Wochenabschluss: Projektstatus KW 41/16

Mannomann, schon wieder ist eine ganze Woche vorbei. Wie schnell das geht, wenn die Deadline näher rückt, nicht wahr?

Ich will in 15 Tagen mit meinem ersten Entwurf von dem Projekt mit dem Arbeitstitel #LiebesLeben fertig sein. Im Moment sieht es aus, als wäre ich davon noch meilenweit entfernt. Es sieht aus, als wäre dafür noch so unheimlich viel zu schreiben, dass das Ganze nicht machbar ist. Diese Woche habe ich es bislang nur auf rund 5.000 Wörter geschafft, aber der heutige Tag liegt quasi noch jungfräulich vor mir. Am Samstag habe ich mich in Windeseile durch einige entscheidende Szenen gepfuscht, nur damit ich endlich mit der Story vom Fleck komme.

Ich weiß doch sowieso, dass ich alles noch viel toller machen werde, wenn ich erstmal mit der Bearbeitung dran bin, warum mache ich mir trotzdem so einen Stress um die richtige Formulierung zur rechten Zeit?

Das hat auf jeden Fall erstaunlich gut geklappt. Ich habe mir endlich mal wieder einen ganzen Batzen von der imaginären To Do Liste geschrieben und kann jetzt wieder ein bisschen kreativ herumwerkeln. Ein Plotstrang war nämlich in meinem Kopf schon fertig, weshalb er mich beim Schreiben der anderen Szenen total blockiert hat. Jetzt kann ich mit den beiden anderen Strängen weiterarbeiten und die zugehörigen Szenen basteln.

In den letzten Wochen musste ich einige Szenen aus früheren Kapiteln nachpflegen, damit ich im Folgenden darauf aufbauen kann. Du weißt ja, dass das Schreiben mit dem Hausbau zu vergleichen ist – ohne sauberes Fundament, ist es schwer, eine gerade Mauer zu bauen.

Zwischenzeitlich habe ich schon überlegt ob ich mein Zeitproblem damit lösen könnte, einen Zweiteiler aus meinem Roman zu machen, aber irgendwas in mir möchte das nicht. Es möchte die ganze Geschichte erzählen. Deshalb werde ich die Geschichte jetzt erstmal fertig pfuschen und im Dezember mehr Energie in die Überarbeitung stecken. So kann ich wenigstens mein Ziel erreichen, den ersten Entwurf abzuschließen, bevor der NaNo beginnt.

Heute möchte ich mit dir über ein Thema sprechen, das mich seit einigen Wochen beschäftigt:

Das Aufteilen meines Buches in einzelne Kapitel.

Weil es in meinem Buch um eine Reise geht, die verschiedene Stationen hat, lag es für mich zunächst nahe, die einzelnen Orte als Kapitel anzulegen. Doch das führte zu ziemlich ungleich langen Kapiteln, was ich echt blöd finde.Ich versuche mein Buch mit dem Blick eines Lesers zu sehen. Da ich ja auch einer bin, habe ich da zumindest gewisse Erfahrungen und eine subjektive Meinung.

Ich lese gern Bücher, mit kurzen Kapiteln. Da habe ich als Leser das Gefühl, gut voran zu kommen. Aber zu kurz dürfen sie auch nicht sein, sonst befinden sich so viele halbleere Seiten in meinem Buch, da muss sich ein Leser doch verschaukelt vorkommen.

Beispielsweise bei Die 4. Frau von James Patterson, fraglos einer der kommerziell erfolgreichsten Schriftsteller unserer Zeit… (Als ich sein Jahreseinkommen las, staunte ich nicht schlecht, aber dazu vielleicht ein andermal mehr.)

