Über den Umgang mit Kritik und Tipps für Nachwuchsautoren von Kai Meyer

Ich freue mich, dass ich dir in dieser Woche Tipps von einem deutschen Autor zeigen kann, der dir etwas mehr darüber erzählt, wie die deutschen Verlage aktuell (und in den letzten Jahren) ticken.

Passend zu dem Thema möchte ich die Frage Verlag oder Selfpublishing aufwerfen. Sicher hast du dir schon Gedanken gemacht, welcher „Dein Weg“ ist oder werden soll.

Möchtest du (mit oder ohne Agent) in einem Verlag unterkommen und dir damit das Qualitätssiegel „Verlagsautor“ sichern?

Möchtest du ganz bewusst ohne Verlag den Weg des Selfpublishing wählen, investierst in dich selbst (Cover, Lektorat, Marketing etc.) und lebst mit dem Risiko?

Glaubst du, dass dein Buch sowieso kein Verlag nehmen möchte und willst es trotzdem über Selfpublishing herausbringen, damit deine Arbeit daran nicht umsonst war?

Wo führt dich dein Weg lang?

 

Sowohl Kai Meyer in dem Video als auch Stephen King in „Das Leben und das Schreiben“ erzählen von ihren Erlebnissen mit Verlagen und der Suche nach einem, der sie unterstützt und das machen lässt, was sie wollen. Beide mussten in ihrem Leben auch mit Absagen leben, obwohl sie heute erfolgreiche Schriftsteller sind.

In „Das Leben und das Schreiben“ erzählt Stephen King von seinem Umgang mit Absagen die Geschichte von dem Nagel, den er in die Wand geschlagen hat, um seine erste Absage anzuheften und wie über die Jahre so viele dazu kamen, dass er statt des Nagels einen Haken montieren musste.

Hat er sich dadurch von seinem Weg abbringen lassen?

Ich denke nicht, denn ich habe meine Büchersammlung jüngst um ein weiteres Exemplar von ihm erweitert.

Wie gehst du mit Absagen oder mit Kritik um?

Nicht jeder von uns ist so stark, dass den Nagel mit dem Stapel Absagen an der Wand jeden Tag anzusehen. Ich habe zum Beispiel vor vielen Jahren mal einen städtischen Literaturwettbewerb nicht gewonnen – damals war ich natürlich überzeugt, dass meine Geschichte die beste gewesen sein muss – heute kann ich mich nicht einmal mehr daran erinnern, was für eine Geschichte ich eingereicht hatte. Ich wurde zur Preisverleihung eingeladen (vielleicht war ich damals 12 oder 13 Jahre alt) und bekam keinen Preis, keine lobende Erwähnung. Mein Name wurde einfach nicht genannt.

Bis heute hatte ich das ziemlich gut verdrängt, aber ich hatte noch jahrelang die Einladung zur Preisverleihung aufbewahrt, also wird es mir vielleicht doch ein bisschen wichtig gewesen sein. Es war zwar keine Absage, aber eben doch eine kleine Niederlage. Ich kann mich nicht erinnern, noch mehr Sachen von mir irgendwo eingeschickt zu haben – ich habe mich also geschickt vor Absagen gedrückt. Aber Kritik kann ich trotzdem noch nicht besonders gut vertragen. Es dauert immer einige Tage und ein paar Gespräche mit lieben ehrlichen Menschen, bis ich weiß, was von der Kritik ich annehmen möchte, was ich bewusst nicht umsetzen möchte und was vielleicht vollkommen unqualifizierter Blödsinn war.

Aber genau das ist meine Strategie im Umgang mit Kritik – ich bespreche sie mit Menschen, deren Meinung ich sehr schätze. Ich frage, „Warum hat er oder sie das gesagt?“ und versuche damit herauszufinden, ob eine persönliche Absicht hinter der Kritik steckte. Bei vielen Amazonkritiken von Selfpublishing-Büchern ließt man zwischen den Zeilen viel Neid heraus, also ist vielleicht nicht das Buch „schlecht“ sondern der Schreiber der Kritik neidisch auf den Erfolg des Autoren.

 

Übrigens sagt Kai Meyer auch, dass es wichtig ist, dass wir Geschichten „zu Ende schreiben“. Auch wenn die immer bessere Idee dich (und mich) lockt. Hierbei helfen Notizbücher und Ideengläser. Idee aufschreiben und dann erstmal wieder vergessen. Wenn Ende unter deiner aktuellen Geschichte steht, darfst du dir aus den vielen Ideen in deinem Glas oder deinem Notizbuch aussuchen, was dir am meisten zusagt…

Natürlich darfst du auch sofort mit deiner neuen Idee anfangen, aber möglicherweise wird es immer so weitergehen und keins deiner Bücher wird jemals fertig – das wäre doch traurig. Schreib also lieber das eine zu Ende und beginne anschließend mit dem Neuen.

Die Artikel mit den Videos bekannter Autoren macht mir immer ganz besonderen Spaß. Ich hoffe, dir gefällt die Reihe auch so gut wie mir.

Vielleicht magst du mir einen Autoren- oder Themenwunsch in den Kommentaren da lassen, dann schaue ich mal, ob ich demnächst etwas passendes zeigen kann.

4 Gedanken zu “Über den Umgang mit Kritik und Tipps für Nachwuchsautoren von Kai Meyer

  1. Michael Behr schreibt:

    Um die Frage nach „meinem Weg“ zu beantworten:

    Ich schreibe in einem relativ weit gefassten Spektrum zwischen Thriller/Krimi in mehreren Schattierungen bis hin zu Horrorgeschichten. Dabei ist mir klar, dass nicht alles von dem, was ich schreibe, sich ohne Weiteres an einen Verlag bringen lässt.

    Die Arbeit an meinem momentanen Hauptprojekt zielt aufs Selfpublishing ab. Gleichzeitig habe ich für andere Projekte eine Verlagsveröffentlichung im Sinn oder auch schon den Kontakt zu Agenten gesucht.

    Ich probiere mich im Moment also so ein bisschen aus und schließe nichts aus. Aber darüber haben wir ja auch die Tage schon auf meinem Blog „gesprochen“ :-).

    Gefällt 1 Person

    • erinjsteen schreibt:

      Dein Ansatz ist bestimmt goldrichtig. Man sollte immer projektorientiert schauen, was passt. Ich schließe eine verlagsarbeit auch nicht aus, aber ich bereite mich auf selfpublishing vor, weil ich gerne selbst viel entscheide und diese Möglichkeit als Neuling bei einem Verlag vermutlich nicht bekäme.

      Gefällt 1 Person

      • Michael Behr schreibt:

        Ich bin ehrlich: Wenn ich für mein Projekt die Chance auf einen Verlag sähe, ohne dass ich dem jahrelang hinterhersuchen müsste, dann würde ich diese nutzen. Mir machen diese ganzen Möglichkeiten im ersten Schritt nämlich erst einmal Bauchgrummeln und ich wäre froh, wenn mich da jemand ans Patschhändchen nehmen würde.

        Gefällt 2 Personen

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