Wie du deine Sinne nutzen kannst, um bessere Texte zu schreiben

Beim Schreiben von Geschichten haben wir mindestens einen großen Vorteil gegenüber den Filmemachern. Wir können glaubwürdig vermitteln, was unsere Erzähler riechen, empfinden oder schmecken. Diesen Vorteil sollten wir schamlos ausnutzen.

Bei deinen Beschreibungen des Settings solltest du also nicht nur erwähnen, was dein Erzähler sieht oder hört, sondern du solltest genau die Sinne ansprechen, die der Konkurrent auf dem Bildschirm nicht erreichen kann.

Möchtest du ein Beispiel dafür haben?

 

Sieh dir das Bild an. Du siehst eine attraktive junge Frau im Trainingsoutfit vor einem Boxsack. Die Lichtstimmung ist düster, ihre Haare sind strähnig.

Uns soll vermittelt werden, dass die Frau am Boxsack trainiert.

Das Bild vermittelt uns den visuellen Teil. Wäre es ein Film, so könnten wir vermutlich hören, dass sie schwer atmet. Ihre Fäuste prallen auf den Sack und erzeugen ein dumpfes Klatschen. Im Hintergrund hören wir vielleicht andere Boxer trainieren.

Nun fehlt aber noch einiges, um uns in die Situation zu versetzen. Warst du schon einmal in einem Boxring?

Es riecht nach einem Gemisch aus frischem und altem Schweiß. Die Handschuhe saugen den Schweiß auf und lassen ihn nie wieder richtig los. Der Boden ist angeraut, damit die Boxer auf dem nass geschwitzten Boden nicht ausrutschen. Immer wenn die Handschuhe auf den Boxsack treffen, entweicht eine Woge des Schweißgeruchs, weil die Luft im Polster herausgedrückt wird. Der Sack ist schwer und fest. Es bedarf einiger Kraft, den trägen Sack in Schwingung zu bringen. Das Training ist anstrengend, die Muskeln brennen und die Arme werden schwer. Das Atmen fällt ihr mit zunehmender Anstrengung immer schwerer. Sie beginnt zu schnaufen. Der Schlag gegen den Sack bringt nicht nur den Sack in Bewegung, sondern auch sie spürt den Schlag bis in die Schulter. Sie muss den Bauch anspannen, damit sie zum nächsten Schlag ausholen kann. Möglicherweise beißt sie sich beim Training in die Wange, dann schmeckt sie den metallischen Geschmack von Blut. Vielleicht hat sie einen trockenen Mund, weil sie durstig ist. Vielleicht hat sie gerade einen Schluck von einem isotonischen Sportgetränk genommen und hat deshalb einen zitronigen Geschmack im Mund.

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Wenn du diese Eindrücke aus deiner Geschichte herauskitzeln kannst, wird dein Leser die Geschichte auch erleben können, statt nur zuzusehen. Natürlich sollst du nicht einfach, wie ich in der Situationsbeschreibung, alles hinschreiben, was es über eine Situation zu erzählen gibt. Für deine Geschichte ist es gut, wenn du die Eindrücke etwas subtiler verpackst. Aber zum Erfahrungen sammeln reicht diese Darstellung alle Mal.

Probier es doch einmal aus. Geh da raus und erfahre mit all deinen Sinnen, was es bedeutet, eine Situation zu erleben. Tu etwas Ungewohntes und lerne daraus, wie du es einen Lesern beschreiben kannst.

 

2 Gedanken zu “Wie du deine Sinne nutzen kannst, um bessere Texte zu schreiben

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