Ich habe ein paar Romane von Patterson gelesen, einige als Hörbuch gehört. Die meisten haben mir insgesamt gut gefallen. Bei denen, die ich gelesen habe, ist mir aufgefallen, wie schnell ich dank seiner Kapitelstruktur durch das Buch gesaugt werde. Die 4. Frau besitzt 145 Kapitel, die sich auf ca. 380 Seiten verteilen. Da liest man gerne noch ein weiteres Kapitel und schwups ist die Nacht um – nee, das Buch durch, aber du weißt was ich meine. Passend zu meinem persönlichen Leseeindruck steht auf der Rückseite meiner Taschenbuchausgabe übrigens „Die Story gleicht einer Fahrt mit einer Achterbahn, bei der die Bremsen versagen!“ – mal abgesehen davon, dass ich mich frage, warum bei solchen Statements immer ein Ausrufezeichen folgen muss (die Dinger sind doch so oldschool!) – so lässt mich das doch vermuten, dass mein vermeintlich persönlicher Eindruck ein eher allgemeingültiger ist.

Der vorangegangene Satz ist übrigens viel zu lang – merken für die Korrektur 😉

Alle 3 Seiten ein neues Kapitel anzufangen bringt zwar einen Leser schnell durch mein Buch, aber hat er auch Spaß dabei? Lässt ihm das überhaupt Zeit zu erfassen was er liest? Ist das überhaupt wichtig?

Die Frage ist sicher ziemlich individuell zu beantworten. Ich empfinde Patterson als leichte Spannungslektüre. Das ist okay, wird aber nie mein Lieblingsbuch. Meine Lieblingsbücher haben gemein, dass sie mir alle etwas mehr abverlangt haben als ein 90 min Spielfilm. Hast du mal Die Satanischen Verse von Salman Rushdie gelesen? Mann, der hat mich auf den ersten 100 Seiten gequält… aber ich liebe das Buch dafür.

Will ich nun spielfilmartige Bücher schreiben oder Bücher, die das Potential haben, meine Lieblingsbücher zu werden?

Der Spielfilm wird sich vermutlich besser verkaufen.

Das Lieblingsbuch kann Herzen gewinnen.

Für mich ist hier erstmal klar, dass ich längere Kapitel brauche als die 3 Seiten von Patterson. Aber zu lang sollen sie auch nicht werden, denn das stört mich als Leser auch wieder. Ich möchte zwischendurch Pausen machen dürfen.

Gelernt habe ich, dass man am Kapitelende einen Cliffhanger einbauen soll, der den Leser dazu bringen soll, gleich weiterlesen zu wollen. Wie viele Cliffhanger verträgt mein Buch?

Rein mathematisch gefällt mir eine Aufteilung in Kapitel mit einer kleinen zweistelligen Seitenzahl (also im unteren Drittel der zweistelligen Zahlen). Das finde ich irgendwie schick.

Bislang ist mein Buch in Szenen geschrieben. Auch da hatte ich zwischendurch Probleme mit dem Anfang und dem Ende, als ich noch nicht in meinen Fluss gefunden hatte. Mittlerweile traue ich mich, auch hier die Regel anzuwenden, die da heißt:

Suche den spätestmöglichen Einstieg in die Szene und den frühesten Ausstieg.

Das ist eine klasse Regel, um unnötiges Geschwätz zu vermeiden. Beim Korrigieren ist hierauf unbedingt zu achten, wenn man seinen Leser mag.

Aber wie mache ich nun das mit den Kapiteln?

Es sollte doch auch hier gern eine innere Logik geben und nicht nur eine abgezählte Anzahl Seiten, nach denen mal wieder ein neues Kapitel beginnt.

Weil ich noch keine Lösung zu der Kapitelfrage gefunden habe, habe ich heute dazu noch keinen Tipp für dich.

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Mein Schreibtipp in dieser Woche lautet daher:

Nimm dir einen deiner Texte vor (leg bitte vorher eine Sicherungskopie ab) und suche für jede Szene den spätestmöglichen Einstieg und den frühesten Ausstieg. Streiche alles davor und danach weg. Wichtige Informationen, die du davor oder danach untergebracht hast, finden sicher einen anderen Platz.

