuch, der Protagonist reagiert auf sein Problem und macht (eventuell) alles noch viel schlimmer
  4. Sequenz: Zweiter Fehlversuch, aus der neuen Misere scheint kein Entkommen mehr
  5. Sequenz: In der Niederlage findet der Protagonist einen neuen Ansatz
  6. Sequenz: Finale Konfrontation mit dem Antagonisten oder dem Problem
  7. Sequenz: Ausgang des Konfliktes (ggf. letzte Finte)
  8. Sequenz: Die Auflösung, am Ende wird alles gut oder auch nicht (alle losen Fäden eingesammelt)

Auf diese 8 Sequenzen plus minus 2 lässt sich fast jeder Film oder Buch reduzieren, auch wenn sie im Einzelfall mit etwas anderen Inhalten gefüllt sein können.

Überprüfe deine Geschichte:
Hast du alle nötigen Elemente an der richtigen Stelle, um deinen Leser an dein Buch zu fesseln? Musst du vielleicht noch eine Anpassung vornehmen, damit es so richtig läuft?

blogbilder-001

9 Gedanken zu “Das 8 Sequenzen-Modell und wie ich es für mich nutze

  1. simonsegur schreibt:

    Noch nie gehört – vielen Dank für die Info und die Geschichte hinter der Bezeichnung! Allerdings finde ich diese Einteilung äußerst beliebig: Ob 5, 8 oder 12 Sequenzen – das ist letztlich schnuppe und damit auch wieder egal …
    Liebe Grüße!

    Gefällt 2 Personen

  2. Michael Behr schreibt:

    Ich muss gestehen, so langsam verliere ich bei allen Modellen, Ablaufplänen und Plotkonstrukten den Überblick, wie ich meine Geschichte denn nun strukturieren soll.

    Man könnte auch sagen: Ich fühle mich insofern überfordert, dass sich die Dinge langsam aber sicher zu widersprechen beginnen.

    Mag sein, dass meine Reaktion darauf, nämlich das alles weiterhin nach Gefühl zu machen, nicht die schlaueste ist. Aber anders geht es bei mir im Moment halt nicht.

    Gefällt 2 Personen

    • erinjsteen schreibt:

      Jede Geschichte sucht sich seinen eigenen Weg. Tipps, die nicht zu einem Menschen oder zu einer Geschichte passen, sollte man einfach ignorieren. An die 20 Master-Plots von Ronald M. Tobias habe ich mich zum Beispiel noch nicht herangetraut, weil ich glaube, dass sie mich verwirren würden. Vielleicht passt das ein anderes Mal, dieses Mal haben die 8 Sequenzen für mich eben gepasst.

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      • Michael Behr schreibt:

        Ich wollte damit auch überhaupt nicht in Abrede stellen, dass diese Modelle funktionieren und ich finde es gut, wenn es für die geklappt hat.

        Ich wollte halt meiner eigenen Überforderung und Verwirrung Ausdruck verleihen.

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      • erinjsteen schreibt:

        Ich wollte auch die Methode nicht vor dir in Schutz nehmen, sondern lediglich bekräftigen, dass ich mit manch anderen Ansätzen auch so meine Schwierigkeiten habe. Mit einer 3 Akte-Struktur, die die gleiche Geschichte erzählt, hätte ich heute mein Problem übrigens nicht in den Griff bekommen…

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  3. Alice deGrey schreibt:

    Hm, ich bin sicher, man kann nicht alle Plots in diese 8 Sequenzen zwängen, aber für manche ist diese Methode sicher das richtige! Auch meine Geschichte scheint auf den ersten Blick sehr gut hineinzupassen, was vielleicht auch daran liegt, dass ich den Großteil vor dem Schreiben geplottet habe.

    Für mich selbst verwende ich aber lieber die „6 stage plot structure“ von Michael Hague, die in dieser hübschen Grafik ganz gut zusammengefasst ist: http://media-cache-ec0.pinimg.com/736x/17/5c/61/175c610b5fd648ca495b40b00eaef739.jpg
    Meistens plotte ich überhaupt erst mal drauflos und gleiche das, was ich habe, später mit der Struktur ab, prüfe nach, ob was fehlt oder nicht passt etc.

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