Ein Drogendeal und die Behauptung, eine Idee reiche aus, um ein Buch zu schreiben

Ein gängiges Vorurteil über das Schreiben von Büchern besteht darin, dass es nur eine (gute) Idee braucht, um ein Buch zu schreiben.

Es ist ärgerlich, wenn man dieses blöde Vorurteil an den Kopf geworfen bekommt. Noch ärgerlicher finde ich es, wenn man sich mit Leuten unterhält und die dann sagen:

„Irgendwann schreibe ich auch mal ein Buch. Ich habe da nämlich so eine Idee.“

Na klar, kann es sein, dass derjenige ein wirklich gutes Buch schreibt. Schließlich habe ich auch jahrelang gesagt, „Irgendwann schreibe ich mal ein Buch“. Jetzt mache ich es zum Glück auch endlich.Es wurde Zeit!

Aber viele Leute, die diesen Satz von sich geben, glauben tatsächlich diese eine Idee reicht aus, um damit ein ganzes Buch zu füllen.

Richtig daran ist, man braucht eine Idee, um ein Buch zu schreiben.

Falsch ist, dass eine Idee allein ausreicht.

Mit einer guten Idee lässt sich auf jeden Fall schon mal ein Anfang gestalten.
Sehen wir uns gleich einmal ein Beispiel an:

Sagen wir, deine Idee lautet „Zwei Schüler stolpern in einen Drogendeal.

Okay, damit kannst du starten. Doch damit hast du noch lange keine Geschichte, geschweige denn ein Buch. Denn erstmal ist überhaupt nichts passiert, niemand hat etwas getan, nichts hat sich verändert.

Was passiert diesen Schülern, wenn sie in diesen Drogendeal stolpern?

1. Sie verstecken sich und rufen die Polizei.
2. Sie werden von den Dealern bemerkt und durch das Viertel gejagt. 

Versuchen wir es mit dem ersten Vorschlag:

Die Polizei kommt, die Dealer werden festgenommen.

Ende der Geschichte – kein Buch.

Gut, das hat nicht hingehauen. Machen wir mit dem zweiten Vorschlag weiter:

Die Schüler flüchten durch das Viertel, die Dealer sind schneller. Sie kommen immer näher. Die Jungs rennen in blinder Panik davon. Da kommt einem von ihnen eine rettende Idee. Sie verstecken sich hinter der nächsten Ecke in einer Mülltonne. Die Dealer erreichen die Straßenecke…

Okay, there you go. Das könnte eine spannende Geschichte werden. Es fehlt noch wahnsinnig viel Inhalt, aber so kann es losgehen. Ein Buch benötigt verdammt viele gute Ideen und zwingt dich, eine Menge Entscheidungen zu treffen. Du musst lieb gewonnene Protagonisten so richtig quälen, damit deine Geschichte interessant wird.

Du glaubst, das geht nicht/muss nicht sein?

Okay, spinnen wir die Geschichte kurz weiter.

Die nette Variante, denn du magst die beiden Schüler. Es sind liebe Jungs und niemand will ihnen etwas böses. Schon klar, los geht’s!

Die Jungs sitzen atemlos in ihrem Müllcontainer und versuchen verzweifelt, kein Geräusch zu machen. Es gelingt ihnen. Die Dealer geben auf und verziehen sich. Die Jungs klettern hinaus und laufen nach Hause.

Du siehst, schon wieder ist ein Ende erreicht.

Etwas weniger nett, aber noch ganz fair.

Die Jungs sitzen atemlos in ihrem Müllcontainer und versuchen verzweifelt, kein Geräusch zu machen. Es gelingt ihnen. Die Dealer geben auf und verziehen sich. Die Jungs versuchen den Deckel der Tonne wieder aufzuschieben, doch der klemmt. Einer der beiden erinnert sich an sein Handy. Er fasst in seine Tasche, doch sein Handy ist nicht mehr da. Der andere bedauert, dass ihm seine Eltern immer noch kein Handy erlauben. Die Nacht bricht herein und die Jungs stecken im Container fest.

Das große Problem „die Dealer“ sind aus dem Weg geschafft, doch nun stecken die beiden in einer anderen Zwangslage. Es bleibt spannend. Du willst wissen, wie sie es schaffen, dort wieder herauszukommen, nicht wahr?

Nun die ganz fiese Variante.

Die Jungs sitzen atemlos in ihrem Müllcontainer und versuchen verzweifelt, kein Geräusch zu machen. Einem der Beiden fällt genau in diesem Moment das Handy aus den zitternden Händen. Es poltert vernehmlich auf den Boden der Tonne. Die Dealer hören das Geräusch und entdecken die Jungs.

Damit könnte unsere kleine Geschichte nun zu Ende sein. Die Bösen gewinnen fast kampflos. Vielleicht aber kommen die beiden Jungs noch einmal davon. Vielleicht fährt genau in dem Moment ein Auto in die Seitenstraße und veranlasst die Dealer zu Flucht.

drogendeal

 

Hast du Lust mit mir diese Geschichte zu einer Kurzgeschichte zu spinnen?

Einzige Vorgabe – Wir gehen alle von derselben Grundidee aus:

Zwei Schüler stolpern in einen Drogendeal.

Stell mir doch den Link zu deiner Version in die Kommentare und ich sammle unsere Varianten. Mal sehen, wie die Story sich entwickelt! Ich bin gespannt.

3 Gedanken zu “Ein Drogendeal und die Behauptung, eine Idee reiche aus, um ein Buch zu schreiben

  1. Michael Behr schreibt:

    Nun ja, ich habe tatsächlich schon Romane auf der Grundlage einer Idee geschrieben. Aber du schilderst den Weg ja sehr eindrücklich, dass man sich im Prinzip von einer Idee zu einer weiteren hangeln muss.

    Ich sehe hier auch noch einen Unterschied zwischen Plottern und Discovery Writern. Erstgenannte brauchen direkt am Start mehr als eine Idee, weil sonst alles nicht tragen würde. Letztgenannte, so wie ich, können wirklich erst einmal mit dieser Idee loslegen.

    Was am Ende dabei herauskommt, sollte so oder so natürlich eine gute Geschichte sein. Sonst taugt das alles nichts.

    Ob ich zu deiner kleinen Geschichte die Zeit finde, muss ich mal schauen. Du wirst es mitkriegen :-).

    Gefällt 1 Person

    • erinjsteen schreibt:

      Genau, die eine Idee mag eine Grundlage sein, die einen reizt, anzufangen. Aber es muss noch so viel mehr kommen als nur diese eine Idee. Bei uns Discovery Writern kann es genau so laufen. Ich glaube, du hast erkannt, dass ich auch so ticke… Schmeiß mir irgendwas hin und ich bau dir eine Geschichte daraus 😉
      Ich würde mich freuen, falls es bei dir mit einer Kurzgeschichte zu der „Idee“ klappt. Es wäre doch spannend zu sehen, was alles daraus werden kann…
      Viele Grüße
      Erin

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