Das ist wie bei der Bearbeitung einer Eisskulptur. Schlag ab, was nicht zu dem Bild gehört, das du erschaffen möchtest. Wenn irgendwo etwas abgefallen ist, was du doch wieder haben möchtest, hast du deine Sicherungskopie zum Ankleben (geht bei der Eisskulptur auch, bei Stein ist es schwieriger 😉 )

Wenn du die Lösung zu meinem Kapitelproblem kennst, weißt du ja, wie man einen Kommentar schreibt. Ansonsten werde ich beizeiten mal recherchieren und einen Artikel dazu schreiben. Bei ausgiebiger Recherche finde ich alles!

Ausblick:

In der nächsten Woche wirst du bei mir auf jeden Fall den zweiten Teil meines Liebster Awards zu lesen bekommen (den ersten Teil hast du wahrscheinlich schon gelesen) und ich bin gewillt, dir zu erzählen, wie meine bisherigen Erfahrungen mit Facebook so sind.

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7 Gedanken zu “Wochenabschluss: Projektstatus KW 41/16

  1. simonsegur schreibt:

    So schöner wie praktikabeler Tipp – immer wieder erstaunlich, wie viel (gerade am Anfang eines Kapitels) weggemeißelt werden kann. Warum teilst Du Deine Story nicht in den Schauplätzen gemäßen „Büchern“ mit dann jeweils ähnlich langen Kapiteln?
    Dank und liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    • erinjsteen schreibt:

      Ja, und wenn nur noch die Essenz deiner Szene steht, hast du dem Leser einen echten Gefallen getan. Man muss auch manches der Fantasie des Lesers überlassen.
      Innerhalb der Schauplätze werde ich teilweise auf jeden Fall Kapitel teilen. Sonst habe ich ein Kapitel mit 80 Seiten und dann kommen 4 Kapitel mit 10-20 Seiten, das haut vom Rhythmus her nicht hin. Ich werde in den nächsten Tagen mal ein wenig experimentieren.
      Liebe Grüße und Dank zurück.

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  2. Michael Behr schreibt:

    Ich habe in meinen bisherigen Romanen schon so gut wie alle (glaube ich) Varianten von Kapiteleinteilungen durch. Dabei habe ich mich aber nie darum geschert, ob alle Kapitel ungefähr gleich lang sind oder nicht. Das würde mich zu sehr beschränken und täte meinem Stil (von dem einige behaupten, ich hätte keinen *g) nicht gut. Ich gehöre allerdings auch beim Lesen zu denen, die sich nicht daran stören, wenn ein Buch viele kurze, viele unterschiedliche oder einige lange Kapitel hat.

    Ich glaube, ich gehöre an dieser Stelle zu den Verfechtern von „Inhalt vor Form“.

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    • erinjsteen schreibt:

      Gut zu wissen, dass es solche Leser auch gibt. Mein Wissen ist an dieser Stelle auf meine eigenen Erfahrungen beschränkt. Bislang habe ich mich nicht mit Leuten über solche Details unterhalten, wenn ich mit ihnen über Bücher spreche. Wer nicht selbst schreibt, merkt das oft vermutlich auch gar nicht so recht. Es vermischt sich wahrscheinlich einfach nur mit dem Gesamteindruck.

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  3. Cari Fenegan schreibt:

    Ich gehöre zu den Menschen die es super irritierend finden wenn alle 3 Seiten ein neues Kapitel anfängt. Da verlier ich oft schnell die Lust und den Überblick. Für mich gehören einfach mehrere Szenen in ein Kapitel wenn sie aufeinander aufbauen.

    Meine Kapitel haben in der Regel zwischen 5 und 8 Seiten, hier und da vielleicht auch mal mehr(DIN A 4).
    Ich schreibe hauptsächlich auch in Szenen, spring auch mal gerne hin und her, vor und zurück. Aber eigentlich kommt während des 1. Entwurfs meistens schon eine Idee wo das Kapitel anfängt und aufhört. Klar verschieb ich das mal hier und da. Aber meist liegt das Gefühl richtig 😊

    Also, vergesse alle Regeln und traue deinem Gefühl – das während die mein Rat 🤗
    Gruß, Cari

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